Die Weltmeister kommen! 2014-Helden als Gesichter des DFB-Neuanfangs?

Das erneute frühe Ausscheiden des DFB-Teams wird auch einen personellen Neuanfang bedeuten.
Das erneute frühe Ausscheiden des DFB-Teams wird auch einen personellen Neuanfang bedeuten.ALEXANDER HASSENSTEIN / Getty Images via AFP / Profimedia

Zwei scharfzüngige Weltmeister verbeißen sich auf dem riesigen Viertelkreis-Sofa im WM-Studio des ZDF seit Tagen in einen erbitterten Gelehrtenstreit. Keiner gibt einen Millimeter nach. "Bloß nicht! Viel zu gefährlich", ruft da Per Mertesacker, Christoph Kramer hält eisern dagegen: Ach, Humbug! Alles Kopfsache, "es kann selbstverständlich funktionieren". Es geht darum, ob Innenverteidiger wichtige Elfmeter schießen sollten.

Selbstverständlich stehen die beiden aber auch als Experten für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Rede und Antwort. Wie Mats Hummels und Thomas Müller in Amerika bei MagentaTV, wie Bastian Schweinsteiger im WM-Stadion, wie Philipp Lahm im kicker und für die Zeit. Toni Kroos meldet sich bei TikTok und in seinem Podcast, Sami Khedira kommentiert in Interviews. Auch Lukas Podolski ist ein gefragter Mann.

Eine ganze Phalanx stimmgewaltiger 2014er-Weltmeister also steht mal analytisch, mal zeternd an der Seitenlinie. So mancher Beobachter denkt sich: Der deutsche Fußball liegt am Boden - wie wär's mit etwas Verantwortung, die Herren?

Auch Schweinsteiger eine Option

Zumindest Mertesacker scheut sich nicht. "Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal etwas zurückzugeben - dafür stehe ich natürlich zur Verfügung", sagte er. Mit einer Einschränkung allerdings: "Mein Plan ist, hier das schöne Turnier zuende zu machen. Dann geht's in den Urlaub." Zudem wolle er nach 15 Jahren beim FC Arsenal, acht davon als Leiter der Nachwuchsakademie, "diese Zeit reflektieren".

Als eloquenter Redner mit hervorragendem Einblick in hochwertige Jugendausbildung könnte Mertesacker der perfekte Sportdirektor für den Deutschen Fußball-Bund sein. Auch Schweinsteiger erklärte, er werde sich vor DFB-Verantwortung "nicht drücken".

Noch besetzt den Sportchef-Posten Rudi Völler, aber der künftige Bundestrainer Jürgen Klopp wird im Gegensatz zu Julian Nagelsmann keine beschützende Vaterfigur benötigen. Völlers Zukunft hängt direkt mit Klopps Vorstellungen zusammen, angeblich erwägt er einen Rücktritt. Dann gäbe es eine Vakanz - für einen Weltmeister von 2014? Vielleicht. Lahm allerdings wird es (noch) nicht werden, er hat klargemacht, dass er sich derzeit nicht beim DFB sieht.

Es lohnt ein Blick darauf, wie frühere Weltmeister-Generationen in Führungsverantwortung gerückt sind. Franz Beckenbauer wurde 1984 ohne jede Trainererfahrung DFB-Teamchef, zehn Jahre nach dem WM-Titel 1974. Eine Parallele zu Völler, der 2000 ohne Trainererfahrung als Teamchef übernahm, zehn Jahre nach dem Titel 1990. Jürgen Klinsmann, der den Goldpokal mit Völler in den Nachthimmel gestoßen hatte, kam 2004. Berti Vogts, Weltmeister von 1974, wurde 1990 Bundestrainer.

Müller fordert personellen Neuanfang

Populärstes Gegenbeispiel ist ein Weltmeisterkapitän. Lothar Matthäus ist auch 36 Jahre nach der magischen Nacht von Rom ein vermeintlich allwissender, bissiger Kommentator, für Bild, Sky oder RTL/ntv. Er hat es im Trainergeschäft versucht und ist mehrfach gescheitert, seine ruppige, aufmüpfige Art hat wohl ein DFB-Engagement verhindert.

Warum die Weltmeister von 2014 noch nicht eingesickert sind? Nun ja, Manuel Neuer und Müller spielen noch. Zudem ist der Erst-Wechsel ins Kommentatorenfach vergleichsweise einfach, weil nah am Spiel. Und zu babbeln, das haben sie alle während ihrer Karriere gelernt.

Uli Hoeneß, Paradebeispiel für den Wechsel vom Feld ins Managerbüro, hat noch eine andere Theorie: Topspieler hätten heute am Ende ihrer Karriere "60, 70 Millionen auf der Bank. Denen fehlt der Druck." Dann streiten sie sich lieber auf der Couch.