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17 Titel in fünf Jahren: Wie Spanien den Weltfußball beherrscht

Die Weltmeister von 2026.
Die Weltmeister von 2026.ČTK / imago sportfotodienst / IMAGO

Männer, Frauen, Nachwuchs: Spanien räumt im Fußball seit Jahren überall ab. Ein Ende der Dominanz ist nicht in Sicht.

Die WM-Medaille baumelte gerade um den Hals von Spaniens Kapitän Rodri, da eilte Aitana Bonmati von der Seite heran. Die dreimalige Weltfußballerin war als TV-Expertin beim Finale im Einsatz, nun kam es zu einem bemerkenswerten Interview zwischen Weltmeister und Weltmeisterin. Am Ende war es Rodri, der sich verneigte. "Ich hoffe, dass ich irgendwann ihr Level erreichen kann", sagte der an Erfolgen nicht gerade arme Mittelfeldspieler.

Es war ein Gespräch auf Augenhöhe, das in der Geschichte des Fußballs bislang so nicht möglich gewesen war. Denn nie zuvor hatte ein Land gleichzeitig die WM-Titel bei Männern und Frauen inne - so wie derzeit Spanien. Am nächsten dran war noch Deutschland, das 2002 WM-Zweiter bei den Männern und 2003 Weltmeister bei den Frauen wurde.

Und damit nicht genug. Spanien ist aktuell auch Olympiasieger bei den Männern und Nations-League-Gewinner bei den Frauen. Im U19-Bereich heißt der Europameister aktuell in beiden Geschlechtern Spanien. Der U20-Weltmeister 2022 der Frauen? Spanien. Europameister 2024 der Männer? Spanien. Seit fünf Jahren hat das Land stolze 17 Titel abgeräumt.

Echte Dynastien seien im modernen Fußball eigentlich selten geworden, schrieb die New York Times anlässlich des WM-Finals. Spanien setze aktuell aber "ganz neue Maßstäbe", vor allem beim Blick auf beide Geschlechter. Und der Erfolg einer Fußballnation sollte "immer sowohl an den Männer- als auch an den Frauenteams gemessen werden", schrieb die Zeitung.

Kaum zu glauben: Über mehrere Jahrzehnte war Spanien auf globaler Ebene alles andere als erfolgreich. Die Männer waren vor 2010 bei Weltmeisterschaften nie über das Viertelfinale hinausgekommen. Die Frauen hatten sogar erst 2015 nach sechs vergeblichen Versuchen erstmals die Qualifikation geschafft. Nur acht Jahre später stürmten Bonmati und Co. direkt zum Titel.

Spanische Coach-Elite

Die Erfolge sind das Ergebnis einer jahrelangen, konsequenten Umsetzung eines klar definierten Spielstils, der sich durch alle Altersklassen und Geschlechter zieht. Hinzu kommen, gerade bei den Frauen, stark verbesserte Rahmenbedingungen in den Akademien. Das i-Tüpfelchen sei "eine Kultur des Respekts gegenüber den Gegnern und dem Prozess", befand die BBC.

Das Ergebnis sind nicht nur Titel, sondern auch Trainer im Überfluss. Allein in der englischen Premier League stammt auch nach dem Abschied von Pep Guardiola bei Manchester City ein Viertel der Teammanager aus Spanien - namentlich Mikel Arteta (FC Arsenal), Xabi Alonso (FC Chelsea), Andoni Iraola (FC Liverpool), Unai Emery (Aston Villa) und Álvaro Arbeloa (FC Fulham). Englische Trainer sind in Unterzahl.

Und ein Ende der Dominanz ist nicht in Sicht. Bei Spaniens Männern standen im WM-Finale in Lamine Yamal und Pau Cubarsí (beide 19) zwei Teenager in der Startelf. Bei den Frauen ist Nationalspielerin Vicky Lopez, immerhin dreimalige Champions-League-Siegerin, ebenfalls erst 19.

Auch Männer-Coach Luis de la Fuente macht der Konkurrenz wenig Hoffnung. Er habe sich durchaus gefragt, "was es denn noch zu gewinnen gibt, nachdem wir alles gewonnen haben?", verriet er zuletzt. Die simple Antwort: "Es zählt das nächste Spiel im September. Diese Mannschaft ist unersättlich."