Titel-Triumph in der Schweiz: Trainer Maaßen erlöst St. Gallen nach Jahrzehnten

Enrico Maaßen hat mit dem FC St. Gallen den Schweizer Pokal gewonnen.
Enrico Maaßen hat mit dem FC St. Gallen den Schweizer Pokal gewonnen.ČTK / imago sportfotodienst / Anton Geisser

Was lange währt, wird endlich gut – und mündet in grenzenlosem Jubel: Am Pfingstsonntag hat der FC St. Gallen unter der Regie des deutschen Cheftrainers Enrico Maaßen Sportgeschichte geschrieben. Mit einem 3:0-Erfolg gegen den Außenseiter Stade-Lausanne-Ouchy krönten sich die Ostschweizer im Berner Wankdorf-Stadion zum Schweizer Pokalsieger 2026. Es ist der erste Titel für den Traditionsverein seit der Meisterschaft im Jahr 2000 und der erste Pokalsieg nach sage und schreibe 57 Jahren.

Die 26-jährige Durststrecke ohne Titel und die Sehnsucht nach dem "Cup", der zuletzt in der Saison 1968/69 geholt wurde, sind damit endgültig Geschichte. Nach zwei schmerzhaften Finalniederlagen in den Jahren 2021 und 2022 brandete auf den Rängen eine grün-weiße Welle der Erlöser-Stimmung auf.

Zum Match-Center: FC Stade Lausanne-Ouchy vs. FC St. Gallen

Mittendrin: Ein sichtlich gerührter Enrico Maaßen, der in der Stunde des Erfolgs emotionale Einblicke gab. "Ich hatte heute mehrmals Gänsehaut vor, während und nach dem Spiel“, gestand der 42-Jährige, für den dieser Erfolg zugleich den ersten großen Titel seiner Profi-Trainerkarriere markiert.

Taktische Reife in Unterzahl

Das Spiel spiegelte laut Maaßen die Charakterstärke und die gesamte Saison der St. Galler perfekt wider. Die Mannschaft des Ex-Augsburg-Coaches ging als klarer Favorit in das Duell mit dem Zweitligisten und ergriff sofort die Initiative. Bereits in der 8. Minute schoss Tom Gaal die Ostschweizer verdient in Führung, nachdem Aliou Baldé eine präzise Flanke von Kapitän Lukas Görtler per Kopf quergelegt hatte. St. Gallen diktierte das Geschehen nach Belieben, versäumte es in der Folgezeit jedoch, die Führung frühzeitig auszubauen.

Kurz vor der Halbzeitpause drohte das Spiel jedoch zu kippen: Nach einem folgenschweren Missverständnis im Spielaufbau verlor Pokal-Torhüter Lukas Watkowiak außerhalb seines Strafraums den Ball an den heranstürmenden Lausanner Vasco Tritten. Um den drohenden Ausgleich zu verhindern, griff der 30-jährige Keeper zum Trikot seines Gegenspielers – eine klassische Notbremse, die Schiedsrichter Luca Cibelli folgerichtig mit der Roten Karte bestrafte (44.). Maaßen reagierte prompt: Er opferte Feldspieler Alessandro Vogt und brachte mit Lawrence Ati-Zigi den etatmäßigen Stammtorhüter.

"In der Pause kamen alle zu mir und sagten, sie ziehen es jetzt für mich durch. Sie haben gesagt: ‚Du hast uns im Elfmeterschießen zweimal den Arsch gerettet, jetzt retten wir dir den Arsch.‘ Wir sind einfach eine geile Truppe", freute sich Rot-Sünder Watkowiak nach der Partie.

Der Underdog aus Lausanne kam stark aus der Kabine und prüfte den Ersatztorhüter mehrfach. Doch in der 65. Minute sorgte eine spielentscheidende Szene für Beruhigung: Nach einem Foul an Aliou Baldé im Strafraum und anschließender Video-Konsultation (VAR) entschied der Unparteiische auf Strafstoß. Kapitän Lukas Görtler, der nach zwei verlorenen Endspielen besonders motiviert war, behielt die Nerven und verwandelte souverän zum 2:0.

Den endgültigen Schlusspunkt setzte Maaßen mit einem glücklichen, ja fast schon magischen Händchen: In der 90. Minute brachte er Christian Witzig als frische Kraft. Nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung traf der 25-Jährige in der Nachspielzeit (90.+2) mit seinem allerersten Ballkontakt spektakulär zum 3:0-Endstand. Durch diesen St. Galler Triumph darf man in der nächsten Saison zudem die Qualifikation zur Europa League bestreiten.

Tränen beim Präsidenten

Wie viel Last von den Schultern aller Beteiligten fiel, verdeutlichte der Auftritt von Clubpräsident Matthias Hüppi. Der 68-Jährige, der den Verein seit 2018 führt, war nach Abpfiff den Tränen nahe und sprach von einer "riesigen Sehnsucht", die endlich gestillt wurde. Gleichzeitig deutete Hüppi interne Spannungen an: "Es waren ultraharte Wochen und Monate für mich. Es gibt innerhalb des Klubs aktuell Tendenzen, die ich in dieser Form nicht akzeptieren will."

Dass ausgerechnet in der sportlich erfolgreichsten Phase der jüngeren Vereinsgeschichte nicht alle geschlossen hinter dem Kurs stehen, trübte seine Freude zwar kurzzeitig, schmälert jedoch nicht die historische Leistung des Trainerteams.

Maaßen wieder als Bundesliga-Kandidat?

Mit diesem geschichtsträchtigen Triumph hat Enrico Maaßen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er zu den spannendsten deutschen Trainer-Exporten gehört. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2024 formte er in St. Gallen eine Einheit, die Titel gewinnen kann.

Für Vereine aus der Bundesliga, die nach der laufenden Saison auf der Suche nach modernen, taktisch versierten Impulsgebern mit internationaler Erfahrung sind, wird Maaßen damit zu einer Option. Zwar endete sein Engagement beim FC Augsburg im Oktober 2023 nach dem zuvor geschafften Last-Minute-Klassenerhalt vorzeitig, doch die Entwicklung im Ausland zeigt: Der 42-Jährige hat aus den Erfahrungen im Abstiegskampf des deutschen Oberhauses gelernt.

Laut den Informationen von Transferjournalist Rudy Galletti haben mehrere Teams aus dem deutschen Oberhaus seine Entwicklung genau im Auge.