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Vom Fan zum Favoriten: Hebt Überflieger Vogel auch in Aachen ab?

Richard Vogel steht bei der Reit-WM in Aachen im Mittelpunkt.
Richard Vogel steht bei der Reit-WM in Aachen im Mittelpunkt.DOMENICO CIPPITELLI / NURPHOTO VIA AFP

Mit neun Jahren saß Richard Vogel im Wohnzimmer seines Opas und jubelte seinem großen Helden bei der WM 2006 im Fernsehen zu. "Marcus war schon immer mein größtes Idol", erzählt der Springreiter, "es gibt ganz wenige Ritte, die ich verpasst habe." Heute ist Vogel 29 Jahre alt, er ist amtierender Europameister, sein Teamkollege? Ebenjener Marcus - Marcus Ehning nämlich. Doch wenn es bei den Weltmeisterschaften in Aachen im Parcours hoch hergeht, sind die Augen mittlerweile vor allem auf Überflieger Vogel gerichtet.

Längst ist er der große Star der Szene, die Erfolge der vergangenen Jahren haben ihn ins Rampenlicht und in die Favoritenrolle katapultiert. Nun selbst eine Weltmeisterschaft, seine erste, im eigenen Land absolvieren zu dürfen, sei "der Wahnsinn", freut sich Vogel. Damals, auf der Couch des Großvaters, hätte er sich das "nie erträumen lassen".

Doch 20 Jahre nach den letzten Titelkämpfen in Aachen gibt der junge Reiter in der deutschen Equipe den Takt an - dass die Erwartungshaltung an das gesamte Team "sehr hoch" sei? Ein "absolutes Privileg", weiß Vogel. Klar, dass "der Ansporn auf jeden Fall eine Teammedaille und ehrlich gesagt auch die Goldmedaille" sein müsse.

Comeback nach enttäuschendem Olympia 2024

Druck scheint an dem "mit relativ guten Nerven geborenen" Spring-Star einfach abzuperlen. Vielleicht aber ist der Grund für die scheinbar unerschütterliche Ruhe, die Vogel dieser Tage in Aachen ausstrahlt, einfach sein vierbeiniger Erfolgspartner. In puncto Berühmtheit steht ihm Hengst United Touch in nichts nach, das Wissen um die Fähigkeiten seines Pferdes gebe ihm "eine gewisse innere Ruhe".

Seit Jahren sind die beiden ein Team, haben zusammen viel erlebt: Ausgerechnet auf der größten sportlichen Bühne bestritt Vogel sein erstes Championat, doch die Sommerspiele in Paris endeten für ihn in einer großen Enttäuschung. Umso eindrucksvoller meldete sich das Duo zurück, im Vorjahr krönte sich Vogel mit seinem Pferd zum Europameister - inklusive Rekordscore. Ende Mai triumphierte er im Großen Preis von Aachen, gewinnt er auch im September in Kanada, darf er sich Grand-Slam-Sieger nennen.

Die Zeiten, in denen er im Jugendalter Idol Ehning auf verschiedenen Plattformen "jede Woche sozusagen 'gestalkt'" habe, um dessen Skills "ein bisschen mit den Augen zu stehlen", sind folglich längst vorbei. Und die glühende Anhängerschaft von damals nimmt ihm sein 23 Jahre älterer Kollege nicht so recht ab. "Ich glaube, er denkt immer, ich übertreibe", sagt Vogel.

Seinen eigenen Weg sieht der Springreiter indes ganz nüchtern. Im Reitsport habe man "fast keine Zeit, um in ein außergewöhnliches Tief oder Hoch zu fallen", resümierte Vogel, auch bei Erfolgen "holt uns der Sport immer wieder ganz schnell auf die Füße und auf den Boden der Tatsachen." In der Soers will der Überflieger aber lieber abheben.


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