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ÖEHV-Krise eskaliert: 11 Teamspielerinnen streiken, NHL-Star Rossi unterstützt

Anna Meixner und Antonia Matzka ist das Lachen vergangen
Anna Meixner und Antonia Matzka ist das Lachen vergangenČTK / imago sportfotodienst / BEAUTIFUL SPORTS/Mario M. Koberg

Drei Monate vor Österreichs erstmaliger Teilnahme an einer A-WM spitzt sich der Konflikt zwischen den Teamspielerinnen und dem ÖEHV zu. Elf Spielerinnen fehlen beim aktuellen Lehrgang. Unterstützung kommt unter anderem von NHL-Profi Marco Rossi.

Im österreichischen Frauen-Eishockey-Nationalteam herrscht drei Monate vor der erstmaligen Teilnahme an einer A-WM dicke Luft. Elf Nationalspielerinnen haben für den aktuellen Lehrgang samt Turnier in der Slowakei abgesagt. Einige Leistungsträgerinnen drohen sogar mit einem WM-Boykott.

Hintergrund ist ein schon länger schwelender Konflikt mit dem Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV). Die von der younion-Sportgewerkschaft unterstützten Spielerinnen fordern professionellere und fairere Rahmenbedingungen. Bereits im März wurden dem Verband neun Verbesserungsvorschläge schriftlich übermittelt.

Die Kritik betrifft nicht nur finanzielle Fragen. Verteidigerin Antonia Matzka berichtete unter anderem von Stockbetten in Unterkünften, einer unbeheizten Umkleidekabine, schlecht passender Teamkleidung aus Restbeständen der Männer und teilweise sehr kurzfristigen Einberufungen. Zudem sorgte die Trennung von mehreren langjährigen Betreuern für Unmut.

„Genug ist genug. Unter dieser Führung und diesen Bedingungen werden wir nicht mehr für Österreich spielen“, hatte Kapitänin Anna Meixner erklärt.

Zahlreiche Leistungsträgerinnen fehlen

Neben Meixner fehlen beim aktuellen Lehrgang unter anderem Theresa Schafzahl, Charlotte Wittich, Annika Fazokas und Matzka. Insgesamt reiste das Nationalteam am Montag mit lediglich 21 Spielerinnen in die Slowakei.

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte die Nichtnominierung von Torhüterin Selma Luggin, die beim Aufstieg in die A-Gruppe eine wichtige Rolle gespielt hatte. Laut Luggin wurde ihren Kolleginnen erklärt, dass ihre Qualitäten bekannt seien und deshalb andere Torhüterinnen eine Chance bekommen sollen.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass trotz zahlreicher Gespräche weiterhin konkrete schriftliche Zusagen fehlen. „Ein unvollständiger Kader bei einem A-Nationalteam-Trainingslager muss doch ein Zeichen für die Verantwortlichen sein“, sagte Sascha Tomanek von der Eishockeyspieler:innen Union.

Ohne zahlreiche Stammkräfte bestreitet Österreich in Bardejov Testspiele gegen die Slowakei, die Niederlande und Italien.

Rossi stellt sich hinter die Frauen

Unterstützung erhalten die Spielerinnen mittlerweile auch von prominenten männlichen Kollegen. NHL-Profi Marco Rossi zeigte Verständnis für die Boykottdrohung. „Wenn man nicht respektiert wird, wären wir Männer auch nicht anders. Ich verstehe die Entscheidung, man sollte auch zu 100 Prozent hinter den Frauen stehen“, sagte der Vorarlberger.

Auch Paul Huber von den Graz99ers stellte sich hinter die Nationalspielerinnen. „Ich finde die Reaktion positiv, weil man soll sich nicht alles gefallen lassen. Gewisse Basics sollten gegeben sein“, erklärte der 23-Jährige.

ÖEHV setzt weiter auf Dialog

Der Verband weist unterdessen darauf hin, seit Monaten an Verbesserungen zu arbeiten. Ab 2027 soll ein neues Vergütungs- und Entschädigungsmodell für alle drei Senioren-Nationalteams gelten.

Zu einzelnen Personal- und Kaderentscheidungen möchte sich der ÖEHV öffentlich nicht äußern. Vizepräsidentin Yasmin Stepina setzt auf Gespräche während des aktuellen Lehrgangs: „Dem ÖEHV liegt nicht an einer Eskalation, sondern an konstruktiven Gesprächen und Lösungen im Sinne des österreichischen Eishockeysports.“

Die Zeit drängt. Im November wartet auf Österreich die historische erste A-WM – und aktuell ist offen, ob dort tatsächlich die besten Spielerinnen des Landes auf dem Eis stehen werden.