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Krisensitzung in Rabat: Angezählter Infantino kämpft um seinen Job

FIFA-Präsident Infantino verliert seine Rückendeckung
FIFA-Präsident Infantino verliert seine RückendeckungČTK / imago sportfotodienst / IMAGO

FIFA-Präsident Gianni Infantino ruft seine wichtigsten Mitarbeiter zu einer Krisensitzung zusammen. Die Schlinge zieht sich weiter zu.

Gianni Infantino wählte zur Besprechung der aktuellen Notlage ausgerechnet den Ort, an dem seine nächste feierliche Krönungsmesse stattfinden soll. Für Mittwoch lud der schwer angeschlagene Alleinherrscher seine wichtigsten Mitarbeiter zu einer Krisensitzung nach Rabat, wo für den 18. März 2027 der nächste Kongress des Weltverbandes und damit auch seine letzte Wiederwahl als FIFA-Präsident angesetzt ist.

Ob es so weit allerdings kommt, scheint derzeit ungewisser denn je. Die Schlinge für Infantino zieht sich nach seinem gescheiterten Investorendeal immer weiter zu.

Rückendeckung schmilzt dahin

Enge Vertraute rücken von ihm ab, aus Jordanien gibt es Erpressungsvorwürfe, die Gastgeberstädte der WM bringen Anschuldigungen vor - und weitere Mitgliedsverbände ziehen offiziell ihre Unterstützung zurück. Fast im Stundentakt verschärfen sich die Probleme des FIFA-Chefs. Was genau Infantino bei den Krisengesprächen in Marokkos Hauptstadt besprechen will, blieb in den Berichten von Times und Sky UK unklar. Definitiv muss sich der Schweizer auch in den eigenen Reihen Vertrauen zurückerarbeiten.

"Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen", schrieb FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström in einer von mehreren Medien zitierten Mail an Mitarbeiter des Weltverbandes: "Die Institution, ihre Mission und ihre Verantwortung gegenüber dem Weltfußball bestehen fort, und deshalb sollten wir stets unsere Professionalität, unseren Sinn für die richtigen Perspektiven und unsere Gelassenheit bewahren."

Der Schwede galt bislang als enger Vertrauter Infantinos, in den Investorendeal seines Chefs soll er aber nicht eingeweiht gewesen sein. Auch FIFA-Direktor Arsene Wenger ging öffentlich auf Distanz. "Ich war an diesem Plan nicht beteiligt und habe erst aus der Presse von diesem Vorhaben erfahren", schrieb er in einer Stellungnahme: "Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten."

US-WM-Städte warten auf zugesagte Zahlungen

Generell öffnen sich immer mehr Nebenkriegsschauplätze. So behauptete Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fußballverbands, der Druck auf die Mitgliedsverbände, Infantino bei der Wiederwahl im kommenden Jahr zu unterstützen, komme "Erpressung gleich".

Er und sein Verband hätten "ihn früher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun", schrieb der Gegenkandidat Infantinos bei der FIFA-Präsidentschaftswahl 2016 bei X. Wohl auch deshalb, mutmaßt er, seien dem Team die Prämien für den Finaleinzug beim von der FIFA organisierten Arab Cup bislang nicht ausgezahlt worden.

Über fehlende Gelder beklagen sich auch mehrere Ausrichterstädte der Weltmeisterschaft. Wie das Portal The Athletic berichtet, haben vier Vertreter von WM-Gastgeberstädten dem Medium gegenüber anonym erklärt, Mitarbeiter aus dem Führungskreis der FIFA hätten ihnen mündlich jeweils eine Million Dollar an sogenannten "Legacy"-Geldern versprochen. Doch noch warten die betroffenen US-Städte offenbar vergebens auf die zugesagten Zahlungen.

Keine Anzeichen für Infantino-Rücktritt

Unabhängig von diesen Vorwürfen ziehen derweil weitere Nationen ihre Konsequenzen aus dem geplatzten Hinterzimmerdeal zum angedachten Verkauf von Anteilen an der Fußball-WM und an anderen FIFA-Turnieren an Investoren. So hat nun auch Griechenland offiziell seine Unterstützung von Infantino zurückgezogen, laut Guardian spielen auch mehrere Nationen aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik konkret mit diesem Gedanken.

Anzeichen für einen Rücktritt gab es beim Boss des Weltverbandes bis Mittwochvormittag aber weiter nicht. In seiner Instagram-Story postete er in hoher Schlagzahl Fotos von Erinnerungen an die zurückliegende Weltmeisterschaft und verbreitete Unterstützerschreiben einzelner Verbände.