"Vielleicht ein Kotelett mehr" nach zwölftem Titel: Wer stoppt die Eisbären?

Die erfolgsverwöhnten Eisbären feiern den nächsten Titel in der DEL.
Die erfolgsverwöhnten Eisbären feiern den nächsten Titel in der DEL.CHRISTOF KOEPSEL / GETTY IMAGES VIA AFP

Im goldenen Konfettiwirbel, zwischen Champagnerfontänen und Bierduschen wurden die Berliner Serienmeister nicht müde, das Besondere an ihrem zwölften Titel zu erklären. Die geschlagenen Mannheimer, in der Vorrunde noch 18 Punkte besser und im Finale doch chancenlos, schauten mit leeren Blicken und Silber um den Hals zu. Nicht nur sie fragten sich nach dem inzwischen gewohnten Saisonende: Wer soll diese Eisbären stoppen?

Die Gegner schafften es auch in diesen Playoffs nicht, und selbst größte Verletzungsprobleme und langwierige Ausfälle von Stammspielern bremsten die Übermannschaft der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nur kurz aus. "Es war hart", sagte Verteidiger Jonas Müller, der für den erst lange verletzten und am Ende gesperrten Kapitän Kai Wissmann in die Bresche sprang, nach dem 4:1 im fünften Finale gegen die Adler Mannheim, "sobald einer wiedergekommen ist, hat sich ein anderer verletzt."

Zum Match-Center: Adler Mannheim vs. Eisbären Berlin

Und Stürmer Marcel Noebels, wie sein Nationalmannschaftskollege bei allen fünf Titelgewinnen in den vergangenen sechs Jahren dabei, sekundierte: "Am Ende haben wir die Mentalität, um auf der richtigen Seite zu stehen." Der Konkurrenz, die zuletzt 2019 die Eisbären in den Playoffs bezwang, riet er lachend: "Vielleicht ein Kotelett mehr essen."

Stettmer auf Wolke sieben

Eine andere Ernährung wird die Dominanz des Rekordmeisters, der zum dritten Mal in Folge triumphierte, nicht beenden. Vielleicht kann Noebels selbst dazu beitragen, denn der Olympia-Silberheld von 2018 wechselt zu den Kölner Haien, die als überlegener Hauptrundensieger und Titelfavorit bereits im Halbfinale an Berlin gescheitert waren. "Ich hatte eigentlich vor, meine Karriere zu beenden", sagte der 34-Jährige, "aber wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf."

Vielleicht hilft den Konkurrenten auch, dass Torhüter Jonas Stettmer, als bester Spieler der Endspielserie ausgezeichnet, zum ERC Ingolstadt zurückkehrt. "Unglaublich, ich hätte mir niemals erträumen können, mal MVP im Finale zu werden", sagte der 24-Jährige, der die Mannheimer mit seinen Paraden zur Verzweiflung getrieben hatte.

Dabei war Stettmer eigentlich als Nummer zwei hinter dem letztjährigen Meistergoalie Jake Hildebrand in die Saison gegangen, verlor den hart erkämpften Job als Nummer eins in den Playoffs kurzfristig wieder, kehrte nach dessen Verletzung aber zurück - und hielt sensationell: "Ich habe alles, was möglich ist, auf dem Eis gelassen."

Adler wollen aus Fehlern lernen

Die größte Hoffnung der Gegner ist aber wohl der bevorstehende Abschied von Meistermacher Serge Aubin. Der Kanadier, der seit 2019 keine einzige Playoff-Serie mit Berlin verlor, wechselt laut Medienberichten aus der Schweiz zum SC Bern - trotz laufenden Vertrags. Sein fünfter und wahrscheinlich letzter Titel mit den Eisbären sei "sehr speziell", sagte Aubin, auch "weil es lange Zeit Zweifel an uns gab".

Die gab es auch schon, als sich 2013 DEL-Rekordtrainer Don Jackson aus Berlin verabschiedete - ebenfalls nach drei Titeln in Folge und fünf in sechs Jahren. Es dauerte immerhin sieben Jahre, bis die Eisbären wieder im Konfettiregen standen. Es könnte die Chance für Klubs wie Mannheim sein, die seit Jahren viel Geld investieren, um mit dem Rekordmeister mithalten zu können. Nach der ersten Enttäuschung stellte Adler-Kapitän Marc Michaelis fest: "Es ist wichtig, dass wir so eine Erfahrung gemacht haben, um künftig in solchen Spielen bessere Entscheidungen zu treffen."