Dabei ging A Seleção nach fünf ungeschlagenen Spielen als haushoher Favorit in die Partie gegen die Demokratische Republik Kongo. Dass die Aufgabe kein Selbstläufer werden würde, deutete allerdings schon die Aufstellung der Afrikaner an: Mit Profis wie Axel Tuanzebe, Arthur Masuaku, Aaron Wan-Bissaka, Cedric Bakambu und Yoane Wissa verfügte das Team über reichlich Erfahrung aus den europäischen Top-Ligen.
Zum Match-Center: Portugal vs. DR Kongo
Zunächst schien Portugal seiner Favoritenrolle jedoch gerecht zu werden. Nach nur sechs Minuten flankte Pedro Neto den Ball punktgenau in den Strafraum. Dort stieg ausgerechnet Joao Neves – einer der kleinsten Spieler auf dem Platz – völlig freistehend hoch und köpfte zur frühen Führung ein.
Kongo frustriert Portugal und CR7
Portugal dominierte die Anfangsphase nach Belieben und verzeichnete in den ersten 15 Minuten sage und schreibe 77 Prozent Ballbesitz. Dennoch steckte die DR Kongo nicht auf. Angeführt von Wissa, Bakambu und Edo Kayembe kamen die Afrikaner im Laufe der ersten halben Stunde immer wieder zu gefährlichen Entlastungsangriffen.

Es war eine bemerkenswerte Defensiv- und Mentalitätsleistung, mit der die DR Kongo Ronaldo und Co. zunehmend frustrierte. Die beiden Außenverteidiger Masuaku und Wan-Bissaka glänzten dabei nicht nur im Vorwärtsgang mit mutigen Dribblings, sondern zeigten sich über die gesamten 90 Minuten extrem zweikampfstark.
Wissa schockt die Portugiesen
Unterstützt wurden sie von einem unermüdlichen Mittelfeldtrio aus Wissa, Kayembe und Samuel Moutoussamy. Sie stellten die Räume so geschickt zu, dass Portugals kreative Zentrale um Bruno Fernandes, Vitinha und Neves kaum Bindung zum Spiel fand. Die Europäer ließen den Ball zwar viel in den eigenen Reihen laufen – Vitinha (134), Tomas Araujo (109) und Renato Veiga (103) knackten allesamt die Marke von 100 Ballkontakten –, doch es fehlte völlig an Tempo und Zielstrebigkeit.
Ein geblockter Schuss von Fernandes in der 39. Minute war erst der zweite portugiesische Versuch des Spiels. Das bestrafte die DR Kongo noch vor dem Pausenpfiff: Nach einer scharf getretenen Ecke von Masuaku stimmte die Zuordnung in Portugals Defensive überhaupt nicht. Yoane Wissa nutzte den Freiraum und köpfte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum verdienten Ausgleich ein.
Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Portugal ließ den Ball phasenweise zwar beeindruckend sicher zirkulieren – die Passquoten von Neves (97,8 %), Neto (95,1 %) und Vitinha (94,5 %) waren fast makellos –, doch das Ganze glich eher einem wirkungslosen Passkarussell als gefährlichem Offensivfußball.
Besonders bitter war der Auftritt von Cristiano Ronaldo. Der Superstar gab erst in der 68. Minute seinen ersten Torschuss ab. Mit insgesamt nur 25 Ballkontakten hing er völlig in der Luft und konnte der Mannschaft keinerlei Impulse geben. Zwei weitere Versuche in der Schlussphase flogen weit am Kasten vorbei. Da auch seine Teamkollegen keine Lücke fanden, blieb der Führungstreffer von Neves der einzige portugiesische Schuss, der im gesamten Spiel überhaupt auf das gegnerische Tor ging.
Für Ronaldo setzt sich damit eine schwarze Serie fort: Es war sein zehntes Spiel bei einem großen Turnier in Folge ohne eigenen Treffer – trotz insgesamt 33 Torversuchen in diesem Zeitraum. Auch für die Mannschaft war es ein historischer Tiefpunkt: Die mageren sieben Torschüsse bedeuten die Einstellung des portugiesischen Negativrekords bei einer WM (zuvor nur 2002 gegen Südkorea).
Nationaltrainer Roberto Martinez steht vor einer ungemütlichen Analyse. Seine Mannschaft verbuchte zwar 29 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, machte daraus aber viel zu wenig. Erschreckend auch: Von den drei erfahrensten Stars auf dem Platz – Ronaldo, Fernandes und Bernardo Silva – ging über das gesamte Spiel kein einziges erfolgreiches Dribbling aus. Zudem leistete sich Fernandes ungewohnte 17 Ballverluste. Dass Kapitän Ronaldo in den entscheidenden Momenten völlig abtauchte, passt so gar nicht zum Selbstverständnis des Weltstars.
Historischer Punkt für den Außenseiter
Die Enttäuschung der Portugiesen soll die Leistung der DR Kongo jedoch nicht schmälern. Der Außenseiter feierte das erste WM-Tor seiner Geschichte und belohnte sich mit dem ersten Punktgewinn auf der ganz großen Bühne.

Die Zahlen unterstreichen den leidenschaftlichen Auftritt der afrikanischen Auswahl: Während Portugal 783 Pässe spielte, reichten dem Kongo magere 249 Zuspiele, um das Remis zu sichern. Die Afrikaner gewannen mehr Zweikämpfe (9 von 17) und fingen mehr Bälle ab (5) als der amtierende Nations-League-Sieger. Am Ende war es ein Sieg des Willens über die individuelle Klasse – und ein verpatzter WM-Auftakt für Portugal, der Fragen aufwirft.
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