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Austria gewinnt erstmals die „Tabelle der anderen Art“

Die Austria räumte 2025/26 groß ab
Die Austria räumte 2025/26 groß abČTK / APA / MAX SLOVENCIK

Nicht Tore und Punkte, sondern die Arbeitsbedingungen entscheiden: Austria Wien gewinnt die erste „Tabelle der anderen Art“ der ADMIRAL Frauen Bundesliga. Salzburg folgt knapp dahinter. Die anonyme Befragung von 100 Spielerinnen zeigt aber auch große Unterschiede innerhalb der Liga.

Austria Wien hat in der Saison 2025/26 nicht nur sportlich überzeugt. Nach Meisterschaft und Cupsieg führen die Veilchen auch die erstmals für die ADMIRAL Frauen Bundesliga erhobene „Tabelle der anderen Art“ der VdF – Die Spielervereinigung an.

Insgesamt 100 Spielerinnen bewerteten freiwillig und anonym ihren eigenen Klub. Abgefragt wurden zehn Bereiche des Vereins- und Arbeitsalltags auf einer Skala von null bis zehn. Daraus ergibt sich eine maximal mögliche Gesamtwertung von 100 Punkten.

Austria Wien kommt auf 79,1 Punkte und setzt sich knapp vor Red Bull Salzburg (77,8) durch. Mit deutlichem Abstand folgt der LASK auf Rang drei. Nicht Teil der Wertung ist der SCR Altach, dessen Spielerinnen nicht an der Befragung teilnahmen. Da der USV Neulengbach den Spielbetrieb seiner Frauenmannschaft eingestellt hat, umfasst das Ranking acht Vereine.

Austria überzeugt mit Ausgeglichenheit

Entscheidend für den Gesamtsieg der Wienerinnen ist vor allem die Konstanz über sämtliche Bereiche hinweg. In keiner der zehn Kategorien kommt die Austria auf weniger als 6,9 Punkte.

Bestwerte erzielt der Meister unter anderem bei der täglichen vorsorglichen medizinischen Betreuung (8,4), der Ausrüstung (8,0), der Organisation von Auswärtsreisen (8,9) und der Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit (7,9).

Salzburg führt sogar sechs der zehn Einzelkategorien an. Besonders positiv beurteilen die Spielerinnen die pünktliche Bezahlung (9,9), Klarheit und Einhaltung der Verträge (9,1) sowie die Infrastruktur (8,8). Schwächere Bewertungen bei der täglichen medizinischen Betreuung (5,8) und Öffentlichkeitsarbeit (5,2) verhindern jedoch den Gesamtsieg.

Hinter dem Spitzenduo öffnet sich eine deutliche Lücke. Der drittplatzierte LASK liegt bereits 12,3 Punkte hinter Salzburg. Dahinter folgen SKN St. Pölten (61,1), die SpG Südburgenland/TSV Hartberg (58,8), Blau-Weiß Linz/Kleinmünchen (56,5), Sturm Graz (55,2) und die Vienna (54,0).

 

Tabelle der anderen Art
Tabelle der anderen ArtVdF - Die Spielervereinigung

 

Große Unterschiede bei den Arbeitsbedingungen

Ligaweit schneiden vor allem grundlegende Bereiche vergleichsweise gut ab. Bei der Pünktlichkeit der Gehaltszahlungen liegt der Durchschnitt der acht Klubs bei 8,19 Punkten, bei der Vertragsklarheit bei 7,60. Die Organisation der Auswärtsreisen erreicht durchschnittlich 7,36 Punkte.

Die Einzelwerte zeigen allerdings große Unterschiede. Besonders auffällig ist die Gehaltspünktlichkeit: Salzburg erreicht nahezu perfekte 9,9 Punkte, der SKN St. Pölten lediglich 5,2.

Noch größer ist die Spannweite bei der Infrastruktur. Während Salzburg auf 8,8 Punkte kommt, bewerten die Spielerinnen der Vienna ihre Bedingungen mit lediglich 1,8. Auch Sturm Graz mit 2,8 und Südburgenland/Hartberg mit 3,7 Punkten bleiben deutlich unter dem Ligamittel von 5,56.

Zu den größten Arbeitsfeldern gehören außerdem die Angemessenheit der bereitgestellten Ausrüstung (Liga-Schnitt 5,13), die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit (5,24) sowie der Informationsaustausch zwischen sportlicher Leitung und Mannschaft (5,63).

„Professioneller Frauenfußball beginnt bereits bei klaren Verträgen, pünktlichen Gehaltsauszahlungen, verlässlicher medizinischer Betreuung und einer Infrastruktur, die Leistung ermöglicht“, erklärt Christos Papadimitriou, Women’s Football Coordinator der VdF.

Die Unterschiede seien trotz gemeinsamer Spielklasse beträchtlich: „Die Spannweite von 25,1 Punkten zeigt: Sportlich spielt die Liga unter einem gemeinsamen Dach, bei den täglichen Arbeitsbedingungen aber noch nicht überall auf demselben Niveau.“

Die VdF versteht die neue Wertung dabei nicht als öffentliche Abrechnung mit den Vereinen. Vielmehr soll die anonyme Befragung sichtbar machen, wie Spielerinnen ihren Arbeitsalltag tatsächlich erleben – und den Klubs konkrete Anhaltspunkte für Verbesserungen liefern.