Ein Altbier zum Sonnenuntergang mit Traumblick auf den Rhein - dafür wird Samir Arabi in ein paar Wochen vielleicht Zeit haben. "Ich habe von der Stadt außer dem Büro noch nicht viel wahrgenommen", sagte der neue Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf dem SID vor dem Saisonstart der 3. Liga: "Ich war zwar zweimal essen, aber mit Beratern."
Ende Mai nahm Arabi an seinem Schreibtisch Platz und war einigermaßen entsetzt. Er wusste, dass es nicht gut stand um seinen neuen Arbeitgeber - aber so? "Ich war schon etwas überrascht, welche Strukturen im sportlichen Bereich vorhanden sind", sagte er, und das ist wohl noch vorsichtig ausgedrückt.
Sechs oder sieben Spieler hatte die Fortuna am Nullpunkt der jüngeren Vereinsgeschichte unter Vertrag. "Die Minuten nach dem Abpfiff in Fürth waren die absolute Leere, das werde ich mein Leben lang nicht vergessen", sagte Vorstandschef Alexander Jobst. Arabi blieben zehn Wochen bis zum ersten Spiel bei Waldhof Mannheim am Freitag (19.00 Uhr/MagentaTV).
Zum Match-Center: Waldhof Mannheim vs. Fortuna Düsseldorf
F95-Umbruch wohl geglückt
Wie baut man eine Mannschaft aus dem Nichts? "Du brauchst Leistungsträger, Führungsspieler, junge Hungrige, die das anschieben, Geschwindigkeit, Körpergröße, Kopfballstärke", zählt Arabi auf. Er holte erfahrene "Ankerspieler", Fabian Schleusener vom Karlsruher SC für den Sturm, Preußen-Münster-Kapitän Jorrit Hendrix fürs Mittelfeld, Dominique Heintz vom 1. FC Köln für die Abwehr.
Junge Spieler streute er drumherum, machte 18 Transfers in sieben Wochen. Dabei scheint ein konkurrenzfähiges Team herausgekommen zu sein.
Das alleine ist erstaunlich, schließlich ist die Fortuna doppelt traumatisiert. 2024 durfte sie alles, nur nicht 0:3 gegen den VfL Bochum verlieren, dann wäre sie in die Bundesliga aufgestiegen. Zwei Jahre später durfte sie alles, nur nicht 0:3 in Fürth verlieren, dann wäre sie in der 2. Liga geblieben. "Der Verein, der sich drei Jahre lang bereit gemacht hat, in die Bundesliga vorzustoßen, erlebt dann einen Aufschlag, der vielleicht noch einmal härter ist als bei anderen Vereinen", sagt Jobst.
Fans beweisen absolute Vereinstreue
Dann halfen die Fans. An den Straßenlaternen, an den Stromkästen, kleben die Plakate: "Fortuna braucht uns." Der Klub verkaufte fast 20.000 Dauerkarten, 5000 Fans fahren nach Mannheim. Es ist eine Euphorie aus Ruinen.
Jobst allerdings ist noch nicht so wirklich angesteckt. Er musste viele Mitarbeiter entlassen, um den Klub am Leben zu erhalten: "Dieser Aufbruch, die Euphorie, das spüren wir intern nur phasenweise. Wenn Sie jeden Tag ins Büro gehen und neben ihnen sind Plätze frei, wo geschätzte Kollegen gearbeitet haben - das hängt noch im Verein."
Die Fortuna ruft nicht den Wiederaufstieg als Ziel aus, sondern eher ein Berappeln. Es gehe um "Identifikation und Anpacken", verspricht Jobst: "Wir werden angreifen, mit harter Arbeit und Demut versuchen, Vertrauen, zurückzugewinnen."
Schon in Mannheim. "Es muss in die Köpfe, dass wir mit jeder Pore unseres Körpers dagegenhalten müssen", fordert Arabi. "Sonst können wir böse überrascht werden." Es wäre nicht das erste Mal.
