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Zum Ligue-1-Start: Sparprogramm und Demutskur – Findet OM 2026/27 zurück in die Spur?

Bruno Genesio will Marseille zurück in die Erfolgsspur führen.
Bruno Genesio will Marseille zurück in die Erfolgsspur führen.MIGUEL MEDINA / AFP

Olympique Marseille startet an diesem Freitag gegen Straßburg in die neue Saison – unter denkbar schwierigen Vorzeichen. Bevor an Verstärkungen überhaupt zu denken ist, muss der Klub seinen Kader drastisch ausdünnen, um die immense Gehaltslast zu drücken. Doch genau in diesem Neuanfang liegt eine Chance: Nach drei kräftezehrenden Spielzeiten bietet die kommende Saison die Möglichkeit, die verlorene Bindung zu den enttäuschten Fans wieder aufzubauen.

Zwar steht der Verein selbst nicht zum Verkauf, wohl aber ein Großteil des Kaders. Nach den maßlosen Ausgaben der Führung um Pablo Longoria und Medhi Benatia – der sich zuletzt in France Football eher unglücklich zu rechtfertigen versuchte – muss die Gehaltsstruktur radikal verkleinert werden. Neue Gesichter wird es folglich erst spät und weit nach dem Auftakt der Ligue 1 geben.

Auch der Abgang von Mason Greenwood bringt keineswegs die erhoffte finanzielle Rettung. Entgegen aller optimistischen Erwartungen blieb der große Ansturm auf den Engländer aus. Am Ende wechselte er für 39 Millionen Euro – wovon aufgrund einer 40-Prozent-Klausel satte 15,6 Millionen Euro an Manchester United fließen. Unter dem Strich steht für OM ein Verlustgeschäft.

Ebenfalls weg sind Gerónimo Rulli, Facundo Medina und Pierre-Emerick Aubameyang. Hamed Junior Traoré wurde mit einer Kaufpflicht an den FC Genua verliehen, was OM in einem Jahr weitere Millionen einbringt. Den bisherigen Einnahmen von 51,9 Millionen Euro stehen jedoch fällige Kaufoptionen für den neuen Kapitän Timothy Weah (14,4 Mio. €) und Traoré selbst (7,7 Mio. €) gegenüber. Das Transferkonto bleibt damit im Minus.

Der Ausverkauf geht deshalb unvermindert weiter: Pierre-Emile Højbjerg, Nayef Aguerd, Leonardo Balerdi und Geoffrey Kondogbia stehen vor dem Abschied. Auch Angel Gomes, Amine Gouiri, Neal Maupay und Igor Paixao spielen in den Planungen keine Rolle mehr. Den größten Gewinn verspricht Quinten Timber, der intensiv vom FC Porto umworben wird.

Rückbesinnung als Chance für Marseille

Die Zeit drängt enorm. Die Finanzaufsicht DNCG fordert Belege für die Senkung der Personalkosten, während der neue Sportdirektor Grégory Lorenzi – kurzfristig von OGC Nizza losgeeist – unter Hochdruck am Kader arbeitet. Nach Jahren des Größenwahns bricht eine harte Realität an.

Doch Krisen gehören zur DNA von Marseille. Viele Fans erinnern sich bis heute gerne an die Jahre in der zweiten Liga (1994–1996), in denen der Zusammenhalt im Vélodrome spürbar wie nie war. So tief ist der Klub zwar nicht gesunken, doch die Formel bleibt dieselbe: Zusammenrücken und auf den Neuanfang hoffen. Symbolisiert wird dieser durch Trainer Bruno Genesio und Lorenzi, der bereits in Brest mit bescheidenen Mitteln kleine Wunder vollbrachte. Gerüchte um prominente Zugänge wie Jean-Clair Todibo halten sich trotz allem hartnäckig.

In den letzten Jahren hat OM seine Anhänger entfremdet. Unnahbare Verantwortliche, fehlende Identifikation und finanzielle Fehlentscheidungen prägten das Bild. Die verordnete Demutskur ist überfällig, um das Publikum zurückzugewinnen. Ein Kader mit weniger Stars, dafür mit mehr Realismus: Diese Saison weckt zumindest wieder echte Neugier.

Zum Match-Center: Olympique Marseille vs. RC Strasbourg