Von "Benchmarks" und Wundern: DEB-Team jagt gegen Frankreich seinen Nimbus

Die deutschen Eishockey-Herren müssen gegen Frankreich eine Ehrenrunde drehen.
Die deutschen Eishockey-Herren müssen gegen Frankreich eine Ehrenrunde drehen.REUTERS/Mike Segar

Nach dem Nackenschlag gegen die USA schlüpfte Moritz Müller prompt in seine alte Rolle - doch in glorreiche Zeiten fühlte sich der einstige Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft deswegen noch lange nicht zurückversetzt. "Die besten Mannschaften, die ich hier erlebt habe, waren 2018 und 2023", erinnerte sich der Wortführer an die sensationellen Silber-Teams bei Olympia und WM. Und da, schob Müller entschieden hinterher, "müssen wir erstmal hinkommen".

Von der viel zitierten besten DEB-Auswahl der Geschichte, weiß Müller, war in Mailand bislang nicht viel zu sehen. Vielmehr scheinen Leon Draisaitl und Co. diesem Nimbus recht erfolglos hinterherzujagen, so auch beim enttäuschenden 1:5 (0:1, 0:2, 1:2) zum Abschluss der Gruppenphase gegen die USA.

"Wir haben mit Sicherheit die besten Spieler", sagte Müller mit Blick auf den mit NHL-Profis gespickten deutschen Olympia-Kader, "aber wir müssen auch verstehen, wie wir als Mannschaft auf dem Niveau zu spielen haben." Und das möglichst schnell. Bereits am Dienstag (12.10 Uhr/ARD und Eurosport) spielt das deutsche Team um seinen Medaillentraum - in der Qualifikationsrunde gegen Frankreich.

Draisaitl gegen US-Kollegen abgemeldet

Eine machbare Aufgabe, ja, beschlossen die Franzosen ihre Gruppenphase doch mit null Punkten und 5:20 Toren. Dennoch müsse man "demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können", warnte Müller in aller Deutlichkeit. Zu ernüchternd verlief die Vorrunde, zu inkonstant waren die Leistungen.

Zum Match-Center: Deutschland vs. Frankreich

Kaum verwunderlich also, dass sich nun viele Blicke auf Starspieler Draisaitl richten. Einen Tag nach seinem glücklosen Auftritt gegen Lettland schien der NHL-Superstar gegen die USA abgemeldet. Die berüchtigten Brüder Matthew und Brady Tkachuk wichen ihm kaum von der Seite, nervten ihn auch mit Sprüchen. Und als die Partie im letzten Drittel entschieden war, nahm Bundestrainer Harold Kreis seinen Kapitän quasi aus dem Spiel.

"Wir haben ganz tolle Eishockey-Spieler, die zu den besten auf der Welt gehören", betonte Müller: "Aber wir können nicht denken, dass wir denen jedes mal die Scheibe geben, und dann ein Wunder passiert." Stattdessen müsse man als Einheit "einfach besser", wieder "geradliniger" spielen. Und was meint der Bundestrainer? "Das haben die Spieler gesagt?", fragte Kreis auf Müllers Aussagen angesprochen: "Das wundert mich."

Der 67-Jährige schien eher darauf bedacht, Zuversicht zu versprühen. Das tatsächlich ganz ansehnliche erste Drittel gegen die USA sei nun die "Benchmark", betonte Kreis - und fand Zuspruch unter seinen Spielern. "Wir müssen uns die ersten 20 Minuten anschauen und daraus 60 machen", sagte Müller. "Dann", so der 39-Jährige, "können wir gegen jeden mitspielen."

Erinnerungen an 2018

Den Topnationen USA, Kanada und Schweden geht die DEB-Auswahl als glücklicher Gruppenzweiter erstmal aus dem Weg. Stattdessen würden im Viertelfinale die keinesfalls zu unterschätzenden Slowaken warten. "So ein bisschen" sei man "mit einem blauen Auge davongekommen", gab Verteidiger Moritz Seider zu, bevor er sich am Montag gemeinsam mit seinen Mitspielern dem Aktivierungsprogramm im Olympischen Dorf widmete.

Noch lebt der Medaillentraum. Zur Erinnerung: Auch 2018 hatte die deutsche Mannschaft die Vorrunde mit nur einem Sieg beendet. Moritz Müller kann sich gut erinnern.