Zuvor hatte Ajax am Donnerstag im Halbfinale den FC Groningen mit 2:0 bezwungen, während der FC Utrecht am selben Abend sc Heerenveen zu Hause knapp mit 3:2 niederrang. Interimscoach Óscar García rotierte für sein vermutlich letztes Spiel auf der Trainerbank noch einmal durch: Kasper Dolberg und Youri Regeer rückten für Wout Weghorst und Sean Steur in die Startformation.
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Die erste dicke Möglichkeit verbuchten jedoch die Gäste. Utrecht hatte Ajax erst vor zwei Wochen in Amsterdam durch ein Last-Minute-Kopfballtor von Mike van der Hoorn geschockt. Auch diesmal stand der Abwehrspieler früh im Fokus, verfehlte das Gehäuse von Maarten Paes nach nicht einmal zwei Minuten aber haarscharf.
Torlose 90 Minuten sorgen für Zitterpartie
Es sollte die beste Chance im ersten Durchgang bleiben. Zwar versuchten sich auch Souffian El Karouani, Steven Berghuis, Aaron Bouwman und Lucas Rosa im Abschluss, doch bis zur Pause wollte kein Treffer fallen.

Gegen Ende der ersten Halbzeit fand Ajax besser Rhythmus und nahm diesen Schwung mit in den zweiten Spielabschnitt. Nach einer Ecke vergab Aaron Bouwman eine gute Gelegenheit, kurz darauf traf Jorthy Mokio die Latte. Utrecht blieb spielerisch blass und verbuchte lediglich durch Sebastien Haller eine nennenswerte Aktion, der eine Kopfballverlängerung von van der Hoorn ungenutzt ließ. Da aber auch Ajax kaum zwingenden Druck aufbauen konnte, ging es nach torlosen 90 Minuten in die Verlängerung.
Dort erlöste Davy Klaassen sein Team in der 96. Minute. Der Routinier erzielte einmal mehr das wichtige Führungstor, als er nach einem Eckball an ein abgefälschtes Leder kam und dieses per Direktabnahme unhaltbar im unteren Eck von Vasilis Barkas versenkte.
Noch vor dem ersten Seitenwechsel der Verlängerung verpasste Mika Godts die Vorentscheidung. Barkas lenkte den wuchtigen Schuss des Belgiers mit den Fingerspitzen gerade noch an die Latte. Wie so oft in dieser Spielzeit kam Ajax anschließend unkonzentriert aus der Kabine. Utrecht nutzte die fehlende Intensität eiskalt aus: Gjivai Zechiël traf nur eine Minute nach Wiederanpfiff – ähnlich sehenswert wie Klaassen – per Volley zum Ausgleich und ließ Paes keine Abwehrchance. Kurz darauf hatte Ajax erneut Pech mit dem Aluminium, als ein Kopfball von Maher Carrizo am Pfosten landete.
Nervenschlacht vom Punkt
Bei drückender Hitze in Volendam war beiden Teams die zehnmonatige Mammutsaison nun deutlich anzumerken. Die Kräfte schwanden, sodass die Entscheidung über das europäische Ticket im Elfmeterschießen fallen musste.
Ausgerechnet der Ex-Ajax-Profi Sebastien Haller trat für Utrecht als Erster an, scheiterte jedoch am glänzend reagierenden Paes, der den Ball im unteren Eck parierte. Im Gegenzug brachte Kapitän Davy Klaassen Ajax souverän in Front. Da die folgenden sechs Schützen allesamt eiskalt verwandelten, spitzte sich das Drama zum Ende der Fünfer-Serie zu.
Schließlich trat Souffian El Karouani zu seinem vermutlich letzten Schuss für Utrecht an – und fand seinen Meister in Maartens Paes. Der indonesische Nationaltorhüter parierte den Ball und rettete damit endgültig die Saison für Ajax.
Dank dieses erlösenden Triumphs wendete der Traditionsklub ein historisches Fiasko ab: Die Saison 1989/90 bleibt somit das letzte Mal, dass die Amsterdamer das internationale Geschäft verpassten. Für Ajax startet das europäische Abenteuer nun im Juli in der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Conference League.
