DIE VORGESCHICHTE
Dass Jürgen Klopp nicht abgeneigt ist, das Amt zu übernehmen, schimmert bei seiner berühmten "Noch"-Aussage schon am Rande des WM-Eröffnungsspiels durch. Später kommentiert er die DFB-Spiele bei MagentaTV kritisch-wohlwollend auch mal im Trikot, nach dem neuerlichen Desaster sorgt seine kritische Analyse des Scheiterns ("Wir wurden aufgefressen!") für Aufsehen - und der Wunsch der Fußball-Nation steht schnell fest: Klopp muss es machen!
DIE BEREITSCHAFT
Am 3. Juli, vier Tage nach dem WM-Aus Deutschlands gegen Paraguay (3:4 i.E.), informiert der DFB über den Rücktritt von Julian Nagelsmann - und verkündet in derselben Erklärung, dass er bereits Kontakt zu Klopp aufgenommen und dieser "bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert" habe. Am selben Abend bekräftigt Klopp live on air: "Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt. Also ich bin bereit." Allerdings verweist er zugleich auf seinen bestehenden Vertrag als "Head of Global Soccer" bei Red Bull.
DIE UNTERSTÜTZUNG
Selten gab es eine so große Einigkeit wie in der Personalie Klopp. Der 59-Jährige sei "der beste Mann" für den Job, sagt Über-Experte Lothar Matthäus, vergleicht Klopp mit "Kaiser" Franz Beckenbauer und fordert "alle Befugnisse" für den neuen Mann. Klopp "ist für mich der Beste, den wir im Moment haben", meint Ex-Bundestrainer Berti Vogts.
Ehrgeiz, Fachwissen, Feuer, Kommunikation, Flair - alles passe. Ex-DFB-Manager Oliver Bierhoff spricht vom "Wunschtrainer", der frühere Kapitän Ilkay Gündogan meint: "Wenn es jemanden gibt, der den Job genau jetzt machen sollte, dann ist das wohl Jürgen Klopp." Nur die organisierten Fans äußern Bedenken wegen Klopps RB-Nähe, etwas Gegrummel gibt es bei den DFB-Landesverbänden.
DAS TREFFEN
Zehn Tage nach dem WM-Aus reisen DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Vize Hans-Joachim Watzke nach New York zu Klopp. Bei dem "konstruktiven Austausch" sei "eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt" worden, heißt es danach vom DFB. Klopp soll dem Vernehmen nach bis 2030 gebunden werden - "vorbehaltlich einer Einigung" mit Red Bull, wie es in der Verbandserklärung heißt.
DER POKER
Am Dienstag dieser Woche kommen Neuendorf und Watzke mit Klopps Boss Oliver Mintzlaff zusammen. Das Ziel: Den Traumprinzen aus den Fängen des Brause-Giganten zu erlösen - möglichst ohne Millionen-Zahlung und komplett, um einen Interessenkonflikt im Amt zu verhindern.
Nach dem Treffen sagt ein DFB-Funktionär dem SID, der Deal sei "auf der Zielgeraden". Auf dieser aber liegen noch kleine Etappenziele. Tags darauf informiert Neuendorf die zuständigen DFB-Gremien über den "positiven Verlauf" der bisherigen Verhandlungen.
DER KNACKPUNKT
Kommt es auf der "Zielgeraden" noch zu einem bösen Sturz? Noch steht das alles entscheidende Treffen zwischen Klopp und Mintzlaff im Umfeld des WM-Finals aus. Erst dort können die Modalitäten der Vertragsauflösung abschließend geklärt werden.
Auch noch nicht endgültig ausgeräumt scheint die Frage, wie gut sich Klopps Werbeverträge mit den DFB-Partnerschaften vertragen. Gelingt in beiden Punkten wie erhofft der Durchbruch, könnten Klopp und DFB gemeinsam ins Ziel kommen.
DAS ZIEL
Alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass es in der kommenden Woche erreicht wird. Nach Klopps Rückkehr aus den USA und dem Ende seiner Experten-Tätigkeit könnte er in der Frankfurter Verbandszentrale als Nagelsmann-Nachfolger vorgestellt werden. Sein erstes Länderspiel wäre jenes gegen die Niederlande am 24. September in Amsterdam im Rahmen der Nations League.
