Die tschechische Offensive: Junge WTA-Talente im Rampenlicht der French Open

Nikola Bartůňková steht kurz vor dem Durchbruch…
Nikola Bartůňková steht kurz vor dem Durchbruch…REUTERS/Ciro De Luca

Während Mirra Andreeva und Victoria Mboko schon vor ihrem 20. Geburtstag die Weltspitze aufmischen, steht die nächste Generation junger Talente bereits in den Startlöchern. Im Fokus: Acht Spielerinnen, die bei den diesjährigen French Open für Furore sorgen könnten.

Iva Jovic

Sie war die Entdeckung zu Saisonbeginn. Nach ihrem Titel in Guadalajara Ende 2025 startete sie furios ins Jahr 2026: Finale in Hobart und der sensationelle Einzug ins Viertelfinale der Australian Open. Zuvor war sie bei Grand Slams nie über die zweite Runde hinausgekommen – erst Aryna Sabalenka konnte ihren Siegeszug stoppen.

Danach lief es zwar etwas holpriger, doch beim WTA-1000-Turnier in Rom meldete sie sich eindrucksvoll zurück: Gegen Coco Gauff erkämpfte sie sich nach einer starken Leistung den dritten Satz – nachdem sie sogar schon zum Match serviert hatte. Das beweist zwei Dinge: Erstens fühlt sie sich auf Sand pudelwohl, und zweitens reist sie mit großen Ambitionen nach Paris.

1. Runde: Alexandra Eala

Sára Bejlek

Sie galt als Speerspitze der neuen tschechischen Generation. Nach monatlicher Knochenarbeit auf der WTA-125-Tour feierte sie im Februar ihren großen Durchbruch und holte beim 500er-Turnier in Abu Dhabi ihren ersten WTA-Titel – inklusive Ausrufezeichen gegen etablierte Top-Spielerinnen wie Jeļena Ostapenko und Ekaterina Alexandrova.

Und seitdem? Herrscht vorerst Flaute. Nach vier Niederlagen in Serie wartet sie in dieser Saison noch auf ihren ersten Sieg auf rotem Sand. Aber Vorsicht: Letztes Jahr spielte sie sich hier durch die Qualifikation und stand zudem im Halbfinale des Juniorinnen-Turniers. Reicht das für eine Überraschung? Die Chance auf einen Setzplatz hat sie zwar verpasst, eine brandgefährliche Gegnerin bleibt sie allemal.

1. Runde: eine Qualifikantin

Maya Joint

Sie ist die große Wundertüte im Feld. Letztes Jahr stürmte sie mit gerade einmal 19 Jahren innerhalb eines Monats zu ihren ersten beiden WTA-Titeln und kletterte bis auf Platz 28 der Weltrangliste. Doch danach riss der Faden: Seit Januar wartet sie auf einen Sieg, kassierte zuletzt neun Niederlagen in Folge und verbucht insgesamt erst zwei Hauptfeldsiege bei Grand Slams. Und trotzdem bleibt ein Hoffnungsschimmer: Ihren Premierentitel feierte sie ausgerechnet auf Sand – was ihren Auftritt in Paris besonders spannend macht.

1. Runde: Anastasia Potapova

Nikola Bartůňková

Konstanz ist ihr Markenzeichen: Sie hat in dieser Saison bei jedem ihrer WTA-Turniere mindestens ein Match gewonnen. Schritt für Schritt geht es für sie nach oben – fast unbemerkt hat sie sich bereits auf Platz 65 der Welt vorgearbeitet. Dabei überzeugte sie mit Siegen gegen Kaliber wie Madison Keys oder Belinda Bencic. Und das mit erst 20 Jahren… Nach dem Drittrunden-Einzug bei ihrem Grand-Slam-Debüt in Australien bleibt die Frage: Wie weit fliegt sie diesmal? Angesichts der Auslosung könnte allerdings schon in Runde eins Endstation sein.

1. Runde: Victoria Mboko

Solana Sierra

Ihren ersten magischen Grand-Slam-Moment erlebte sie letztes Jahr auf dem heiligen Rasen von Wimbledon: Mit 21 Jahren zog sie als erste Lucky Loserin der Turniergeschichte ins Achtelfinale ein. Danach wurde es zwar etwas ruhiger um sie, doch sie sammelte fleißig Erstrundensiege, kletterte im Ranking und spielte sich zuletzt wieder ins Rampenlicht.

Nach einem starken Lauf bis ins Achtelfinale von Madrid zwang sie in Rom auch Coco Gauff in den dritten Satz. Ihre beiden WTA-125-Titel feierte sie auf Sand, zudem stand sie 2022 im Juniorinnen-Finale der French Open. Ein Belag wie gemacht für den nächsten Coup? Argentinien wartet schließlich seit der legendären Gabriela Sabatini im Jahr 1991 sehnsüchtig auf eine Grand-Slam-Finalistin.

1. Runde: Emma Raducanu

Tereza Valentová

Als dritte Tschechin im Bunde triumphierte sie 2024 im Juniorinnen-Wettbewerb der French Open. Seitdem zeigt ihre Entwicklungskurve steil nach oben, gekrönt von ihrem ersten WTA-Finale in Osaka im vergangenen Oktober. Rechtzeitig zu Paris fand sie mit dem Finaleinzug beim WTA 125er in Saint-Malo zu ihrer Topform zurück. Mit erst 19 Jahren ist sie eines der Aushängeschilder jener tschechischen Talentschmiede, die das Damentennis derzeit flutet. Einziger Haken: Bisher gilt sie eher als Hartplatz-Spezialistin.

1. Runde: Magda Linette

Lilli Tagger

Nach der French-Open-Siegerin der Juniorinnen von 2024 folgt nun die Triumphatorin von 2025. Sie hat bereits Geschichte geschrieben als erste Österreicherin, die ein Grand-Slam-Turnier im Nachwuchs gewinnen konnte. Nur zwölf Monate später erreichte sie das WTA-Finale in Jiujiang, knackte die Top 100 und besiegte Top-Spielerinnen wie Paula Badosa oder Liudmila Samsonova – und das alles mit gerade einmal 18 Jahren.

Sie ist das größte Versprechen für das österreichische Damentennis, das seit den Zeiten von Barbara Schett im Dornröschenschlaf lag (auch wenn man dieses Jahr von der Einbürgerung von Anastasia Potapova profitierte). Vor allem aber bringt sie ein Spiel mit, das wie gemacht für Sand ist: Eine krachende einhändige Rückhand und ein exzellentes Auge für die Geometrie des Platzes. Sie ist eine Investition in die Zukunft – könnte aber schon im Hier und Jetzt überraschen.

1. Runde: Xinyu Wang

Bonus: Ksenia Efremova

Der französische Tennisverband hat seinem größten Juwel eine Wildcard spendiert: Die amtierende Siegerin der Australian Open der Juniorinnen darf ran. Erste Erfahrungen auf der WTA-Tour hat sie bereits gesammelt und in Madrid unter anderem die ehemalige Wimbledon-Viertelfinalistin Lulu Sun bezwungen. Auch wenn ihr körperlich noch etwas die Durchschlagskraft fehlt – mit der lautstarken Unterstützung des Heimpublikums im Rücken ist ihr eine Überraschung absolut zuzutrauen.

1. Runde: Sorana Cîrstea