French Open 2026: Die Vorschau auf den Sandplatz-Klassiker

French Open 2026: Die Vorschau auf den Sandplatz-Klassiker
French Open 2026: Die Vorschau auf den Sandplatz-KlassikerDubreuil Corinne/ABACA / Abaca Press / Profimedia

Wenn in Paris der rote Sand wieder aufwirbelt, beginnt für die Tenniswelt der vielleicht härteste Härtetest des Jahres. Roland Garros ist nicht nur das bedeutendste Sandplatzturnier der Saison, sondern auch jener Grand-Slam-Ort, an dem Ausdauer, Geduld, Beinarbeit und mentale Widerstandskraft oft brutaler geprüft werden als irgendwo sonst.

Sechs ÖTV-Stars im Hauptfeld

Aus österreichischer Sicht ist die Ausgangslage diesmal so breit wie lange nicht. Mit Sebastian Ofner und Jurij Rodionov bei den Herren sowie Anastasia Potapova, Lilli Tagger, Sinja Kraus und Julia Grabher bei den Damen stehen gleich sechs ÖTV-Asse im Einzel-Hauptbewerb. So viele rot-weiß-rote Einzel-Starterinnen und -Starter bei einem Grand-Slam-Turnier gab es zuletzt 2014 in Wimbledon. Bei den Damen ist Österreich sogar erstmals seit den Australian Open 2010 wieder mit einem Quartett bei einem Major vertreten.

Sebastian Ofner

Sebastian Ofner ist im Herren-Hauptfeld Österreichs prominentester Fixstarter. Der Steirer hat in Paris bereits bewiesen, dass ihm die Bedingungen liegen: 2023 spielte er sich in Roland Garros bis ins Achtelfinale, seine Bilanz am Bois de Boulogne ist positiv. Diesmal wartet auf ihn allerdings sofort ein echtes Brett: Ofner trifft in der ersten Runde auf den als Nummer 14 gesetzten Italiener Luciano Darderi.

Darderi gilt als klarer Favorit, ist auf Sand brandgefährlich und bringt viel Selbstvertrauen mit. Für Ofner wird es daher vor allem darum gehen, mit seinem druckvollen Aufschlag, der aggressiven Vorhand und mutigem Grundlinienspiel früh Akzente zu setzen.

 

Alle Augen sind auf den Sandplatz-Klassiker gerichtet
Alle Augen sind auf den Sandplatz-Klassiker gerichtetAlfredo Falcone/LaPresse / Shutterstock Editorial / Profimedia

 

Jurij Rodionov

Jurij Rodionov hat sich seinen Platz im Hauptfeld hart erarbeitet. Der Niederösterreicher besiegte in der dritten Qualifikationsrunde den Kroaten Borna Gojo mit 7:5, 6:3 und steht damit zum dritten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier im Hauptbewerb.

Sein Auftaktlos ist reizvoll und schwierig zugleich: Rodionov bekommt es in der ersten Runde mit dem als Nummer 22 gesetzten Franzosen Arthur Rinderknech zu tun. Damit wartet nicht nur ein gesetzter Gegner, sondern auch ein Lokalmatador. Auf den Außenplätzen von Roland Garros kann ein französischer Spieler schnell von der Atmosphäre getragen werden.

Anastasia Potapova

Anastasia Potapova geht in ihre ersten French Open als Österreicherin – und das mit Rückenwind. Die 25-Jährige bringt die größte internationale Schlagkraft im heimischen Damen-Aufgebot mit und hat in Paris bereits Erfahrung gesammelt. 2024 stand sie bei den French Open im Achtelfinale, damals noch unter russischer Flagge.

In Runde eins trifft die als Nummer 28 gesetzte Potapova auf Maya Joint aus Australien. Joint liegt im Ranking nicht weit hinter ihr, dennoch wird Potapova auf Sand stärker eingeschätzt. Unter den österreichischen Starterinnen ist sie jene Spielerin, der man am ehesten einen tiefen Lauf zutrauen darf.

Lilli Tagger

Für Lilli Tagger ist Roland Garros mehr als nur ein Grand-Slam-Turnier. Vor einem Jahr gewann die Osttirolerin in Paris den Juniorinnen-Titel – als erste Österreicherin überhaupt im Juniorinnen-Einzel der French Open. Nun kehrt sie an jenen Ort zurück, an dem sie ihren bislang größten Erfolg gefeiert hat – diesmal aber im Hauptfeld der Profis.

Der Auftakt hat es allerdings in sich: Tagger trifft in der ersten Runde auf die Chinesin Wang Xinyu, die als Nummer 32 gesetzt ist. Damit startet die 18-Jährige gleich gegen eine etablierte Top-Spielerin. Tagger bringt mit ihrer einhändigen Rückhand, ihrer Variabilität und ihrem natürlichen Gefühl für Sand aber eine seltene Mischung mit. 

Sinja Kraus

Sinja Kraus hat sich über die Qualifikation erstmals ins Hauptfeld der French Open gespielt. Für die Wienerin ist es ein großer Karriereschritt: Nach zwölf vergeblichen Qualifikationsanläufen bei Grand-Slam-Turnieren steht sie nun erstmals auf der großen Major-Bühne.

Zum Auftakt wartet allerdings eine besonders schwere Aufgabe: Kraus trifft in der ersten Runde auf die Schweizerin Belinda Bencic, die als Nummer 11 gesetzt ist. Das Duell ist für Sonntag um 12:00 Uhr auf dem Court Philippe-Chatrier angesetzt – größer kann eine Grand-Slam-Premiere kaum sein.

 

 

Julia Grabher

Julia Grabher komplettiert das österreichische Damen-Quartett im Hauptfeld. In der ersten Runde trifft die Vorarlbergerin auf die slowakische Qualifikantin Rebecca Sramkova. Im Vergleich zu den gesetzten Auftaktgegnern von Ofner, Rodionov, Tagger und Kraus wirkt dieses Los auf dem Papier etwas offener.

Österreich und Roland Garros: Von Muster bis Thiem

Kein österreichischer Rückblick auf Roland Garros kommt an Thomas Muster vorbei. 1995 schrieb der Steirer Sportgeschichte, als er im Finale Michael Chang mit 7:5, 6:2, 6:4 besiegte und den bis heute einzigen österreichischen Einzeltitel bei den French Open holte.

Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde Dominic Thiem zum nächsten großen österreichischen Paris-Protagonisten. Der Niederösterreicher erreichte 2018 und 2019 jeweils das Finale, musste sich dort aber beide Male Rafael Nadal geschlagen geben. Davor stand Thiem bereits 2016 und 2017 im Halbfinale. Roland Garros war für ihn jahrelang die Bühne, auf der er sich endgültig in der Weltspitze etablierte.

Sinner im Fokus, Alcaraz fehlt

Bei den Herren führt 2026 vieles über Jannik Sinner. Der Südtiroler steht an der Spitze der Setzliste und geht als großer Favorit ins Turnier, bei dem Titelverteidiger Carlos Alcaraz verletzungsbedingt fehlt. Damit verliert Roland Garros zwar einen seiner spektakulärsten Sandplatzakteure, zugleich öffnet sich für Sinner eine große Chance, die Lücke in seiner Grand-Slam-Bilanz zu schließen.

 

 

Hinter Sinner lauert ein breites Verfolgerfeld. Alexander Zverev ist als Nummer zwei der Setzliste ein Titelkandidat, zumal er 2024 in Paris im Finale stand. Novak Djokovic bleibt trotz Form- und Fitnessfragen immer ein Sonderfall: Wer 24 Grand-Slam-Titel gewonnen hat, wird in Paris nie nur Mitläufer sein. Dazu kommen Spieler wie Ben Shelton, Daniil Medvedev, Taylor Fritz, Alex de Minaur, Alexander Bublik und Flavio Cobolli, die in der Setzliste ebenfalls weit oben auftauchen.

Ein Name darf in Roland Garros ebenfalls nie fehlen: Casper Ruud. Der Norweger stand bereits zweimal im Finale von Paris und bringt auf Sand jene Geduld mit, die auf dem Weg in die zweite Turnierwoche entscheidend sein kann. Er ist nicht der Topfavorit, aber einer der konstantesten Sandplatzspieler seiner Generation.

Damen machen Jagd auf Gauff

Bei den Damen ist der Favoritenkreis größer. Aryna Sabalenka führt die Setzliste an, Elena Rybakina folgt als Nummer zwei, dahinter kommen Iga Swiatek und Titelverteidigerin Coco Gauff. Schon diese vier Namen zeigen, wie unterschiedlich die Favoritinnenprofile sind: Power, Aufschlagstärke, Sandplatz-Dominanz und Grand-Slam-Erfahrung treffen in Paris direkt aufeinander.

 

 

Gauff kommt als Titelverteidigerin nach Roland Garros. 2025 setzte sie sich im Finale gegen Sabalenka durch und bewies einmal mehr, dass ihre Athletik und Defensivqualität auf Sand perfekt zur Geltung kommen können. Swiatek wiederum bleibt in Paris immer eine der ersten Kandidatinnen auf den Titel – ihre French-Open-Bilanz der vergangenen Jahre spricht für sich. Zwischen 2020 und 2024 gewann sie das Turnier viermal.

Preisgeld & TV-Übertragung in Österreich

Auch finanziell setzen die French Open 2026 neue Maßstäbe. Insgesamt werden in Paris 61,7 Millionen Euro ausgeschüttet. Die Siegerin und der Sieger im Einzel erhalten jeweils 2,8 Millionen Euro, bereits die Teilnahme an der ersten Hauptrunde bringt 87.000 Euro.

In Österreich sind die French Open bei ServusTV und ServusTV On zu sehen. Ab Montag, 25. Mai, zeigt ServusTV täglich ab 13:00 Uhr das Topspiel des Tages, mit besonderem Fokus auf die österreichischen Spielerinnen und Spieler. Zusätzlich werden alle Halbfinal- und Finalspiele der Damen und Herren live übertragen. Als Expertinnen und Experten sind unter anderem Barbara Schett und Alexander Antonitsch im Einsatz.