Mit dem 25-jährigen marokkanischen Nationalspieler, der an der Säbener Straße einen Fünfjahresvertrag erhalten soll, soll bereits seit Tagen eine mündliche Einigung bestehen. Da die Niederländer für ihren wertvollsten Profi rund 60 Millionen Euro Ablöse fordern, feilschen die Klubs noch um die finalen Zahlungsmodalitäten. Der Medizincheck soll pragmatisch direkt in den USA absolviert werden, wo Saibari derzeit mit der Nationalmannschaft weilt.
Dass der in der spanischen Gemeinde Terrassa geborene Sohn marokkanischer Eltern überhaupt eine Profikarriere einschlagen konnte, grenzt an ein kleines Wunder. Als Kleinkind litt Saibari unter einer schweren Fuß-Fehlstellung, woraufhin die Ärzte prognostizierten, er werde womöglich nie richtig gehen können. Erst das einjährige Tragen eines Spezialapparates korrigierte die Fehlstellung.
Torgefahr und Vielseitigkeit für Kompanys System
Nach dem berufsbedingten Umzug der Familie nach Belgien folgte mit 14 Jahren der nächste Rückschlag: Der Traditionsklub RSC Anderlecht warf das Talent mit der Begründung, er sei zu dick, am Tag vor dem Saisonstart aus der Akademie. Saibari ließ sich jedoch nicht beirren, reifte über Stationen in Mechelen und Genk ab 2022 bei der PSV Eindhoven vom Schnäppchen zum absoluten Leistungsträger und steigerte seinen Marktwert seither um das 300-fache.
In der abgelaufenen Meistersaison 2025/26 avancierte Saibari mit 19 Toren und neun Torvorlagen in 37 Pflichtspielen zum unumstrittenen offensiven Taktgeber unter PSV-Trainer Peter Bosz. Der physisch robuste Rechtsfuß besticht durch eine enorme Explosivität auf den ersten Metern, eine enge Ballführung und eine bemerkenswerte Effizienz vor dem Gehäuse: sensationelle 20 Prozent seiner Abschlüsse landen im Netz.
Seine größte Bereicherung für den FC Bayern liegt jedoch in der taktischen Variabilität. Saibari glänzt als spielintelligenter Zehner, kann sich als Mittelstürmer ähnlich wie Harry Kane fallen lassen, um Bälle festzumachen, oder über die linke Außenbahn nach innen ziehen. Diese Wucht und Durchsetzungskraft im Zentrum bietet Trainer Vincent Kompany neue strategische Optionen.
Besondere Verbindung nach Eindhoven
Die Personalie Saibari besitzt an der Säbener Straße eine kuriose Vorgeschichte, die eng mit Vincent Kompany verknüpft ist. Beim 2:1-Sieg der Bayern in Eindhoven Ende Januar hinterließ der Offensivmann nachhaltigen Eindruck beim belgischen Coach, als er nicht nur leidenschaftlich verteidigte, sondern auch den zwischenzeitlichen Ausgleich für die PSV erzielte.
Nach der Champions-League-Partie unterhielten sich beide auffällig angeregt. Kompany betonte schon damals öffentlich seine Bewunderung für den marokkanischen Nationalspieler und verwies auf dessen belgische Ausbildungsausbildung bei Klubs wie Anderlecht und Genk, was eine tiefe Identifikation schafft. Inzwischen gab es auch im Rahmen der Transfergespräche einen direkten Austausch, in dem Kompany dem Spieler seine konkreten Pläne aufzeigte.
Schattenseiten und Disziplinfragen
Trotz der sportlichen Eleganz eilt dem frischgebackenen Afrika-Cup-Sieger der Ruf eines Heißsporns voraus, was beim FC Bayern für Konfliktpotenzial sorgen könnte. In Eindhoven wurde er von Peter Bosz bereits einmal aus einem Champions-League-Kader gegen Arsenal gestrichen, weil er wiederholt zu spät zu Teamterminen erschienen war.
Auch beim skandalumwitterten Afrika-Cup-Finale 2025 gegen den Senegal leistete sich Saibari eine klare Unsportlichkeit, als er den gegnerischen Ersatztorwart abseits des Feldes physisch daran hindern wollte, dem senegalesischen Keeper ein Handtuch zum Trocknen des Balles zu bringen. Zwar entschuldigte er sich später und eine anfängliche Drei-Spiele-Sperre des afrikanischen Verbandes wurde abgemildert, dennoch gilt Saibari abseits des Platzes als charakterlich eigenwillig.
Beim deutschen Rekordmeister würde der Neuzugang zunächst nicht als unumstrittener Stammspieler eingeplant werden, sondern soll die namhafte Kreativabteilung um Jamal Musiala, Luis Díaz, Michael Olise und Harry Kane entlasten sowie den Konkurrenzdruck hochhalten. Angesichts der Qualität der Bundesliga bedeutet der Wechsel für den 25-Jährigen unbestreitbar einen beträchtlichen Niveausprung, da er sich auf absolutem Top-Level erst noch dauerhaft beweisen muss.
Für die Münchner Bosse um Max Eberl stellt die angepeilte Ablösesumme im Bereich von 50 bis 60 Millionen Euro dennoch ein kalkuliertes Risiko dar. Bringt Saibari seine Gradlinigkeit, die physische Präsenz und seine Abschlussstärke diszipliniert auf den Platz, besitzt er das Potenzial, als wertvolle Option von der Bank zu einer echten Transfer-Überraschung der kommenden Saison zu werden.
