"Es war, als hätten wir ein ganzes Land besiegt, nicht nur eine Fußballmannschaft", erzählte der vor sechs Jahren verstorbene Maradona in dem 2000 erschienenen Buch. Für immer wird der 2:1-Sieg im WM-Viertelfinale 1986 gegen die Engländer eng mit dem blutigen Konflikt auf den "Malvinas" verbunden sein, wie die Argentinier die Inselgruppe 400 Kilometer östlich vom Festland im Südatlantik nennen.
"Obwohl wir vor dem Spiel gesagt hatten, dass Fußball nichts mit dem Krieg um die Malvinas zu tun habe, wussten wir, dass sie dort viele argentinische Jungen getötet hatten - wie kleine Vögel. Und das war eine Vergeltung", so Maradona. 1982 hatte die argentinische Militärjunta die Falklandinseln besetzt, die seit 1833 von den Briten verwaltet wurden. Nur 74 Tage dauerte der Krieg, dann waren die Besatzer geschlagen und über 900 Menschen tot – mehr als doppelt so viele Argentinier wie Briten.
"Hand Gottes" und Tor des Jahrhunderts
Vier Jahre später, am 22. Juni 1986, begegneten sich die Länder - beziehungsweise ihre fußballerischen Vertretungen - vor 114.580 Zuschauern auf dem Rasen des Aztekenstadions von Mexiko-Stadt erneut. Und weil Argentinien am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) im WM-Halbfinale in Atlanta auf England trifft, sind die Bilder von damals mit einem Mal alle wieder da.
51. Minute – Auftritt Maradona: Nach einem Klärungsversuch von Steve Hodge, der den Ball hoch in die Luft beförderte, drückte der Star den Ball klar ersichtlich mit der Hand ins Tor. Später sagte er: "Es war ein bisschen mit Maradonas Kopf und ein bisschen mit der Hand Gottes." Nur vier Minuten danach folgte das "Tor des Jahrhunderts": ein magischer Sololauf über 60 Meter, an dessen Ende Maradona auch Torwart Peter Shilton aussteigen ließ und ins leere Tor einschob.
Weil sich Maradona lange nicht für das Handspiel, das er erst 2005 einräumte, entschuldigte, schlug ihm seitens der Engländer viel Verachtung entgegen. "Er ist ein großartiger Spieler, der außergewöhnlichste Spieler, gegen den ich je gespielt habe, aber ich würde nicht sagen, dass ich ihn so respektiere wie viele andere Spieler", sagte Shilton.
Falkland-Geschichte spielt weiter eine Rolle
Geht es nach Argentiniens aktuellem Nationaltrainer, soll diese historische Rivalität vor dem anstehenden K.-o.-Duell aber keine Rolle spielen. "Das ist ein Fußballspiel. Mehr kann ich dazu nicht sagen", sagte Lionel Scaloni. So ganz wird sich die Vergangenheit aber kaum abschütteln lassen. Das Falkland-Trauma sitzt so tief, dass es bis in die argentinische Popkultur reicht.
2022 trug die Band La Mosca mit dem Lied "Muchachos, Ahora Nos Volvimos a Ilusionar" die Spieler zum Titel. Dort heißt es: "Ich bin in Argentinien geboren, dem Land von Diego und Lionel. Dem Land der Jungs von den Malvinas, die ich niemals vergessen werde." Die Videos, wie Lionel Messi und Co. den Song lautstark schmetterten, gingen um die Welt. 2026 besingen sie mit "La Cuarta Estrella" von Palmito den vierten Stern für den vierten WM-Titel, der auch "für die Malvinas" gewonnen werden soll.
Zum Match-Center: England vs. Argentinien
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