"Nationenhopping": Rudi Völler mit Kritik an Uzun, Asllani, Wanner & Co.

Rudi Völler kritisiert das "Nationenhopping."
Rudi Völler kritisiert das "Nationenhopping." ČTK / imago sportfotodienst / Malte Ossowski / SVEN SIMON

Immer wieder wechseln Talente mit doppelter Staatsbürgerschaft (spät) den Verband. Rudi Völler hat mit dem "Nationenhopping" ein Problem.

Can Uzun fasste sich ein Herz, schoss aus 20 Metern aufs Tor und jubelte breit grinsend vor den Fans. Der 20-Jährige hatte gerade seinen Premierentreffer für die Nationalmannschaft erzielt - in Istanbul für die Türkei statt in Mainz für Deutschland. Bis zur U16 hatte er für den DFB gespielt, dann wurde er aussortiert und wechselte zum türkischen Verband. Statt 2024 wieder mit der deutschen U21 aufzulaufen, traf er eine "Herzensentscheidung" zugunsten der Türkei.

Damit ist Uzun ein prominentes Beispiel für aufstrebende Talente mit mehreren Staatsbürgerschaften. Um sie beginnt immer öfter ein Ziehen und Zerren. Rudi Völler ist davon genervt.

"Dieses Nationenhopping ist ganz schlecht und wertet auch die Nationalmannschaften ab", schimpfte der DFB-Sportdirektor zuletzt bei der Funke-Mediengruppe: "Es kann nicht sein, dass Spieler sich permanent entscheiden können, für wen sie spielen möchten. Das ist nicht gut."

Beispiele gibt es genug. Uzun, Ibrahim Maza, Josip Stanisic, Fisnik Asllani, Paul Wanner - die Liste könnte lange weitergehen. Immer wieder verlor der DFB in den vergangenen Jahren das Rennen um Talente, die er zuvor häufig, aber nicht immer selbst ausgebildet hatte.

Die Gründe sind so verschieden wie die persönlichen Geschichten der Spieler selbst. Mal geht es nüchtern um sportliche Perspektiven, häufig aber auch um die Frage nach Identität, Zugehörigkeitsgefühl. Themen, die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland auch über den Sport hinaus beschäftigen.

Die Zahl solcher Fälle wird in der Zukunft weiter steigen. Laut Statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2024 in Deutschland 42,6 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund. Bei den U21-Vizeeuropameistern aus dem Sommer 2025 waren es insgesamt elf Spieler, die noch für einen Verbandswechsel infrage kamen oder immer noch kommen. Auch deshalb setzt sich der DFB für eine Ausbildungsentschädigung ein.

Völler fordert neue Regelung

Allerdings ist Deutschland auch Profiteur. Jamal Musiala lernte das Fußballspielen in England, entschied sich dann aber für den DFB. Mittlerweile hat er eine Schlüsselrolle in der Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Versprechungen kann und will der DFB aber nicht jedem Teenager machen. Andere, "kleinere" Verbände sehen das anders und werben heftigst um die Talente.

"Jemanden zu überreden, sich für eine Nation zu entscheiden, empfinde ich als unglücklich", sagt Völler: "Entweder willst du für dieses Land spielen, weil dein Herz und deine Heimat daran hängen. Oder eben nicht."

Nach derzeitigem Regelwerk des Weltverbands FIFA darf ein Spieler jederzeit wechseln, insofern er noch kein A-Länderspiel bestritten hat. Die Einbürgerung vorausgesetzt. Mit dem vierten Länderspiel vor dem 21. Geburtstag oder einem Einsatz bei einer WM oder einem Kontinentalturnier spielt man sich fest. Auch bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada werden bekannte Gesichter wie Dortmunds Carney Chukwuemeka (Österreich) oder der Berliner Rani Khedira (Tunesien) nach einem Verbandswechsel auflaufen.

Völler fordert von der FIFA eine Regelanpassung. "Dass du dich so spät wie jetzt entscheiden kannst, ist falsch", sagte er: "Warum gibt es nicht eine einfache Regelung, sich spätestens mit dem 18. Lebensjahr zu entscheiden, für welches Land ich spiele? Das wäre die beste Lösung. Das ist meine feste Überzeugung."

Nur: Ob 16, 18, 20 oder 21. Das Dilemma bleibt - ungeachtet eines Stichtags.