Kater nach Double-Rausch: "Bei Bayern musst du mit allem rechnen"

Der FC Bayern hat durch den DFB-Pokalsieg das nationale Double geschafft.
Der FC Bayern hat durch den DFB-Pokalsieg das nationale Double geschafft.REUTERS/Maryam Majd

Hattrick-Held Harry Kane verabschiedete sich nach der ausgelassenen Double-Party bis zur WM in eine kurze Pause, Erfolgstrainer Vincent Kompany ging nach einer bemerkenswerten Saison mit einem sehr guten Gefühl in seinen wohlverdienten Urlaub. Also alles gut beim FC Bayern? Von wegen! Der so lang ersehnte Pokal-Triumph von Berlin wurde beim deutschen Rekordmeister von Unruhe in der Führungsetage überschattet - ausgelöst von Klubpatron Uli Hoeneß.

Die Einlassungen des Ehrenpräsidenten zur Zukunft von Sportvorstand Max Eberl sorgten rund um den bayerischen Pokalrausch für reichlich Gesprächsstoff. Hoeneß hatte wenige Stunden vor dem 3:0 (0:0) gegen den VfB Stuttgart im Spiegel-Spitzengespräch offen "Zweifel" an Eberl geäußert und die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung des 52-Jährigen über 2027 hinaus auf lediglich "60:40" beziffert.

Eberl zeigte sich vom erneuten Misstrauensvotum "überrascht". Sein "Fell" sei ja inzwischen "dick geworden, aber an einem Finaltag fand ich es jetzt nicht den richtigen Zeitpunkt", sagte er im schwarzen Rekordpokalsieger-Shirt mit weißem Kakadu. Natürlich könne man "zweifeln, das ist wirklich legitim", ergänzte er, "dann redet man darüber".

Erinnerungen an Brazzo-Schicksal

Eberl klang desillusioniert. Es sei "aber auch egal", er wolle "einfach seinen Job machen", auch in diesem Sommer: "Wir haben jetzt Transferperiode und der werde ich mich widmen", sagte er und fügte an: Er müsse "mit Szenarien leben, die mir auferlegt werden. Mein Leben wird weitergehen. Ich bin da, um meine Arbeit zu machen."

Der frühere Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der vor drei Jahren eiskalt abserviert wurde, kennt das alles. "Ich musste das auch durchmachen. Beim FC Bayern musst du mit allem rechnen, besonders wenn Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer da sind. Es gibt immer ein Interview, das du nicht erwartest", sagte Salihamidzic bei Sport1.

Im mächtigen Aufsichtsrat gilt angeblich der frühere Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als größter Eberl-Kritiker. Immer wieder wurden dem Sportvorstand in den vergangenen Monaten mangelnde Kommunikation, aber auch zu teure Vertragsverlängerungen zum Vorwurf gemacht. Andererseits kann sich Eberl die Verpflichtungen von Erfolgsgarant Kompany oder Topstars wie Michael Olise oder Luis Díaz auf die Fahne schreiben. Deshalb räumte auch Hoeneß ein, dass Eberl ein Manager sei, "der hier einen großen Anteil an unserem Erfolg dieser Saison hat".

Über die Zukunft von Eberl kann frühestens ab dem 1. Juli verhandelt werden, weil Verträge mit Vorständen erst ein Jahr vor Ablauf verlängert werden können. Im August tagt der Aufsichtsrat um Hoeneß und Rummenigge.

Goretzka sieht rosige Bayern-Zukunft

Für Pokal-Held Kane, Joshua Kimmich und Co. war das Theater der Bosse jedoch ganz weit weg. In der Berliner Eventlocation Kraftwerk neben einer riesigen Kakadu-Statue und im In-Club Soho-House begossen die Münchner Stars den 21. Pokalsieg und das 14. Double bis 6.30 Uhr am Sonntagmorgen ausgiebig.

Das große Ziel bleibt allerdings der Champions-League-Titel, erst recht nach dem knappen Halbfinalaus gegen Paris Saint-Germain. Er habe "keinen Zweifel", betonte Leon Goretzka bei seinem Abschied, dass die Bayern "das schaffen können, wenn die Mannschaft wirklich so bestehen bleibt und vor allem auch der Trainer seinen Weg weiter durchzieht".

Kompany freute sich jedoch zunächst auf fast zwei Monate Pause, der WM sei Dank. "Vielleicht", sagte der unermüdliche Coach mit einem Schmunzeln, habe er da "mal die Zeit, mir Gedanken zu machen, was in den nächsten zwölf Monaten passieren muss, damit die Mannschaft den nächsten Schritt macht". Klar ist: "Die Jungs sind hungrig. Nächste Saison müssen wir es wieder zeigen." Ungeachtet aller Nebengeräusche.