In der entscheidenden Phase der WM-Qualifikation setzte Rangnick vor allem auf eine bewährte Achse. Die Innenverteidiger Kevin Danso und Philipp Lienhart gehörten zu den Konstanten in einer Mannschaft, die sich souverän das WM-Ticket sicherte.
Lienhart hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Fixpunkt entwickelt und wird bei der Weltmeisterschaft gesetzt sein. Der Verteidiger des SC Freiburg gilt als verlässlich, zweikampfstark und taktisch diszipliniert. Sein Spiel muss nicht spektakulär sein, dafür ist es umso effektiver. An seiner Seite bringt Danso eine andere Komponente ein. Der Tottenham-Profi vereint Physis, Tempo und Kopfballstärke und gehört zu jenen Verteidigern, die auch gegen körperlich starke Angreifer bestehen können. Sollte Alaba nicht fit sein, wäre er wohl der erste Kandidat für die Innenverteidigung.

Das große Fragezeichen
David Alaba ist der größte Name in Österreichs Defensive – und gleichzeitig die größte Unbekannte. Zwar reist er mit 112 Länderspielen und der Erfahrung von vier Champions-League-Siegen zur ersten Weltmeisterschaft seiner Karriere, doch seine körperliche Verfassung bleibt ein Thema.
Nach einer von Verletzungen geprägten Saison bei Real Madrid wird der Wiener rund um das Turnier behutsam aufgebaut. Wenn Alaba fit ist, zählt er mit seiner Übersicht, seinem Spielaufbau und seinen Führungsqualitäten weiterhin zu den komplettesten Verteidigern des Turniers. Seine Bedeutung für die Nationalmannschaft geht dabei weit über seine Leistungen auf dem Platz hinaus.

Laufstärke auf den Außenbahnen
In Ralf Rangnicks Spielsystem kommt den Außenverteidigern eine besondere Bedeutung zu. Sie sollen nicht nur verteidigen, sondern auch pressen, Räume schließen und Angriffe einleiten. Konrad Laimer dürfte dabei auf einer Seite gesetzt sein. Mit seiner Laufstärke, Aggressivität und Mentalität verkörpert er viele Eigenschaften, die Rangnick schätzt.
Auf der gegenüberliegenden Seite spricht vieles für Phillipp Mwene. Der Mainzer hat sich in den vergangenen Jahren zu einer verlässlichen Größe entwickelt und verbindet defensive Stabilität mit offensivem Elan. Dank seiner Dynamik und Ausdauer ist er ein wichtiger Baustein im österreichischen Spiel.
Qualität aus der zweiten Reihe
Sollte Rangnick während des Turniers reagieren müssen, mangelt es nicht an Alternativen. Stefan Posch überzeugt durch seine Vielseitigkeit und durfte sich bereits in der Quali und beim letzten WM-Test gegen Tunesien als Außenverteidiger beweisen. Ebenfalls eine Option ist Alexander Prass. Der Hoffenheim-Profi besticht vor allem durch seinen Offensivdrang und seine Fähigkeit, auf der linken Seite immer wieder für Überraschungsmomente zu sorgen.
Marco Friedl zeichnet sich durch seine Ruhe am Ball aus und bringt als Kapitän von Werder Bremen Führungsqualitäten mit. Mit Michael Svoboda und David Affengruber kommen zudem zwei Verteidiger hinzu, die auf unterschiedlichen Wegen den Sprung ins internationale Geschäft geschafft haben.

Svoboda etablierte sich in Italien, kehrte nach einem Kreuzbandriss stärker zurück und zählt inzwischen zu den interessantesten Defensivspielern im Kader. Der Wiener war eine der Säulen in der Aufstiegssaison des FC Venezia. Statt den erwartbaren Weg zu gehen, wechselte David Affengruber in die Segunda División, schaffte mit Elche den Aufstieg und etablierte sich anschließend in La Liga. In Spanien nennen sie ihn „Kaiser” oder sogar „Affenbauer” – eine Anspielung auf Franz Beckenbauer.
Österreichs WM-Abwehr auf einen Blick
David Alaba (Real Madrid CF/ESP) – 112 Länderspiele, 15 Tore
Stefan Posch (1. FSV Mainz 05/GER) – 51 Länderspiele, 5 Tore
Philipp Lienhart (SC Freiburg/GER) – 40 Länderspiele, 3 Tore
Kevin Danso (Tottenham Hotspur/ENG) – 31 Länderspiele
Phillipp Mwene (1. FSV Mainz 05/GER) – 29 Länderspiele
Alexander Prass (TSG 1899 Hoffenheim/GER) – 18 Länderspiele
Marco Friedl (SV Werder Bremen/GER) – 10 Länderspiele
Michael Svoboda (Venezia FC/ITA) – 4 Länderspiele
David Affengruber (Elche CF/ESP) – 1 Länderspiel
