Mit seiner Kritik nahm die norwegische Biathlon-Ikone Lägreid ins Visier, der nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Einzel live im Fernsehen unter Tränen von einem Seitensprung berichtet hatte. Das Geständnis verbreitete sich wie ein Lauffeuer - und sorgte dafür, dass der hochemotionale Olympiasieg seines Landsmanns Botn in den Hintergrund rückte.
"Bei Sturla liegen die Gefühle offen zutage. Er kann sie nicht verbergen", sagte Bö, der nicht als einziger scharfe Worte wählte. Auch Petter Northug, Langlauf-Legende der Norweger, missfiel Lägreids schier unglaublicher Auftritt.
Während Botn Erfolg habe, "wenn es darauf ankommt" und seinen kurz vor Weihnachten verstorbenen Freund Sivert Guttorm Bakken "ehre", schrieb Northug bei X, habe sich Lägreid stattdessen darauf konzentriert, "mit wem er geschlafen hat und mit wem nicht. Er wirkt dabei wie eine Figur aus 'Ex on the Beach'".
Er wolle dem Sieger "nicht die Show stehlen", sagte Lägreid auf der Pressekonferenz in Richtung Botn. Er hoffe, "dass es nur die nächsten ein, zwei Tage ein Thema ist", die Goldmedaille seines Teamkollegen sei dagegen "für immer".
Freundin wenig beeindruckt
Botn ließ sich zumindest äußerlich keinen Ärger anmerken, Lägreid könne "in der Mixed Zone tun, was er will. Ich entscheide nicht darüber, worüber er sprechen möchte." Für ihn sei es "in erster Linie ein persönlicher und emotionaler Sieg für mich selbst".
Doch während sich der glückliche Gewinner auf seinen größten Karriereerfolg fokussierte, hielt der Trubel um Lägreid an - weil sich auch noch dessen Ex-Freundin meldete. "Das ist schwer zu verzeihen", sagte die Frau der norwegischen Tageszeitung Verdens Gang über die Untreue, "selbst nach einer Liebeserklärung vor der ganzen Welt". Sie habe sich nicht ausgesucht, "in dieser Position zu sein, und es ist schwer zu ertragen. Wir hatten Kontakt und er kennt meine Meinung dazu."
Am Mittwoch entschuldigte Lägreid sich dann ganz offiziell bei Botn und seiner Ex-Freundin. Er "bedauere zutiefst, dass ich diese persönliche Geschichte an diesem für den norwegischen Biathlon so freudigen Tag angesprochen habe", wurde der Biathlet in einem Statement des norwegischen Teams zitiert.
Für das erhoffte "Happy End" kam diese Reue aber wohl zu spät.
