Aber, gemach, gemach: Das Ja-Wort des "Traummannes" wird Zeit benötigen, der Weg dorthin ist wegen einer bestehenden Beziehung mit dem Red-Bull-Imperium gar nicht so unkompliziert. Finden aber die Herzen zueinander, wird Klopp der mächtigste Bundestrainer jemals - und Rudi Völler könnte seinen Platz als Sportdirektor räumen.
Scheitern kann der millionenschwere Hoffnungsdeal zwischen einem Großverband am Boden und dem erwünschten Erstretter immerhin kaum noch. Dafür sind sowohl der Deutsche Fußball-Bund als auch Klopp zu weit mit ausgebreiteten Armen aufeinander zugelaufen, wie Menschen, die sich nach Jahren am Bahnhof wiedersehen. "Ich bin bereit", sagte Klopp auf seiner Manhattan-Dachterrasse im Expertenjob bei MagentaTV. Was noch zur Umarmung fehlt? Es lohnt sich, seinem Nachsatz zuzuhören.
Denn Klopp treibt seinen Preis in die Höhe - und das nicht mal finanziell. "Es werden intensive Gespräche sein müssen", teilte er dem DFB mit, "weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen." So weit seine Worte. Die Botschaft dahinter: Freunde, nur mich zu holen, das reicht nach diesem WM-Fiasko nicht!
Das formulierte der 59-Jährige mit dem Ruf des titelfressenden Potenzial-Optimierers dann auch noch aus. "Der deutsche Fußball steht an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern", analysierte er. Und dies unabhängig davon, "ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird".
Finanzielle Hürden bei Klopp-Ernennung
Er wird es sein, darauf deutet alles hin. Die ebenso außergewöhnliche wie starke gegenseitige Gunstbezeugung in offizieller DFB-Kommunikation. Der TV-Flirt über den Atlantik hinweg. Und die Bild-Sky-Meldung, dass Neuendorf und der Bundesliga-Chef Watzke in Kürze in die USA reisen werden, um "gegenseitige Vorstellungen" auszutauschen. Nach SID-Informationen ist dies zutreffend.
Dennoch: Es gibt Hürden. Klopps Forderungen könnten welche sein, sowohl finanziell als auch strukturell, wobei der Verband durch den lukrativen Nike-Deal (Klopp ist allerdings adidas-Botschafter) keine größeren Geldsorgen mehr hat. Er kann sich Klopp leisten - auch, wenn dieser mit einem Millionenbetrag aus dem Red-Bull-Netz gerissen werden muss.
Klopp steht beim österreichischen Konzern bis 2029 als Chef der Fußball-Sparte unter Vertrag, eine Ausstiegsklausel gibt es nicht. Es fehle an "Zeit", sagte er. "Ich habe mehrfach gesagt, wie gerne ich den Job mache." Er halte Verträge "super gerne" ein.
Das aber, deutete Klopp an, muss kein Hindernis sein, das Neuendorf zu Fall bringt. "Die anderen Gespräche mit Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer Red Bull, d. Red.), muss ich natürlich auch führen. Weil ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball am Herzen liegt und er dementsprechend sehr offen ist", berichtete Klopp. Gewisse Dinge seien bereits "angetextet".
Unterstützung durch DFB-Legenden?
Allein aus Imagegründen erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass das stets von Traditionalisten kritisierte Energydrink-Unternehmen mit dem deutschen Reagenzglas-Ableger RB Leipzig den Daumen senkt. Warum auch? Für die Öffentlichkeit könnte Mintzlaff der Nation generös Klopp überlassen. Zudem lassen sich derartige Probleme per Scheck regeln, so wird ja auch Julian Nagelsmann der Rücktritt von der Nationalmannschaft vergoldet.
Offen ist, wie um Klopp herum gebaut werden könnte. Mehrere Weltmeister von 2014 (Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger) haben sich ins Spiel gebracht, zur Zukunft Völlers hat der DFB sich nicht geäußert - Sport1 zufolge soll auch er seinen Rücktritt erwägen, was aber stark von den Vorstellungen des neuen Bundestrainers abhängen wird. Also wohl: von Klopp. Sofern er denn zum Füllfederhalter greift.
Verfolge die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ mit ZDF bei Prime Video – LIVE-Übertragungen, Highlights und Analysen

