Zverev, der erstmals als höchstgesetzter Spieler in ein Grand-Slam-Turnier startete, rettete gerade so den siebten Sieg im siebten Spiel gegen Sonego ins Ziel. Um 1:55 Uhr Ortszeit und nach höchst intensiven 4:52 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball - die Mission zweiter Major-Titel ist trotz ungewohnter Schwächen beim Aufschlag und einer mauen Breakball-Quote im Gange.
"Er hat fantastisch gespielt, ich bin einfach nur happy, dass ich durch bin", sagte Zverev, nachdem er seinem tapferen Gegner am Netz um den Hals gefallen war: "Das war eine unglaubliche Schlacht. Ich glaube, das ist das längste Erstrundenmatch, dass ich jemals gespielt habe. Er hat überragend gespielt und hätte sicherlich viele Spieler geschlagen. Das ist genau das Spiel, das ich gebraucht habe. Ich hatte bei den letzten Turnieren Probleme und manchmal passieren gute Dinge, nachdem man sich durch ein solches Spiel wie heute gekämpft hat."
Zum Match-Center: Alexander Zverev vs. Lorenzo Sonego
Halys wartet in der nächsten Runde
Am Donnerstag wartet auf Zverev nun ein Wiedersehen mit dem Franzosen Quentin Halys, den er bei seinem Titel-Lauf in Paris in vier Sätzen bezwungen hatte. Er wird sich dort steigern müssen, um ein weiteres kräftezehrendes Match zu vermeiden.
"So eine Setzliste zeigt, dass du gut gespielt hast, aber das Wichtigste ist, welcher Name nach dem Finale oben steht", hatte Zverev vor Beginn gesagt. Die verletzungsbedingte Absage von Jannik Sinner hatte den Weltranglistenzweiten erst in die Spitzenposition katapultiert. Und zu Beginn wurde er seiner Rolle dann auch noch gerecht: Zverev dominierte die Ballwechsel und marschierte ungefährdet zum Satzgewinn. Lediglich ein spektakulärer Stolperer am Netz sorgte für Sorgenfalten in seiner Box, doch er stand schnell wieder auf.
Anschließend aber wurde Zverevs Spiel unrund. Seine Aufschlagquote brach ein, auch mit der Vorhand schien sich der Hamburger nicht wohlzufühlen und letztlich nutzte Sonego seinen zweiten Breakball. Zverev, der in Montréal und Cincinnati zuletzt überraschend früh ausgeschieden war, haderte und schimpfte wie in alten, weniger erfolgreichen Zeiten.
Nervöses Tennis
Der Satzverlust tat dem 29-Jährigen nicht gut. Im Gegenteil: Im dritten Durchgang schenkte er seinem Kontrahenten ein weiteres Break, mit einem unnötig verschlagenen Volley und einem abschließenden Doppelfehler beim Aufschlag. Zverev wirkte verunsichert, die beiden Niederlagen zuletzt schienen nicht spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein.
Der Finalist von 2020 verschlug nun Ball um Ball - Sonego, auch das gehörte zur Wahrheit dieser Partie, machte derweil kaum Fehler. Dem 31-Jährigen gelangen selbst schwierigste Schläge. Zverev fing sich gegen Ende des dritten Satzes, doch der Italiener war zu stark. In einem hochklassigen Tiebreak vergab Zverev erst einen Satzball bei Aufschlag seines Gegners, dann produzierte er zur Unzeit den nächsten Doppelfehler. Sonego jubelte, Zverev grübelte.
Im vierten Satz blieb die Partie hochklassig. Sonego spielte weiter überragend in der Defensive, doch Zverev biss sich durch und erzwang den entscheidenden Durchgang, der erst nach 1 Uhr Ortszeit überhaupt begann. Dort hatte der Deutsche den längeren Atem und belohnte sich für den Kraftakt.
