Das Thema Neuer etwa hätte ein Bundestrainer Hoeneß "ganz anders angepackt", sagte der 74-Jährige: "Ich hätte ganz klar gesagt: Wir spielen jetzt mit Baumann oder Nübel und wir warten ab, wie die Entwicklung ist." Manuel Neuer hätte man auch "ohne das Theater auch noch vier Wochen vor der WM nominieren können, und er hätte gespielt wie einst im Mai."
Bei Nagelsmann bestehe "oft die Gefahr, dass viele Dinge in den Medien zerredet werden, dass er viel zu viele Dinge über die Medien macht", kritisierte Hoeneß und nannte das Beispiel des Stuttgarter Stürmers Deniz Undav, den der Bundestrainer öffentlich "diskreditiert" habe.

Hoeneß forderte: "Du musst heute deine Probleme intern lösen. Die Medien sollen wieder selber arbeiten. Denen musst du nicht jeden Tag Futter geben." Bayerns Cheftrainer Vincent Kompany werde man "nie, nie über einen Spieler schlecht reden hören, selbst wenn er der Meinung ist, den kann er nicht gebrauchen".
Wunsch nach mehr Kontinuität
Nagelsmann werfe er vor, "dass er jetzt noch junge Spieler dazu holt und testet, um den Medien gerecht zu werden". Deutschland habe "nicht die beste Mannschaft auf der Welt, aber es kann trotzdem ein erfolgreiches Team sein, wenn jeder für jeden rennt, wenn sie ein Team sind".

Das sei nur zu erreichen, wenn die Elf eingespielt sei. "Das fehlt mir im Moment: Kontinuität." Deshalb würde Hoeneß "selbstverständlich" auch auf das Münchner Duo Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic im DFB-Mittelfeld setzen.
Noch sei es nicht zu spät. Wenn Nagelsmann bei der WM "von Anfang an sagt, das ist meine Mannschaft – plus, minus ein, zwei, drei Spieler", könne es ein gutes Turnier werden. "Die Gruppe ist ja nicht so schwer, man kann sich einspielen. Dann haben wir immer die Chance, ins Halbfinale zu kommen. Alles andere ist abhängig von der Tagesform."

