Stefan Leitl ist voller Tatendrang. Der Trainer des Fußball-Zweitligisten Hertha BSC kann trotz des personellen Aderlasses den Saisonstart kaum erwarten. "Das Gefühl ist sehr, sehr positiv. Die Freude auf das Spiel am Freitag ist groß", sagte Leitl vor dem Auftakt beim VfL Bochum (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky).
Dabei dürfte die bevorstehende Saison für den Hauptstadtklub alles andere als einfach werden. Nach einem tiefgreifenden Umbruch beginnt für die Berliner ein Neuanfang mit vielen Fragezeichen. Dennoch will Leitl "unseren Plan umsetzen und das, was man in der Vorbereitung gesehen hat, auf den Platz bringen". Man habe eine "unglaubliche Energie in der Mannschaft", betonte auch Geschäftsführer Peter Görlich im ran-Interview.
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Reese-Abgang sinnbildlich für Hertha-Umbruch
Diesen Optimismus teilen jedoch längst nicht alle. Nach dem enttäuschenden siebten Platz in der Vorsaison und 13 Abgängen inklusive Kapitän Fabian Reese muss sich die Hertha neu erfinden. Bislang verpflichteten die Berliner lediglich einen Zugang: Oluwaseun Adewumi. Dass der Kader bis zum Transferschluss noch dringend Verstärkung benötigt, ist auch Leitl bewusst.
"Wir haben im sportlichen Bereich Rahmenbedingungen geschaffen, die es uns erlauben, Spieler zu verpflichten. Jetzt liegt es am Verein, das umzusetzen. Die Positionen, auf denen wir suchen und Qualität brauchen, sind bekannt", sagte der 48-Jährige. Görlich relativierte, es werde noch Möglichkeiten geben, Spieler zu verpflichten, doch "Hertha wird nicht der Verein sein, der auf dem Transfermarkt hohe Summen auf den Tisch legt. Diese Zeiten sind vorbei."
Besonders schwer wog der Abschied der Identifikationsfigur Reese. Der Publikumsliebling führte die Berliner in der vergangenen Saison an und bekannte sich mehrfach öffentlich zum Verein. Sein Wechsel zum VfL Wolfsburg steht sinnbildlich für den personellen Umbruch bei der Hertha.
Doch all das soll nun der Vergangenheit angehören. Josip Brekalo ist neuer Kapitän und Leitl richtet den Blick auf das Spiel gegen Bochum. "Freitagabend wird es richtig knallen", prognostizierte Leitl. Für ihn sei Bochum "definitiv eine Mannschaft, die unter den ersten sechs" spielen könne.
Mehr Demut für die alte Dame
Eine solche Platzierung würde auch zur konservativen Zielsetzung der Hertha passen. Nachdem im Vorjahr offensiv der Aufstieg ausgerufen wurde, übt man sich nun lieber in Zurückhaltung. "Ein einstelliger Tabellenplatz" sei das Ziel. "Vielleicht wäre es in den vergangenen Jahren besser gewesen, kleinere Ziele zu kommunizieren", sagte Leitl. Mehr Demut tue dem Verein gut.
Für die Spitzengruppe der Liga hat Leitl ohnehin andere Klubs auf dem Zettel: "Der größte Favorit ist sicherlich Wolfsburg. Ich sehe St. Pauli sehr stark. Heidenheim als Absteiger wird immer unangenehm zu spielen sein. Kiel wird gut sein. Es sind schon einige dabei, die den Anspruch haben, aufzusteigen."
Zu diesem Kreis zählt sich Hertha BSC vorerst nicht mehr.
