Potapova nach souveränem Auftakt klare Favoritin
Für Anastasia Potapova verlief die erste Runde trotz kurzfristiger Planänderung beinahe nach Wunsch. Eigentlich hätte die 25-Jährige gegen das tschechische Top-Talent Tereza Valentova spielen sollen. Nach deren verletzungsbedingter Absage rückte jedoch Darja Semenistaja als Lucky Loserin ins Feld.
Potapova ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Österreichs Nummer eins gewann in nur 75 Minuten mit 6:2, 6:2. Besonders beim Aufschlag überzeugte sie. Zehn Asse standen am Ende zu Buche, zudem gewann sie 73 Prozent der Punkte nach ihrem ersten Service.

Das Ranking macht die Rollenverteilung für Runde zwei klar. Potapova ist die Nummer 25 der Welt und in New York an Position 24 gesetzt. Ihre Saisonbilanz steht bei 27 Siegen und 19 Niederlagen.
Mit Leolia Jeanjean wartet nun allerdings eine erfahrene Gegnerin. Die 31-jährige Französin steht aktuell auf WTA-Rang 127 und setzte sich zum Auftakt gegen Arantxa Rus mit 7:6, 6:2 durch. Für Jeanjean war es der erste Sieg im Hauptbewerb der US Open. Ihre zuvor besten Grand-Slam-Ergebnisse waren die dritte Runde der French Open 2022 sowie die zweite Runde in Wimbledon in diesem Jahr.
Potapova und Jeanjean standen sich auf der Tour noch nie gegenüber. Die Österreicherin bringt deutlich mehr Tempo und Durchschlagskraft mit und dürfte vor allem mit ihrem Return versuchen, Jeanjean früh unter Druck zu setzen. Nach dem überzeugenden Auftakt spricht vieles für Potapova, aber sie darf die Französin nicht unterschätzen.
Tagger vor dem größten Match ihrer Karriere
Deutlich größer ist die Herausforderung für Lilli Tagger. Die Osttirolerin trifft erstmals überhaupt auf eine Spielerin aus den Top 10 der Weltrangliste. Dass diese Premiere ausgerechnet auf dem Grandstand bei den US Open gegen Amanda Anisimova stattfindet, passt zur rasanten Entwicklung der 18-Jährigen.
Tagger feierte zum Auftakt gegen Tamara Korpatsch ihren ersten Sieg in einem Grand-Slam-Hauptbewerb. Den ersten Satz gewann sie in nur 28 Minuten mit 6:0. Danach wurde es deutlich enger, doch auch den Tiebreak des zweiten Durchgangs entschied die Österreicherin für sich. Nach 1:56 Stunden stand der 6:0, 7:6-Erfolg fest.
Nun steigt der Schwierigkeitsgrad allerdings gewaltig. Amanda Anisimova ist Weltranglistenzehnte und gehörte noch zu Jahresbeginn als Nummer drei zu den drei besten Spielerinnen der Welt. 2025 erreichte die US-Amerikanerin sowohl in Wimbledon als auch bei den US Open das Finale. In New York schlug sie auf dem Weg ins Endspiel unter anderem Iga Swiatek und Naomi Osaka.
Die aktuelle Saison verlief aufgrund einer Handgelenksverletzung weniger geradlinig. Anisimova musste unter anderem Charleston und Madrid auslassen. Trotzdem steht sie bei einer Bilanz von 20 Siegen und elf Niederlagen, erreichte bei den Australian Open das Viertelfinale und zuletzt auch in Cincinnati die Runde der letzten Acht.
Dass die Amerikanerin in Flushing Meadows erneut weit kommen kann, zeigte sie gleich in Runde eins. An ihrem 25. Geburtstag fertigte Anisimova ihre Landsfrau Ashlyn Krueger mit 6:1, 6:3 ab. Nur 72 Minuten benötigte sie für den Erfolg und schlug dabei passend zu ihrem Geburtstag 25 Winner.
Gerade auf Hartplatz fühlt sich Anisimova besonders wohl. Drei ihrer vier bisherigen WTA-Titel gewann sie auf diesem Belag. Mit ihrem enorm druckvollen Grundlinienspiel und der starken Rückhand kann sie Ballwechsel früh übernehmen. Für Tagger wird es deshalb darauf ankommen, mit ihrem Service dagegenzuhalten und Anisimova durch Variation aus dem Rhythmus zu bringen.
Die beiden stehen sich zum ersten Mal gegenüber. Tagger kann dabei weitgehend ohne Druck aufspielen. Schon der erste Grand-Slam-Sieg ihrer Karriere war der nächste Meilenstein einer Saison, in der sie innerhalb weniger Monate von einem Talent zur Top-50-Spielerin aufgestiegen ist. Ein Erfolg gegen die Vorjahresfinalistin wäre nun ihr mit Abstand größter Sieg auf der Tour. Und er könnte eine besondere dritte Runde möglich machen. Setzen sich Tagger und Potapova durch, kommt es in New York zum direkten österreichischen Duell um einen Platz im Achtelfinale.
