Der Ausdruck ist im italienischen Calcio fest verankert. Er beschreibt den Versuch eines Klubs, einen Ex-Trainer zurückzuholen, um alte Glanzzeiten wiederzubeleben. Bei Allegri schlug dieses Schicksal nun schon zum zweiten Mal erbarmungslos zu.
Nach nur einer Saison bei Milan wurde der 58-Jährige am Montag entlassen, weil er die Qualifikation für die Champions League verpasste. Ein krasser Gegensatz zu seiner ersten Debütsaison im Jahr 2011, als er mit den Rossoneri prompt den Scudetto holte. Zwar steht Allegris abwartender, defensivgeprägter Spielstil seit jeher in der Kritik – solange die Ergebnisse stimmen, beschweren sich die Fans jedoch selten.
Die Parallelen zu Juventus
Als Juventus Allegri 2014 als Nachfolger von Antonio Conte installierte – der nach drei Meistertiteln in Folge zurückgetreten war –, hagelte es zunächst Fanproteste. Allegri überzeugte die Skeptiker jedoch schnell: In fünf Jahren holte er fünf Meisterschaften und viermal die Coppa Italia. Nur der große Traum vom Champions-League-Triumph blieb trotz zweier Finalteilnahmen unerfüllt, weshalb sich die Wege schließlich trennten.
Nach zwei Jahren Pause kehrte er das erste Mal zu Juve zurück, verbuchte in drei Spielzeiten jedoch nur noch einen einzigen Coppa-Italia-Sieg. Ironischerweise besiegelte ausgerechnet dieser Titelgewinn sein Aus: Im Pokalfinale gegen Atalanta flog Allegri mit Rot vom Platz, riss sich Krawatte und Hemd vom Leib und stürmte wütend in den Spielertunnel. Nach Abpfiff geriet er zudem mit Schiedsrichtern, Juve-Funktionären und einem Zeitungsdirektor aneinander. Es folgte die Entlassung und ein weiteres Jahr Auszeit.
Auch die Milan-Rückkehr bleibt erfolglos
Im Mai vergangenen Jahres folgte dann das Comeback bei Milan, das anfangs durchaus nach Aufschwung aussah. Seit der Meisterschaft 2022 und der Übernahme durch die US-Investoren von RedBird Capital Partners lief es bei den Mailändern mager. Einziger Ertrag war der italienische Supercup in der Vorsaison – zu wenig, um Trainer Sergio Conceição im Amt zu halten, nachdem Milan als Achter das internationale Geschäft komplett verpasst hatte.
Genau das galt jedoch als Allegris großer Pluspunkt: Ohne die Dreifachbelastung konnte er sich voll auf die Serie A konzentrieren, und Milan avancierte schnell zum Titelkandidaten. Nach dem Fehlstart (1:2 gegen Aufsteiger Cremonese) blieb sein Team 24 Ligaspiele in Folge ungeschlagen und hielt Schritt mit der Spitze, bis Inter Mailand davonzog.
Erst im Februar kassierte Milan die nächste Pleite, rehabilitierte sich aber kurz darauf mit einem Derbysieg gegen Inter. Dann folgte der dramatische Einbruch im Saisonendspurt: Nur drei Siege aus den letzten zehn Spielen, dem gegenüber standen sechs Niederlagen.

Dennoch hatte Milan bis zum letzten Spieltag die Chance auf die Königsklasse. Doch Allegris Saison endete, wie sie begonnen hatte: mit einer bitteren 1:2-Heimniederlage, diesmal gegen Cagliari. Das war der endgültige Schlusspunkt.
Blick in die Zukunft
Als Favorit auf Allegris Nachfolge gilt nun der frühere Bournemouth-Trainer Andoni Iraola. Der Spanier steht für intensiven Offensivfußball – ein Stil, den sich viele Milan-Fans sehnlichst wünschen. Denn Allegris Philosophie, die primär darauf ausgerichtet ist, Fehler zu vermeiden statt Siege zu erzwingen, funktioniert eben nur, solange der Erfolg ihm recht gibt.
Lange arbeitslos dürfte der Coach dennoch nicht bleiben. Medienberichten zufolge wird er bereits bei der SSC Neapel gehandelt, wo Antonio Conte aufgehört hat – oder sogar als neuer Chefcoach der italienischen Nationalmannschaft.
