Trotz des Insulin-Dramas bei Gluthitze verabschiedete sich Alexander Zverev mit einem positiven Gefühl in Richtung Wimbledon. "Ich finde, dass ich mich auf Rasen recht gut gefunden habe", sagte der French-Open-Sieger und ließ nach seinem qualvollen Aus beim Heimspiel in Halle/Westfalen die ganz große Enttäuschung nicht aufkommen: "Mein Tennis war da. Ich war einfach physisch nicht in der Lage, es zu zeigen."
"Viel zu viel Insulin gespritzt"
Geschwächt durch eine Fehlfunktion seines Insulinsensors und beeinträchtigt von Rückenproblemen war seine 7:6 (7:4), 4:6, 5:7-Halbfinalniederlage gegen Angstgegner Taylor Fritz für den Typ-1-Diabetiker zur Pein geworden. "Ich hatte extreme Probleme mit meinem Zucker, weil der Sensor einen falschen Wert angezeigt hat", berichtete er. "Ich habe viel zu viel Insulin gespritzt. Ich habe mich scheußlich gefühlt."
Auswirkungen auf das Highlight an der Church Road ab dem 29. Juni drohen aber wohl nicht. "Ich denke nicht, dass es wegen der Sache Probleme geben wird", sagte Zverev, der entsprechend die schönen Momente seiner Rückkehr nach Deutschland als Grand-Slam-Sieger für sich abspeichern konnte.
Der Weltranglistendritte war nach dem ersten deutschen Majortriumph im Männereinzel seit 30 Jahren triumphal in der Heimat empfangen worden und surfte in Begleitung der gesamten Familie auf einer Welle der Begeisterung. "Vier Hunde und ein paar Kinder - da wird viel gespielt und natürlich muss der Papa da auch ran", sagte Zverev, der seine fünfjährige Tochter Mayla um sich herum hatte: "Es war eine wunderschöne Woche, auch wenn sie ein etwas enttäuschendes Ende hatte. Das Publikum war das beste, das es in Halle je für mich gab."
"Plötzlich Favorit in Wimbledon?"
Nach einem Abstecher ins österreichische Going am Wilden Kaiser zu einer Veranstaltung seiner Diabetes-Stiftung geht es für den Hamburger nun in Richtung London, wo er erstmals im Gefühl seines Grand-Slam-Triumphes an einem Topevent teilnehmen wird. So richtig konnte Zverev nicht beantworten, ob dies für ihn bei seinem bislang schwächsten Major spürbar etwas verändert.
"Im Tennis muss man, auch wenn es positiv ist, ein kurzes Gedächtnis haben", sagte der dreimalige Wimbledon-Achtelfinalist: "Ich werde alles dafür tun, dass ich mich gut vorbereiten werde und gutes Tennis zeigen kann."
Boris Becker ist überzeugt, dass Zverev auch erfolgreiches Tennis an dem Ort seiner größten Triumphe zeigen kann. "Ist er plötzlich Favorit in Wimbledon? Für mich ja", hatte der dreimalige Wimbledon-Champion nach Zverevs Sieg in Paris gesagt.
Und Angelique Kerber, die 2018 bei dem Klassiker ihren großen Coup landete, sieht Zverev auch in Lauerstellung auf die Spitze der Weltrangliste. "Die Nummer eins wird man, wenn man ein Jahr konstant gut spielt. Das hat er bisher. Wenn er weiter so gut spielt, kommt die Nummer eins von allein", sagte die 38-Jährige am Rande ihres Abschiedsspiels in Bad Homburg.
Zverev wird es vernommen haben.
Zum Match-Center: Alexander Zverev vs. Taylor Fritz
