Alles war vorbereitet: Die Heim-WM sollte der krönende Abschluss für den erfolgreichsten Eishockey-Nationaltrainer der Schweiz werden – womöglich mit dem Weltmeistertitel als Abschiedsgeschenk. Dann holte Patrick Fischer die Vergangenheit ein.
Mit einem gefälschten Impfzertifikat war der schillernde Coach zu Olympia 2022 in Peking eingereist, ein Jahr später dafür mit einer Geldstrafe belegt worden. Jetzt wurde der Skandal öffentlich, der 50-Jährige, der mit der Nati gerade zum ersten WM-Vorbereitungsspiel in die Slowakei gereist war, entlassen.
Und die eishockeyverrückte Schweiz diskutiert seitdem aufgeregt über das Ego eines außergewöhnlichen Trainer, Moral und Ethik im Sport - und die Rolle der Medien.
Fischer hat sich bereits entschuldigt
Denn Fischer hatte seine Verfehlung gegenüber einem Reporter des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders SRF ausgeplaudert – ausgerechnet in einer Drehpause zu einer filmischen Hommage auf den 50-Jährigen, der die Schweiz seit seinem Amtsantritt im Dezember 2015 zu drei WM-Silbermedaillen führte. Die zu den Fischer-Festspielen bei der Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg (15. bis 31. Mai) aufgeführt werden sollte.
Der SRF recherchierte, und Fischer kam einer Veröffentlichung zuvor, indem er sich selbst mit einem Handyvideo zu Wort meldete, um Verzeihung bat und von einer "persönlichen Notlage" sprach.
Impfgegner hetzen gegen Journalisten
Er habe sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, deshalb bestellte er im Internet ein gefälschtes Zertifikat, wie die Staatsanwaltschaft Luzern schon 2023 befand und einen Strafbefehl wegen Urkundenfälschung in Höhe von 38.910 Franken ausstellte.
Zwei Tage lang hielt der Schweizer Verband noch an ihm fest, dann feuerte er Fischer, weil er "Vertrauen und Integrität", also "Werte und Respekt", die zentral seien, verletzt sah.
Die Szene der Impfskeptiker feierte Fischer als Märtyrer, eine Online-Petition für die Rücknahme der Kündigung sammelte nach eigenen Angaben 250.000 Unterschriften. Der SRF-Journalist wurde bedroht, ein semiprominenter Schauspieler und Maler, der als Zirkusclown reüssierte, kündigte an, die Spiele des Erstligisten Rapperswil-Jona zu boykottieren, weil der Reporter dort Stadionsprecher ist.
Fischers Kritiker wiederum werfen ihm vor, er habe "sein Ego über die Interessen des Teams" gestellt – wie die NZZ kommentierte, und "die Kabine verraten".
