"Serena-Fieber" in Wimbledon: Alle Augen auf Königin Williams

Serena Williams kehrt in diesem Jahr sensationell nach Wimbledon zurück.
Serena Williams kehrt in diesem Jahr sensationell nach Wimbledon zurück.REUTERS/Andrew Couldridge

An der Church Road herrscht wieder akutes "Serena-Fieber", die gesamte Sportwelt blickt gespannt auf den All England Club - doch ausgerechnet die Königin hegt noch Zweifel. Warum sie erst auf den letzten Drücker ihre Zusage für die Wildcard im Einzel von Wimbledon gegeben habe? "Bis dahin war ich mir einfach nicht sicher", sagte Serena Williams lächelnd: "Um ehrlich zu sein, bin ich mir immer noch nicht sicher. Aber wir werden es sehen."

Vier Jahre nach ihrem letzten Auftritt auf dem ehrwürdigen Rasen ist der Superstar zurück in "SW19". Am Dienstag nimmt die zweifache Mutter im Duell mit der Australierin Maya Joint ihre Grand-Slam-Karriere wieder auf. Doch schon vor dem ersten Ballwechsel auf dem Centre Court elektrisiert die Ausnahmeerscheinung wieder die Massen. Schließlich stellen sich alle - inklusive der Protagonistin - diese eine Frage: Kann Williams nach dieser langen Pause wirklich die Zeit zurückdrehen?

Zum Match-Center: Serena Williams vs. Maya Joint

Williams selbst scheint ihre sportliche Rolle zu kennen, der Griff nach dem achten Triumph beim Klassiker wirkt unerreichbar. Motiviert ist sie dennoch wie eh und je, vor allem, weil sie im Alter von 44 Jahren doch noch vor ihren beiden Töchtern Alexis Olympia und Adira River Ohanian spielen kann. "Ich glaube, dass meine Erwartungen insgesamt zum ersten Mal in meiner Karriere anders sind", sagte Williams, die auch im Doppel an der Seite ihrer Schwester Venus antritt. Sie habe das Gefühl, "dass ich es wirklich genießen werde, da draußen zu sein".

Noch habe die siebenmalige Turniersiegerin seit ihrer Ankunft in Wimbledon "nicht viele" Emotionen gespürt. Trotz der langen Abwesenheit seien die Abläufe im Londoner Südwesten aber "irgendwie wie Radfahren". Die Nervosität, da ist sie sich sicher, wird aber kommen.

In den Augen zahlreicher Stars der Szene hat Williams schon jetzt gewonnen. "Ich habe ihr gesagt, dass das, was sie tut, für mich persönlich, und sicherlich auch für Millionen Menschen auf der ganzen Welt, wirklich inspirierend ist", schwärmte der 24-malige Major-Champion Novak Djokovic, "egal was passiert." Und auch die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka ist "super aufgeregt, sie spielen zu sehen. Es ist unglaublich, was sie macht."

Stich und Rittner mit unterschiedlichem Feedback

Doch die überschwängliche Vorfreude auf die Fortsetzung der Williams-Show wird nicht überall geteilt. "Warum muss sie zurückkommen und nochmal spielen?", fragte sich Michael Stich in einer Presserunde von Prime Video: "Ich kriege es nicht in meinen Kopf hinein." Für die anderen Spielerinnen sei es "nichts Positives, weil ihnen Aufmerksamkeit genommen wird", kritisierte der Champion von 1991: "Von einer Spielerin, die überragend ist, aber nicht den Hauch einer Chance hat, Wimbledon zu gewinnen."

Für Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner ist das gesteigerte Interesse unabhängig vom sportlichen Ausgang ein wichtiges Zeichen für das Frauentennis. "Und wenn es nur für ein Match ist, ist es gut", sagte Rittner: "Es ist ein Riesenhingucker." Sie hoffe nur nicht, "dass hinterher alle fragen: Warum hat sie sich das angetan?"

Menschen würden dafür "leben, Athleten zu sein. Ich habe diese großartige Gelegenheit, zu zeigen, was ich mache – das, was ich am besten kann, nehme ich an", sagte Williams: "Wer weiß, ob ich es jemals wieder hierher schaffe. Das könnte die letzte Chance sein."