Der Geist von Diogo Jota wird über dem Stadion in Toronto schweben. Wenn der Anpfiff ertönt, ist er fast auf die Minute genau ein Jahr.
Der Tod des Nationalspielers erschütterte Portugal am 3. Juli 2025. Nun fällt der erste Jahrestag des tragischen Autounfalls ausgerechnet mit dem WM-Sechzehntelfinale zusammen. Es wird ein emotionaler Abend für seine alten Weggefährten, die Jota ihre Titelmission gewidmet haben.

"Er ist wohl das Symbol und die größte Motivation, die wir haben. Wir wollen die Weltmeisterschaft für ihn gewinnen", sagte Nationaltrainer Roberto Martínez vor dem ersten K.o.-Spiel seiner Mannschaft in der Nacht zum Freitag (1 Uhr MESZ/MagentaTV) gegen Kroatien.
Match-Center: Portugal vs. Kroatien
Siegen für den toten Freund
In der kanadischen Metropole wollen die Portugiesen jedoch nicht trauern, sie möchten ihren Mitspieler und Freund mit einem Sieg feiern.
"Ich würde nicht sagen, dass der Jahrestag besonders schwer sein muss", sagte Martínez. Er sei vielmehr, ein Anlass, "sein Leben zu würdigen. Wir müssen Diogo Jota ehren."
Dies tun sie bereits die gesamte WM über. Jota wurde symbolisch als 27. Spieler für den Kader nominiert, Portugals Premierminister Luís Montenegro schenkte jedem Profi ein besonderes Armband. "Darauf stehen die Namen aller Spieler sowie der besondere Name von Diogo Jota", sagte Mittelfeldspieler Vitinha.

Tragischer Unfalltod
Sein letztes Spiel für sein Land absolvierte der Stürmer – damals in Diensten des FC Liverpool – am 8. Juni 2025 im Finale der Nations League. Portugal gewann gegen Spanien und sicherte sich den ersten Titel seit der EM 2016.
25 Tage später war er tot. Jota und sein Bruder André Silva waren gegen 0:30 Uhr nachts im spanischen Zamora in einem Lamborghini unterwegs gewesen, als beim Überholen ein Reifen platzte. Der Wagen kam von der Straße ab und ging in Flammen auf – beide kamen ums Leben.
Jota wurde nur 28 Jahre alt und hinterließ Ehefrau Rute Cardoso, die er weniger als zwei Wochen vor dem Unfall geheiratet hatte, sowie die drei gemeinsamen Kinder.
Bis heute verfolgt dieser Tag auch die Nationalmannschaft. "Wenn man trainiert, gibt es immer wieder Momente, in denen Diogo Jota in unsere Gedanken zurückkehrt", verriet Martínez.
Tattoo und WhatsApp-Gruppe: Neves eng verbunden
Besonders eng war Jota mit Rúben Neves verbunden, der bei der Beerdigung sogar seinen Sarg trug.
Als Erinnerung an seinen Freund hat sich der Profi von Al-Hilal ein Tattoo auf die linke Wade stechen lassen, auf dem er Jota umarmt.
"Mehr als alles andere bedeutet es mir, ihn bei mir und bei uns bei dieser Weltmeisterschaft zu haben", sagte Neves, der immer noch eine WhatsApp-Gruppe mit Jota und dessen Frau habe.

"Immer, wenn etwas Besonderes passiert", erzählte der 29-Jährige dem portugiesischen TV-Sender SIC, "öffne ich den archivierten Chat auf WhatsApp, damit ich ihm weiterhin Nachrichten schicken kann."
"Wir sind Weltmeister" würde er ihm nach dem Endspiel am 19. Juli wohl nur zu gerne schreiben. Wahrscheinlich würde Jotas Geist dann aber ohnehin über die Final-Arena in New Jersey wachen.
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