"Es war schon ein harter Tour-Start, von Anfang an", sagt Lipowitz: "Aber wir können so weit happy sein. Jetzt kommen schwere Etappen, dann wird sich das Gesamtklassement langsam sortieren." Wohl schon am Dienstag bei der schweren Kletteretappe nach Le Lioran.
Den Ruhetag in Frankreichs stiller und dünn besiedelter Mitte nutzten Lipowitz und sein Red-Bull-Team zum Kassensturz. Und die reinen Zahlen ließen den 25 Jahre alten Ulmer zufrieden nicken: "Wir können jetzt nach vorne schauen."
Keine Ruhe bei Red Bull
Gesamtplatz sieben, glatte vier Minuten hinter dem unantastbaren Spitzenreiter Tadej Pogacar, dem sein fünfter Toursieg kaum zu nehmen sein wird, 1:18 Minuten hinter dem zweitplatzierten Jonas Vingegaard und 33 Sekunden hinter Isaac del Toro auf Platz drei. 2025, als Lipowitz bei seiner Tour-Premiere aufs Podest fuhr, war er am ersten Ruhetag Achter, 3:34 Minuten hinter Gelb, 2:05 hinter Platz drei.
Alles fein also bei Red Bull, zumal Teamkollege Evenepoel als Vierter 30 Sekunden vor Lipowitz ebenfalls vorne mitmischt? Keineswegs. Denn weiterhin ist die Rollenverteilung zwischen Olympiasieger Evenepoel und Lipowitz ungeklärt, nach der medialen und wohl durchaus kalkulierten Kollegenschelte des Belgiers in den Pyrenäen droht trotz aller Beteuerungen weitere Eskalation. Und auf der letzten Etappe vor dem Ruhetag zeigte Red Bull wieder sein altes Problem und ließ die mannschaftliche Geschlossenheit vermissen, die (andere) Topteams ausmacht.
"Es hat doof ausgeschaut, das haben wir uns anders vorgestellt", sagte Teamchef Ralph Denk und gab Fahrern wie sportlichen Leitungen Hausaufgabe für den Ruhetag auf: "Darüber müssen wir reden."
Geredet wurde darüber, dass die sechs Helfer von Lipowitz und Evenepoel zum zweiten Mal in neun Etappen ein Totalausfall waren. Während auf der brutal schnellen und heißen Etappe nach Ussel Pogacar im Favoritenfeld von fünf UAE-Domestiken unterstützt wurde und Vingegaard von drei Visma-Kollegen, waren die beiden RB-Stars wie schon am Tourmalet isoliert.
Fehlende Qualität bei den Helfern
Die Folge, unter anderem: Wo Pogacar und Vingegaard mit Verpflegung beliefert wurden, pedalierte Lipowitz persönlich zurück zum Teamwagen und mit den Wasserflaschen für sich und Evenepoel wieder nach vorne. "Wenn die Flaschen leer sind, muss eben jemand nach hinten", sagte Lipowitz. Doch das ist kein Kapitäns-Job.
So lässt sich feststellen, dass die RB-Auswahl für das wichtigste Rennen des Jahres erneut falsch zusammengestellt ist. Dem Australier Jai Hindley, mitgenommen als wichtigster Berghelfer, steckt sein formidabler Giro (Platz drei) in den Knochen, er kam am Samstag mit Jan Tratnik als nächstbeste Fahrer des Teams mit 17 Minuten Rückstand ins Ziel. Und im Hochgebirge kann der RB-Rest kaum unterstützen.
Zwei Kapitäne, keine Matrosen - man muss kein Nautiker sein, um das Problem zu sehen. Vor allem, da es ab Dienstag keinesfalls weniger hart zur Sache gehen wird. "Unser Hauptziel ist, das Gelbe Trikot zu verteidigen", kündigt Spitzenreiter Pogacar an, "aber manchmal ist Angriff die beste Verteidigung." Den matrosenlosen Red-Bull-Offizieren droht einiges auf der Reise Richtung Podest.
Tour de France 2026
Am 4. Juli beginnt die Tour de France 2026 im spanischen Barcelona. 3.321,2 Kilometer und 22 Tage später – am 26. Juli – kommen die Fahrer der 18 Teams traditionell in Paris an. Bei Flashscore findest du alle Informationen zur berühmtesten Radrundfahrt der Welt.
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