"Das habe ich absichtlich gemacht", sagte Ilunga einst der BBC: "Ich kannte die Fußballregeln. Ich sah keinen Grund, mich weiter verletzen zu lassen, während diejenigen, die finanziell davon profitieren, auf der Tribüne saßen und zusahen." Er habe "gehofft, als Zeichen des Protests vom Platz gestellt zu werden". Es gab aber nur Gelb.
Zu diesem Zeitpunkt hieß das Land in Zentralafrika nicht Demokratische Republik Kongo, und es hatte auch nicht wie heute die Chance auf die K.o.-Runde bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Die Geschichte von Zaire bei der WM 1974 in Deutschland ist ein bitteres Kapitel in der brutalen Regentschaft des Diktators Mobutu Sese Seko.
Sport als politische Bühne
Auch damals war es das dritte Gruppenspiel gewesen, wie für Kongos Fußballer in der Nacht zum Sonntag (1.30 Uhr MESZ/MagentaTV) in Atlanta gegen Usbekistan. Während die aktuelle Generation um Starstürmer Yoane Wissa mit einem Sieg gegen Usbekistan ins Sechzehntelfinale einziehen könnte, gab es für Ilunga und Co. rein gar nichts mehr zu gewinnen. Sie lebten vor dem Brasilien-Spiel in Angst. Angst vor Mobutu und seinen Schergen.
Zum Match-Center: DR Kongo vs. Usbekistan
Der Diktator hatte die Macht im Jahr 1965 übernommen. Mobutu, der das Land bis 1997 regierte, nutzte den Sport für seine Zwecke; sein erfolgreichstes Projekt war der "Rumble in the Jungle" zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Kinshasa. Das war nur ein paar Monate nach der WM, die er ebenfalls als Bühne für sich auserkoren hatte.
Als sich Zaires Kicker für das Turnier in Deutschland qualifiziert hatten, empfing Mobutu sie in seinem Präsidentenpalast und machte gigantische Versprechungen. "Wir glaubten fälschlicherweise, dass wir von der Weltmeisterschaft als Millionäre zurückkehren würden", sagte Ilunga. Es kam jedoch alles ganz anders. Den Auftakt verloren sie 0:2 gegen Schottland, danach erfuhr die Mannschaft laut Ilunga, dass sie doch nicht bezahlt würde.
Eigentlich wollten sie die zweite Partie gegen Jugoslawien verweigern, letztlich ließen sie sich 0:9 abschießen. Und der Diktator schäumte. "Nach dem Spiel schickte er seine Präsidentengarde, um uns einzuschüchtern", erzählte der 2015 verstorbene Ilunga, ihnen sei gedroht worden, "dass keiner von uns jemals nach Hause zurückkehren würde, falls wir gegen Brasilien mit 0:4 verlieren sollten."
WM-Weiterkommen für DR Kongo möglich
Die 78. Minute jener Begegnung hat die Zeit überdauert – eben wegen Ilungas langem Schlag. Am Ende unterlag die Mannschaft mit 0:3, konnte also unbeschadet zurückreisen, das versprochene Geld sah jedoch niemand. Und der bis heute schlechteste WM-Teilnehmer waren sie mit null Punkten und 0:14 Toren ohnehin. Entsprechend war es Balsam auf die kongolesische Fußball-Seele, als Ilungas Erben fünf Jahrzehnte später beim 1:1 zum Auftakt des XXL-Turniers in Nordamerika gegen Cristiano Ronaldos Portugal der erste WM-Punkt gelang.
Mit dem Weiterkommen könnten sie nun noch etwas schaffen, das ihren fußballerischen Vorvätern nie vergönnt war.

FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
WM Spielplan | Gruppentabellen | Deutschland bei der WM | Alle Kader der WM | Wo du die WM LIVE schauen kannst | Alle Trikots der WM 2026 | Aktuelle News zum Turnier

