Was die DFB-Auswahl und ihr Chef in den ersten Tagen vor Ort erlebten, droht allen Teams beim XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada. Schon die Klub-WM 2025 und jetzt die Vorbereitungsspiele wie das 2:1 (1:1) der deutschen Nationalmannschaft gegen die Amerikaner in Chicago zeigten, mit welchen Widrigkeiten die Stars zu kämpfen haben werden.
Bei Nagelsmann fing das Elend schon auf der Anreise an. "In meiner zugegeben sehr schönen Flugkabine war's arschkalt", berichtete er im Soldier Field mit einem säuerlichen Lächeln, "hier drinnen ist es eher frostig, draußen eher warm, das ist nicht immer super leicht". Außerdem komme "das Schonen der Stimme" in seinem Amt nunmal "zu kurz".
Auch Thomas Tuchels Engländer litten bei ihrem müden Kick gegen Neuseeland (1:0) unter den Verhältnissen in Tampa/Florida, "Ausrede" dürfe das Wetter aber nicht sein, betonte er. Die Trainer haben gegenüber den Fans und vor allem den Spielern ja auch den Vorteil, dass sie sich kaum bewegen müssen. DFB-Sportdirektor Rudi Völler wird noch heute schweißgebadet wach, wenn er von der WM 1994 in den USA träumt. Längst legendär ist auch die Aussage von Dortmund-Coach Niko Kovac, der seine Spieler beim Klubturnier vor einem Jahr wegen der enorm hohen Temperaturen mit "Grillhähnchen" verglich.
Klimatisierte Stadien, Hotels und Teambusse sollen Abhilfe schaffen, führen aber zu Erkältungen - siehe Nagelsmann. Der Weltverband versucht, mit Trinkpausen gegenzusteuern - mit dem lukrativen Nebeneffekt, dass die TV-Sender Werbung schalten können.
Wetterrisiko bei fast allen 104 WM-Spielen
Dass die FIFA den Fans verbieten wollte, Wasserflaschen in die Stadien mitzunehmen, sorgte angesichts des fordernden Klimas für einen Aufschrei. Sie ruderte zurück, jeder Zuschauer darf nun "eine weiche, werkseitig versiegelte Einweg-Plastikwasserflasche" mitführen, Fassungsvermögen 590 Milliliter. Auch Sprühnebelanlagen, Trinkstationen, Kühlzelte und Ventilatoren sollen helfen.
Ob das reicht? Zumindest für die Bedingungen auf den Plätzen bleiben Zweifel. Die Forschungsgruppe "World Weather Attribution" erwartet, dass die "Wet-bulb globe temperature" bei 26 der 104 WM-Spiele einen Wert von 26 Grad übertreffen wird - ab dieser Grenze gilt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Sportler. Auch mit heftigen Gewittern ist mancherorts zu rechnen - siehe die Klub-WM mit mehreren Spielunterbrechungen.
Insofern war der USA-Test mit Anstoß um 13.30 Uhr Ortszeit bei schwül-warmen Temperaturen und Regen "ein guter Einstieg in die klimatischen Bedingungen", wie Nagelsmann meinte. Und seine Stimme? "So schlecht", sagte er lässig, "klingt's ja gar nicht".
