Filip Misolics Karriere verlief bislang in Wellen. 2022 spielte sich der damals weitgehend unbekannte Steirer bei seinem ersten ATP-Turnier sensationell ins Finale von Kitzbühel. Ende 2024 war er dagegen bis auf Rang 321 zurückgefallen.
Es folgte die bislang stärkste Phase seiner Karriere. Misolic gewann 2025 zwei Challenger-Titel, erreichte bei den French Open die dritte Runde und schaffte erstmals den Sprung in die Top 100. Im Februar 2026 stand er auf Karrierehoch 76. Dann stoppte ihn eine schwere Fußverletzung.
Lieber Tennis als Fußball
Misolic wurde am 8. August 2001 in Graz geboren. Seine Eltern stammen aus Kroatien, er selbst betont seine Verbundenheit mit Österreich und der Steiermark. Ein Nationenwechsel war für ihn nie ein Thema. „Natürlich bin ich Grazer“, stellte er bereits 2022 klar. Zum Tennis kam er mit sechs Jahren. Bis zwölf spielte er parallel Fußball, ehe er sich für den Tennissport entschied. „Weil es mir als Einzelsportart irgendwie mehr getaugt hat“, erklärte er später.
Ein klassisches Wunderkind war Misolic nicht. In der Junioren-Weltrangliste kam er bis auf Rang 63, bei einem Junioren-Grand-Slam spielte er nie. Seine Entwicklung nahm erst beim Übergang ins Herrentennis richtig Fahrt auf. Auf dem Platz fühlt sich der Steirer vor allem auf Sand wohl. Zu seinen Stärken zählen Ruhe, Athletik und eine stabile Rückhand. In den vergangenen Jahren arbeitete er daran, näher an der Grundlinie zu agieren und mit der Vorhand mehr Druck zu erzeugen. „Ich fühle mich spielerisch, mental und vor allem physisch stark verbessert“, sagte Misolic 2025.
Vom ITF-Durchbruch zum Kitzbühel-Märchen
2021 gelang Misolic der Durchbruch auf der ITF-Tour. Im kroatischen Porec gewann er seinen ersten Titel, bis zum Jahresende kamen vier weitere dazu. 2022 folgte der Sprung auf Challenger-Ebene. In Zagreb kämpfte sich Misolic durch die Qualifikation und gewann acht Matches in Folge. Im Finale holte er gegen Mili Poljicak seinen ersten Challenger-Titel.
Nur zwei Monate später änderte sich seine Karriere schlagartig. Als Nummer 205 der Welt erhielt Misolic eine Wildcard für Kitzbühel. Es war sein erstes ATP-Hauptfeld. Der Steirer besiegte unter anderem Pablo Andujar und Dusan Lajovic und spielte sich bis ins Finale. Erst Roberto Bautista Agut stoppte ihn. Aus dem Challenger-Spieler war innerhalb weniger Tage eine der größten österreichischen Hoffnungen geworden.
Der nächste Schritt erwies sich als schwieriger. 2023 gewann Misolic in Roseto degli Abruzzi seinen zweiten Challenger-Titel und näherte sich den Top 100. 2024 qualifizierte er sich erstmals für die French Open und gewann dort gegen Otto Virtanen sein erstes Grand-Slam-Match. Über die Saison fehlte jedoch die Konstanz. Zum Jahresende war er auf Rang 321 zurückgefallen.
Von außerhalb der Top 300 bis auf Rang 76
Umso beeindruckender verlief 2025. Misolic begann das Jahr außerhalb der Top 300 und arbeitete sich innerhalb weniger Monate zurück. Im Mai gewann er in Prag seinen dritten Challenger-Titel. Kurz darauf schaffte er bei den French Open nach erfolgreicher Qualifikation erstmals den Sprung in die dritte Runde eines Grand Slams. Gegen Denis Shapovalov feierte er dabei einen seiner größten Karrieresiege, anschließend durfte er auf dem Court Philippe-Chatrier gegen Novak Djokovic antreten.
Wenig später gewann Misolic auch das Challenger-Turnier in Poznan. Mit seinem vierten Titel auf dieser Ebene wurde er erstmals Österreichs Nummer eins. „Seit ich mit dem Tennis angefangen habe, ist es natürlich immer ein Kindheitstraum gewesen, irgendwann mal der beste Spieler Österreichs zu sein“, sagte er. Im Juli knackte Misolic erstmals die Top 100. Dazu kamen ATP-Viertelfinals in Bukarest und Bastad sowie die erstmalige Qualifikation für Wimbledon. Aus der Nummer 315 zu Jahresbeginn war innerhalb einer Saison ein Top-100-Spieler geworden.
Anfang 2026 erreichte Misolic mit Platz 76 sein bisheriges Karrierehoch. Bei den Australian Open stand er erstmals direkt im Hauptfeld eines Grand Slams. Wenig später folgte der Rückschlag. Beim Challenger in Lille verletzte sich Misolic am rechten Fuß schwer. Die Diagnose: Ruptur der Plantarfaszie. Aus der zunächst erwarteten Pause von rund acht Wochen wurden mehrere Monate.
Nun steht der Steirer vor dem nächsten Neustart. Dass sein Tennis für die Top 100 reicht, muss Misolic nicht mehr beweisen. Vier Challenger-Titel, das ATP-Finale in Kitzbühel und sein Lauf bei den French Open haben das gezeigt. Die nächste Aufgabe ist eine andere: Gesund zurückzukehren und wieder jenes Niveau zu finden, das ihn innerhalb eines Jahres von außerhalb der Top 300 bis auf Rang 76 gebracht hat.
