Gold? Im Slalom? "Silber-Emma" Aicher gibt sich keinen Illusionen hin. "Mikaela Shiffrin", sagt Deutschlands Ski-Shootingstar über die Königin im Stangenwald, "fährt auf einem anderen Level".
Die US-Amerikanerin hat sieben der acht Weltcup-Rennen in diesem Winter gewonnen, 16 der letzten 20 und insgesamt unglaubliche 71 in ihrer Spezialdisziplin. Einerseits. Denn andererseits ist es auch so: Shiffrin und Olympia - das passt nicht (mehr) zusammen.
In ihren jüngsten acht Rennen bei Winterspielen hat die zweimalige Olympiasiegerin (2014 Slalom, 2018 Riesenslalom) das "Stockerl" verpasst - eine längere Durststrecke hatte sie im Weltcup nur einmal: Gleich zu Beginn ihrer Karriere, 2012, als sie das Podium neunmal verfehlte.
"Die Olympischen Spiele", schreibt Shiffrin in einem ihrer zunehmend philosophischen Beiträge im Netz, "erfordern von uns, auf der Weltbühne echtes Risiko einzugehen. Ein Risiko, das Mut erfordert und uns verletzlich macht." Wer wüsste das besser als sie? In Peking versank Shiffrin, geprägt vom Verlust ihres Vaters, in einem Meer aus Tränen.
Kann Aicher erneut die Königin ärgern?
In Cortina d'Ampezzo sollte alles besser werden. Dann verspielte sie in der Team-Kombination das sicher geglaubte Gold - Aicher fuhr mit Bestzeit zu ihrer zweiten Silbermedaille nach der Abfahrt, war eine Sekunde schneller als die Ski-Königin.
Die verpasste auch im Riesenslalom eine Medaille und blickte danach sorgenvoll auf das letzte Rennen dieser Spiele am Mittwoch (10.00/13.30 Uhr, ZDF und Eurosport). "Egal wie viele Slalomläufe ich mache, es wird nie einfacher. Man merkt erst richtig, wie anspruchsvoll es ist." Chance Aicher?
Die Vorbereitung auf den Showdown laufe "gut", sagt die 22-Jährige in ihrer typisch knappen Art und lacht: "Ja, ich freue mich schon."
Überwindet Dürr ihr Olympia-Trauma?
Aber da ist ja noch Camille Rast, die Weltmeisterin aus der Schweiz. Und deren Teamkollegin Wendy Holdener, 2018 Olympia-Zweite und 2022 -Dritte. Oder Lara Colturi, Paula Moltzan - und: Lena Dürr.
Die WM-Dritte von 2022 hat ihre Formkrise rechtzeitig überwunden. Im Riesenslalom lag sie bis kurz vor dem Ziel auf Medaillenkurs - und wurde traurige Neunte. 2022 hatte sie im Slalom sogar Gold im Blick, es wurde Blech. Hat auch Dürr ein Olympia-Trauma?
Die 34-Jährige ist bemüht, die Geschichte umzudeuten. Ja, diese Ergebnisse "tun weh", sagt sie, aber: Sie zeigten auch, dass sie mitkämpfen könne. Das Drama von Peking, als ihr 0,07 Sekunden zu Bronze und 0,19 zu Gold fehlten, habe sie "als richtig coolen Tag" abgespeichert. "Klar waren die Hundertstel da nicht auf meiner Seite", erzählt Dürr, "aber wie ich da parat war, ist mir positiv in Erinnerung - genau so will ich es auch jetzt angehen".
Oder, wie es die große Ski-Philosophin Mikaela Shiffrin formuliert: "Wir lieben innig, weil wir Verlust kennen. (...) Mögen wir uns alle gegenseitig unterstützen, behutsam mit dem umgehen, was wir nicht vollständig verstehen, und die Stärke haben, immer wieder anzutreten."
