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Jurij Rodionov im Portrait – Zwischen Top 100 und Challenger-Tour

Jurij Rodionov im Portrait – Zwischen Top 100 und Challenger-Tour
Jurij Rodionov im Portrait – Zwischen Top 100 und Challenger-TourMathias Schulz / Zuma Press / Profimedia

Acht Challenger-Titel, ein ATP-Halbfinale und Rang 87 der Welt: Jurij Rodionov hat mehrfach gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Dauerhaft in den Top 100 etablieren konnte sich der Österreicher bislang aber nicht. Flashscore blickt auf seinen bisherigen Weg.

Jurij Rodionov kennt beide Seiten des Profitennis. Der 27-Jährige stand bereits auf Rang 87 der Welt, gewann acht Challenger-Titel und erreichte ein ATP-Halbfinale. Gleichzeitig musste er sich nach Rückschlägen immer wieder über die zweite Reihe nach oben kämpfen. Aktuell steht Rodionov auf Position 134 der Weltrangliste. Der erneute Sprung in die Top 100 ist damit in Reichweite. Genau dort wollte der Niederösterreicher schon vor Jahren dauerhaft ankommen.

Vom Fußballwunsch zum Top-Junior

Geboren wurde Rodionov am 16. Mai 1999 in Nürnberg. Seine Eltern Serguei und Galina stammen aus Belarus und waren drei Jahre zuvor nach Deutschland gezogen. Schon kurz nach seiner Geburt übersiedelte die Familie nach Österreich. Rodionov spricht Deutsch, Englisch und Russisch.

Tennis war zunächst nicht einmal seine erste Wahl. Eigentlich wollte er Fußball spielen, durfte damit in seinem damaligen Wohnort aber erst mit sechs Jahren beginnen. Also griff Rodionov bereits mit vier zum Tennisschläger. Im Nachwuchs gehörte der Linkshänder bald zur internationalen Spitze. Rodionov kletterte bis auf Rang sieben der Junioren-Weltrangliste. 2017 erreichte er in Wimbledon das Viertelfinale im Einzel und gemeinsam mit Michael Vrbensky sogar das Finale im Doppel.

Der Übergang zu den Profis gelang ungewöhnlich schnell. Seinen ersten ATP-Ranglistenpunkt holte Rodionov bereits mit 16 Jahren. 2018 gewann er als Qualifikant in Almaty seinen ersten Challenger-Titel. Mit 19 Jahren war er damals der jüngste österreichische Sieger auf dieser Ebene seit Thomas Muster und Horst Skoff im Jahr 1986.

 

 

Große Siege, aber die Konstanz fehlt

2020 folgte der nächste große Schritt. Rodionov gewann die Challenger-Turniere in Dallas und Morelos. Bei den French Open kämpfte er sich durch die Qualifikation und drehte bei seinem Grand-Slam-Debüt gegen Jeremy Chardy einen 0:2-Satzrückstand. Wenige Wochen später schlug er bei den Erste Bank Open in Wien den damaligen Weltranglisten-Zwölften Denis Shapovalov.

 

 

Spätestens damals war klar, dass Rodionov auch Spieler aus der erweiterten Weltspitze schlagen kann. Das Problem war weniger das maximale Niveau als die Häufigkeit, mit der er es abrufen konnte. Rodionov selbst sprach offen über diesen Punkt. „Als Spitzensportler muss der Kopf einfach funktionieren“, sagte er 2021. Er arbeitete mit einer Mentaltrainerin und berichtete auch von Selbstzweifeln. Als entscheidende Faktoren für den nächsten Schritt nannte er Konstanz, Selbstvertrauen und einen flexiblen Matchplan.

Wie hoch sein Niveau sein kann, zeigte er im selben Jahr beim ATP-Turnier in Stuttgart. Rodionov bezwang unter anderem Alex de Minaur und erreichte erstmals ein Halbfinale auf der ATP-Tour. Gegen den späteren Sieger Marin Cilic musste er dort verletzt aufgeben. Es folgte vor allem auf Challenger-Ebene eine starke Phase. 2022 gewann Rodionov in Biel und beim Heimturnier in Mauthausen, 2023 verteidigte er seinen Titel in Biel. Im August 2023 gelang schließlich jener Schritt, den er lange als große „magische Barriere“ bezeichnet hatte. Er schaffte erstmals den Sprung unter die besten 100 der Welt.

Wenige Wochen später erreichte Rodionov als Qualifikant das Viertelfinale des ATP-Turniers in Astana und schlug dabei den damaligen Weltranglisten-27. Sebastian Baez. Anfang 2024 gewann er in Koblenz seinen siebenten Challenger-Titel und kletterte anschließend bis auf Karrierebestwert 87. Der endgültige Durchbruch blieb trotzdem aus. Im Sommer 2024 verlor Rodionov acht Matches in Folge und fiel innerhalb weniger Monate wieder aus den Top 200. Es war der bislang deutlichste Rückschlag seiner Karriere.

Neuer Anlauf Richtung Top 100

Seitdem arbeitet sich Rodionov erneut nach vorne. Im August 2025 gewann er in Bonn seinen achten Challenger-Titel. Insgesamt steht seine Bilanz bei acht Siegen in 16 Endspielen auf dieser Ebene. Auch 2026 zeigt die Formkurve wieder nach oben. Zu Jahresbeginn lag Rodionov noch außerhalb der Top 160, im Februar wurde er im Davis Cup gegen Japan als Nummer 170 geführt. Dort besiegte er Shintaro Mochizuki, die damalige Nummer 108 der Welt, und holte einen wichtigen Punkt für Österreich. „Es scheint so, dass ich im Davis Cup immer sehr, sehr gut spiele“, sagte Rodionov danach.

 

 

Im Frühjahr qualifizierte er sich ohne Satzverlust für das Hauptfeld der French Open. Es war nach 2020 und 2023 seine dritte Teilnahme am Hauptbewerb von Roland Garros. In Wimbledon scheiterte er dagegen in der Qualifikation. Ein weiteres Lebenszeichen folgte im Juli in Kitzbühel. Rodionov kämpfte sich durch die Qualifikation und besiegte anschließend Joel Schwärzler mit 6:4, 6:2. Es war sein erster Sieg auf ATP-Ebene außerhalb des Davis Cups seit April 2024. Im Achtelfinale war gegen den Top-50-Spieler Tomas Martin Etcheverry Endstation.

Mit Rang 132 ist Rodionov den Top 100 inzwischen wieder deutlich näher gekommen. Der nächste Schritt ist trotzdem derselbe wie schon vor einigen Jahren. Rodionov muss sein bestes Tennis häufiger abrufen. Einzelne Siege gegen Topspieler, acht Challenger-Titel und Rang 87 zeigen, dass das Niveau für die Top 100 vorhanden ist.

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