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DFB-Gegner Ecuador: Unterschätzt und doch nicht in WM-Form

Aktualisiert
Ecuador gehört zu den Dark Horses der WM
Ecuador gehört zu den Dark Horses der WMČTK / imago sportfotodienst / Alberto Gardin

Während sich viele Blicke in Südamerika traditionell auf Brasilien und Argentinien richten, hat sich Ecuador in den vergangenen Jahren still und leise zu einer der stärksten Mannschaften des Kontinents entwickelt. Bei der Weltmeisterschaft 2026 reiste "La Tri" als Zweiter der südamerikanischen Qualifikation nach Nordamerika.

Für Deutschland könnte Ecuador ein unangenehmer Gegner werden. Die Mannschaft verfügt über eine der besten Defensiven Südamerikas und besitzt mit ihrer jungen Generation enormes Entwicklungspotenzial.

Willian Pacho vom Champions-League-Sieger PSG ist Bundesliga-Fans aus seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt ebenso bestens bekannt wie Piero Hincapié, der im vergangenen Sommer von Bayer Leverkusen zum FC Arsenal wechselte – und mit den Gunners prompt die englische Meisterschaft gewann. 

LIVE-Tracker: Deutschland vs. Ecuador

Kaum Niederlagen vor dem Turnier

Die Ergebnisse während der Vorbereitungsphase zeigen, dass man die Ecuadorianer trotz eines schwierigen Starts in die WM 2026 nicht unterschätzen sollen. Im März trotzte das Team sowohl der Niederlande als auch Marokko jeweils ein 1:1-Unentschieden ab.

Zuvor gab es schon Punkteteilungen mit den Gastgebern Kanada, Mexiko und USA. Auch ein Sieg gegen Neuseeland (2:0) zeigte das Potenzial von Ecuador.

Die letzten beiden Testspiele vor Turnierbeginn gewann Ecuador trotz fehlender bzw. geschonter Top-Stars. Saudi-Arabien wurde mit 2:1 bezwungen, gegen Guatemala feierte man einen 3:0-Sieg.

Ecuador bejubelt einen Treffer gegen Guatemala
Ecuador bejubelt einen Treffer gegen GuatemalaCredit: ČTK / imago sportfotodienst / Dennis Rojas

Niederlagen waren zuletzt eine Seltenheit. Vor der Niederlage im Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste (0:1) gab es die letzte Pleite im September 2024. 

Besonders auffällig ist die Defensivstärke. Ecuador kassiert, seitdem Sebastián Beccacece das Team übernahm, nur noch sehr selten Gegentore und präsentiert sich gegen spielstarke Gegner äußerst diszipliniert. Die Kompaktheit in der Abwehr machte die Mannschaft bereits in der südamerikanischen Qualifikation zu einem der unangenehmsten Gegner überhaupt.

Trainerwechsel als Wendepunkt

Noch bevor "La Tri" in die WM-Qualifikation ging, entschied sich der ecuadorianische Verband zu einem Trainerwechsel. Nach einer durchwachsenen Copa América wurde Félix Sánchez Bas durch den Argentinier Sebastián Beccacece ersetzt. Unter dem Spanier hatte man mit Mühe die Gruppenphase beim CONMEBOL-Turnier überstanden, ehe man im ersten K.o.-Spiel gegen Argentinien ausschied. 

Beccacece bei seiner Vorstellung als ecuadorianischer Nationalcoach
Beccacece bei seiner Vorstellung als ecuadorianischer NationalcoachFoto von RODRIGO BUENDIA / AFP

Die Wirkung des Trainerwechsels war unmittelbar sichtbar. Unter dem neuen Übungsleiter Beccacece entwickelte sich Ecuador zu einer stabileren Mannschaft. Der Argentinier führte die Mannschaft zur erfolgreichen WM-Qualifikation. Seit seinem Amtsantritt zählt Ecuador zu den konstantesten Teams Südamerikas.

Die Starspieler: Eine goldene Generation

Der wichtigste Spieler ist ohne Zweifel Moisés Caicedo. Der Mittelfeldstar von Chelsea gehört inzwischen zu den besten zentralen Mittelfeldspielern der Welt. Seine Dynamik, Zweikampfstärke und Spielintelligenz machen ihn zum Motor der Mannschaft.

7Seine Leistung bestimmt darüber, wie weit es für Ecuador bei der WM gehen kann. Für Chelsea spielte er eine solide, wenn auch unauffällige Saison. Im Nationaltrikot wird seine Einbindung ins um einiges größer ausfallen als bei den Blues.

Caicedo ist der Kopf der Ecuador-Truppe
Flashscore

In der Defensive verfügt Ecuador über außergewöhnliche Qualität. Willian Pacho, Piero Hincapié und Pervis Estupiñán bilden eine der stärksten Abwehrreihen des Turniers. Pacho hat sich seit seinem Wechsel von Eintracht Frankfurt zu Paris Saint-Germain zu einem der besten Innenverteidiger der Welt gemausert.

Der 24-Jährige ist bei Paris als Leistungsträger absolut gesetzt. Hincapié und Estupiñán gehören in ihren Teams ebenfalls zum Stammpersonal und sind dabei wie auch Pacho Teil der Abwehrreihen-Elite im europäischen Fußball.

Moises Caicedo ist der Boss im Ecuador-Mittelfeld.
Moises Caicedo ist der Boss im Ecuador-Mittelfeld.Credit: ČTK / imago sportfotodienst / Alberto Gardin

Gleichzeitig sorgt Routinier Enner Valencia auch mit 36 Jahren in der Offensive immer noch für Torgefahr. Hinzu kommen Talente wie Kendry Páez, der die Zukunft des ecuadorianischen Fußballs sein soll und dem Team zusätzliche Kreativität verleiht.

Dennoch: Auf der Suche nach einer Schwäche sticht die Offensive ins Auge. So stabil die Abwehr der Ecuadorianer ist, so schwer tut sich "La Tri" im Spiel nach vorne. Nur Peru und Chile trafen in der Qualifikation seltener als das Team von Beccacece. Peru wurde Vorletzter, Chile Letzter der Quali-Gruppe.

Der Weg zur WM: Mit Minimalismus zu Platz zwei 

Die Qualifikation Ecuadors war außergewöhnlich stark. "La Tri" beendete die südamerikanische Ausscheidung auf Rang zwei hinter Weltmeister Argentinien.

Daran konnte sie drei Punkte Abzug aufgrund eines Meldevergehens aus der vorangegangenen Qualifikation auch nicht hindern. In der Quali kassierte die Mannschaft in 18 Spielen lediglich fünf Gegentore – ein herausragender Wert in der traditionell schwierigen CONMEBOL-Qualifikation. Seit Beccacece übernahm, waren es in elf Quali-Spielen nur zwei Gegentreffer!

Besonders beeindruckend war die Konstanz. Ecuador verlor zuletzt im September 2024 (0:1 gegen Brasilien), danach blieb man seit 19(!) Spiele ungeschlagen. Gegen direkte Konkurrenten punktete Ecuador zuverlässig und etablierte sich als eines der defensiv stabilsten Teams der Welt. Dadurch sicherte sich die Mannschaft frühzeitig die Teilnahme an ihrer fünften Weltmeisterschaft.

14 selbst erzielte Treffer sind das große Problem. Enner Valencia traf alleine sechsmal, kein anderer ecuadorianischer Akteur kam auf mehr als zwei Tore. So verwundert es wenig, dass das häufigste Ergebnis der Quali ein 0:0 war. Alleine vier der letzten fünf Pflichtspiele endeten 0:0. 

Enner Valencia ist Ecuadors offensive Lebensverischerung
Enner Valencia ist Ecuadors offensive LebensverischerungCredit: ČTK / imago sportfotodienst / Alberto Gardin

Die vorherigen Ergebnisse

Ecuador spielt eine bislang ergebnistechnisch schwache Weltmeisterschaft. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass "La Tri" keineswegs schlecht spielte, sondern zumeist an der eigenen Chancenvertung scheiterte 7

Die Mannschaft von Beccacece wartet weiterhin auf sein erstes Turniertor. Gegen die Elfenbeinküste trafen die Südamerikaner drei Mal Aluminium, im Duell mit Curacao hielt Eloy Room 15 Bälle und brachte "La Tri“ zur Verzweiflung.

Nun wartet das schwierigste Spiel der Gruppenphase gegen Deutschland und Ecuador braucht dringend Punkte, um noch eine Chance auf die K.o.-Phase zu haben. Ein Sieg gegen Curacao hätte den Ecuadorianern deutlich größere Chancen auf das Sechzehntelfinale eingeräumt, doch das Spiel endete mit einer Nullnummer. So ist Ecuador gegen Deutschland zum Siegen verdammt. 

Schlüsselfakten zu Ecuador 

WM-Teilnahmen: 4. Teilnahme (2006, 2010, 2014, 2026) 

Bestes WM-Ergebnis: Gruppenphase

Trainer: Sebastian Beccacece, FIFA-Weltranglisten-Position: 23

Wertvollster Spieler: Moises Caicedo (100 Mio. Euro Marktwert)

Players to watch: Moises Caicedo, Willian Pacho, Piero Hincapié, Kendry Paez, Enner Valencia

Kader-Marktwert: 368,70 Mio. Euro