Mit zu schwachen Leistungen und unnötigen Niederlagen zu Beginn hatte sich das Team in Zürich in eine missliche Lage manövriert, aus der es mit eigenen Kräften nicht mehr herauskam. "Jetzt stehst du da und bibberst", sagte Seider nach dem 6:2 gegen Österreich am Samstagabend sichtlich verärgert dem SID, "das sollte nicht unser Anspruch sein."
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Denn in Fahrt kam die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) erst, als es eigentlich schon zu spät war. Deshalb fiel der Rückblick des NHL-Stars auch äußerst kritisch aus. Das 1:3 zum Auftakt gegen "eine sehr schlagbare finnische Mannschaft" nannte er "unnötig", gegen Lettland (0:2), als die Offensive völlig versagte, wäre es "ein absoluter Pflichtsieg" gewesen, auch gegen die USA (3:4 nach Penaltyschießen), als man fünf Minuten vor Schluss noch 3:2 führte, "hätte man gewinnen müssen". Nur das 1:6-Debakel gegen die Schweiz nahm Seider aus seiner Rechnung heraus: "Das würde ich ausradieren, da sind wir einfach kollabiert."
Auch Headcoach Kreis macht Fehler
Dass das DEB-Team am Ende auf "ein Wunder" (Torhüter Philipp Grubauer), nämlich sehr unwahrscheinliche Schützenhilfe am Dienstag, einen Tag nach seinem letzten Spiel, angewiesen ist, lag aber nicht nur an den Unzulänglichkeiten auf dem Eis.
Auch Bundestrainer Harold Kreis gab kein gutes Bild ab. Dass er gegen die USA beim späten, äußerst umstrittenen Ausgleich auf eine Challenge verzichtete, weil er glaubte, er könne sie nicht nehmen, könnte am Ende der entscheidende Fehler gewesen sein. Denn mit einem Sieg gegen die schwächste amerikanische Mannschaft seit der WM 2010, als der inzwischen dreimalige Olympiasieger in Köln beinahe abgestiegen wäre, hätte die DEB-Auswahl aus eigener Kraft das Viertelfinale erreicht.
Zudem sorgte Kreis für Aufsehen, als er nach dem Spiel gegen Österreich erklärte, er habe beim Stand von 5:2 kurz vor Schluss Grubauer aus dem Tor nehmen wollen. "Wir hatten ausgerechnet, dass wir je nach Konstellation vier Tore Unterschied bräuchten", sagte er. Die Österreicher nahmen aber ihren Torwart vom Eis, weil sie richtig gerechnet hatten: Denn Deutschland hätte bei möglicher Punktgleichheit mit Österreich und Lettland im direkten Vergleich eine Drei-Tore-Differenz gereicht.
Kreis' Auftreten in Zürich hat die Trainerdiskussion ein Jahr vor der Heim-WM in Düsseldorf, Mannheim und auf Schalke weiter angeheizt. Schon nach der Olympia-Enttäuschung von Mailand mit allen NHL-Stars um Leon Draisaitl war der 67-Jährige in die Kritik geraten. Die Frage, ob er vor dem Turnier im eigenen Land eine neue Euphorie entfachen könnte, beantworten inzwischen viele anders als noch bei seiner Vertragsverlängerung im Dezember. Die Begeisterung nach dem Silbercoup bei seinem WM-Einstand 2023 ist längst völlig verflogen.
