"Dürfen wir nicht akzeptieren": Kompany mit emotionaler Kritik an Mourinho-Aussagen

Bayern-Trainer Vincent Kompany
Bayern-Trainer Vincent KompanyHeiko Becker / Reuters

Bayern-Trainer Vincent Kompany hat Jose Mourinho scharf für dessen Umgang mit den Rassismus-Vorwürfen rund um Real Madrids Vinicius Jr kritisiert und die Aussagen des Benfica-Coachs als „großen Führungsfehler“ bezeichnet.

TV-Bilder zeigten, wie Benficas Gianluca Prestianni seinen Mund mit dem Trikot bedeckte – ein typischer Trick von Spielern oder Trainern, um Lippenlesen zu verhindern – und dabei eine Bemerkung machte, die Vinicius und seine Mitspieler als rassistische Beleidigung auffassten.

Obwohl Benfica seinen Flügelspieler verteidigte, untersucht die UEFA die Vorwürfe diskriminierenden Verhaltens während des Champions-League-Playoff-Hinspiels am Dienstag, das Real Madrid durch ein Tor von Vinicius mit 1:0 gewann.

Mourinho erklärte, Vinicius habe mit seinen Torjubeln die Zuschauer provoziert und betonte zudem, der Verein sei alles andere als rassistisch, da der größte Spieler der portugiesischen Mannschaft, Eusebio, ebenfalls Schwarz gewesen sei.

"Das dürfen wir nicht akzeptieren"

"Jose Mourinho greift im Grunde den Charakter von Vinicius Jr an, indem er die Art des Jubels ins Spiel bringt, um Vinicius zu diskreditieren. Aus meiner Sicht ist das in Sachen Führung ein riesiger Fehler. Das dürfen wir nicht akzeptieren", sagte Kompany in einer zwölfminütigen Stellungnahme vor Journalisten zur Unterstützung von Vinicius.

"Und dann bringt er noch den Namen Eusebio ins Spiel – um zu behaupten, Benfica könne nicht rassistisch sein, weil der beste Spieler der Vereinsgeschichte Eusebio ist. Wissen Sie, was Schwarze Spieler in den 1960er Jahren durchmachen mussten? War er bei jedem Auswärtsspiel mit Eusebio unterwegs?", beschreibt der Belgier den damaligen Umgang mit schwarzen Spielern. 

"Mein Vater ist ebenfalls ein Schwarzer Mann aus den 1960er Jahren, der seinen Weg gemacht hat. Damals blieb ihnen wahrscheinlich nur die Möglichkeit, still zu sein, nichts zu sagen, darüber zu stehen und zehnmal besser zu sein, um wenigstens ein bisschen Anerkennung zu bekommen.", gibt Bayerns Übungsleiter Einblicke in die Vergangenheit seines Vaters. 

Kompany schilderte auch eigene Erfahrungen mit Rassismus während seiner Karriere, unter anderem als Kapitän der belgischen Nationalmannschaft.

Er sagte zudem, er habe „hundert Leute“ getroffen, die mit Mourinho zusammengearbeitet hätten und nichts Negatives über ihn berichten könnten, aber in diesem Fall habe der portugiesische Trainer einen großen Fehler gemacht – auch wenn er für seinen Verein kämpfe.

„Ich weiß also, dass er ein guter Mensch ist, ich muss ihn nicht als Person beurteilen. Aber ich weiß, was ich gehört habe und verstehe vielleicht, was er getan hat – er hat einen Fehler gemacht und hoffentlich passiert so etwas in Zukunft nicht mehr“, so Kompany.

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