Das unglaubliche 7:6 (12:10), 3:6, 6:3, 6:7 (4:7), 7:6 (10:4) nach monströsen 5:15 Stunden gegen den Kanadier Félix Auger-Aliassime sei "eines der besten Matches, an denen ich in Wimbledon je teilgenommen habe", sagte der sichtbar abgekämpfte, aber glückliche Djokovic. Es war das längste Viertelfinale jemals im All England Club, löste um drei Minuten den Fünfsatzsieg von Rainer Schüttler gegen Arnaud Clément vor 18 Jahren ab. Und unterstrich, wie sehr es der so erfolgsverwöhnte einstige Tourdominator in diesem Jahr noch einmal wissen will.
Zum Match-Center: Jannik Sinner vs. Novak Djokovic
Dass er sein achtes Halbfinale nacheinander, sein 15. insgesamt beim bedeutendsten Tennisturnier, überhaupt sein kaum real wirkendes 55. bei einem Grand Slam erreichte - das interessierte den nimmermüden Djokovic nicht im Geringsten. Er werde sich "alle Zahlen anschauen, wenn ich meine Karriere beendet habe", sagte er: "Jetzt ist es alles noch Business, ich muss mich erholen. Ich bin immer noch im Turnier und treffe in ein paar Tagen auf den besten Spieler der Welt."
Auch Sinne rheiß auf Partie
Und gegen eben jenen brennt Djokovic nun auf Revanche. Sinner war es, der ihm im vergangenen Jahr im Halbfinale auf dem "heiligen Rasen" eine Lektion erteilt hatte. Glatt in drei Sätzen entzauberte der Südtiroler den Perfektionisten aus Belgrad, sorgte dafür, dass Djokovic zum ersten Mal seit 2017 nicht das Finale an der Church Road erreichte. Der Serbe habe "dieses Turnier schon so oft gewonnen und weiß genau, wie man es angeht", sagte der italienische Titelverteidiger, der im Viertelfinale die deutsche Hoffnung Jan-Lennard Struff bezwang: "Ich freue mich schon darauf."

Schon vor dem ersten Ballwechsel am Freitag elektrisiert das Match die Massen. Schließlich könnte es in diesem Jahr die letzte wirklich realistische Chance für Djokovic sein, Grand-Slam-Titel Nummer 25 zu holen, geschlechterübergreifend die alleinige Führung von der Australierin Margaret Court zu übernehmen. "Ich versuche immer noch, mir selbst und anderen zu beweisen, dass ich mit den besten Spielern der Welt mithalten und sie auf der größten Bühne schlagen kann", sagte Djokovic und schob vor dem Sinner-Kracher angriffslustig nach: "Hoffentlich gelingt mir das hier in London noch in ein paar weiteren Spielen."
