Marcelo Bielsa im Profil: "El Loco" – Der vielleicht beste Trainer der Welt

Bielsa hat die Taktikgeschichte entscheidend geprägt
Bielsa hat die Taktikgeschichte entscheidend geprägtMARCO BERTORELLO / AFP

Niemand Geringeres als Pep Guardiola hat einmal über Marcelo Bielsa gesagt: "Für mich ist er der beste Trainer der Welt." Der als "El Loco" berühmte Coach genießt absoluten Legendstatus. Bei der WM 2026 soll er Uruguay zurück an die Weltspitze führen. Ein gewagtes Unterfangen. In unserer Übersicht findest du regelmäßig neue Profile zu den wichtigsten Coaches beim Turnier in Nordamerika.

Marcelo Bielsa (Uruguay)

GEBURTSDATUM: 21. Juli 1955 

NATIONALITÄT: Argentinien

IM AMT SEIT: Mai 2023

TAKTISCHES PROFIL: Kompromisslose Offensive, Extremes Pressing, Manndeckung

GRÖSSTE ERFOLGE ALS TRAINER: 3x Argentinischer Meister 1991, 1992 (Newell's Old Boys) und 1998 (Vélez Sarsfield), Olympische Goldmedaille 2004 (Argentinien), Finalteilnahme Europa League 2012 (Athletic Bilbao), Aufstieg in die Premier League 2020 (Leeds United) 

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"El Loco" – Der vielleicht beste Trainer der Welt

Marcelo Bielsa ist ein wandelnder Mythos. Zahlreiche Experten sind sich darin einig, dass kein anderer Trainer den Fußball derart geprägt hat wie der mürrische Argentinier. Tatsache ist: Bielsa ist vom Fußball besessen.

Vor allem Pep Guardiola wurde von seiner Arbeit geprägt. Als der scheidende City-Manager nach seiner aktiven Karriere den Entschluss fasste, eine Laufbahn als Coach einzuschlagen, reiste er extra nach Argentinien, um mit Bielsa über zehn Stunden lang über Fußball zu diskutieren. Bis heute ist Guardiola von seinem Kollegen derart angetan, dass er ihn einmal als "besten Trainer der Welt" bezeichnete.

Mit dieser Einschätzung ist er keinesfalls alleine. So schwärmte der aktuelle US-Coach Mauricio Pochettino "eine ganze Generation von Trainern von ihm gelernt" habe. Atléticos Erfolgscoach Diego Simeone beschrieb Bielsas Arbeitsweise einmal folgendermaßen: "Er lässt dich eine Übung so oft wiederholen, bis du sie im Schlaf beherrschst. Er nimmt dir das Denken auf dem Platz ab, weil du genau weißt, wo der Ball hin muss."

Doch die Trainerikone hat nicht nur Freunde. Uruguays Superstar Luis Suarez hatte zwischenzeitlich seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklört: Seine Begründung: "Bielsa spaltet die Gruppe. Die Spieler haben eine interne Sitzung abgehalten, um ihn zu bitten, uns wenigstens guten Morgen zu sagen – er hat uns nicht mal gegrüßt."

Gerüchten zufolge denkt Bielsa 24 Stunden pro Tag an Fußball
Gerüchten zufolge denkt Bielsa 24 Stunden pro Tag an FußballGLYN KIRK / AFP Foto von GLYN KIRK / AFP

Bielsa ist ein Exzentriker, dem manchmal auch das Verständnis dafür fehlt, wenn jemand nicht dieselbe Leidenschaft für Fußball an den Tag legt, wie er selbst. Leeds United formte er während seiner Amtsperiode (2018 bis 2022) von einem mittelmäßigen Zweitligisten zu einem erfolgreichen Premier-League-Team. Dabei gelang es ihm, scheinbar mittelklassige Spieler auf internationales Nivea zu heben – auch dank brutaler Trainingsmethoden.

Als er bei Leeds anfing, ließ er die Profis zunächst einmal drei Stunden lang den Müll rund um das Stadion aufsammeln. Der Grund: Er hatte ausgerechnet, dass ein durchschnittlicher Fan genau drei Stunden arbeiten muss, um sich eine Eintrittskarte zu leisten. 

Dass Bielsa ein Offensiv-Fanatiker ist, hängt laut eigener Aussage auch damit zusammen, dass sich der Stadionbesuch für die Anhänger lohnen soll. Immerhin würden sie kein Geld für fades Ballgeschiebe, sondern für leidenschaftliche Momente bezahlen.

Zudem erfand er "Murderball": Ein Trainingsspiel über die volle Distanz ohne Schiedsrichter und ohne Pausen. Landet der Ball im Aus, wird sofort der nächste reingeworfen. Dementsprechnd laufen seine Teams die Gegner oft in Grund und Boden – allerdings neigen sie deshalb auch manchmal zu körperlichen Einbruchen, was bei seinen Schützlingen als "Bielsa Burnout" bekannt ist.

Bielsa kennt keine Gnade
Bielsa kennt keine GnadeDANTE FERNANDEZ / AFP

Berühmheit hat er 2019 auch durch einen Spionage-Gate erhalten. Er hatte einen Assitenten damit beauftragt, durch den Zaun hindurch eine Trainingseinheit von Derby County im Blick zu behalten, was eine hohe Geldstrafe zur Folge hat, die Bielsa schließlich aus eigener Tasche bezahlte. 

Trotzdem ließ er sich nicht die Gelegenheit nehmen, bei der nächsten Pressekonferenz den anwesenden Journalisten eine 70-minütige PowerPoint-Präsentation vorzulegen, in der er zeigte, dass er das gegnerische Training gar nicht ausspionieren müsse, weil seine Datenbank ohnehin bereits jede einzelne Bewegung, jede Ecke und jedes psychologische Detail aller Spieler des Gegners aus den letzten zwei Jahren enthielt.

Die letzte Anekdoten, die hier noch Platz finden soll: Bielsa verfolgt die Spiele seiner Mannschaft traditionell auf einer umgekippten Getränkebox – laut eigener Aussage, weil ihn seit Jahren heftige Rückenschmerzen plagen. 

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