"Es ist leider so": Preuß zerbricht am Olympia-Druck - und sucht Antworten

Franziska Preuß konnte die Erwartungen bei Olympia bislang nicht erfüllen.
Franziska Preuß konnte die Erwartungen bei Olympia bislang nicht erfüllen.REUTERS/Pawel Kopczynski

Für das Foto mit Stargast Joshua Kimmich fand Franziska Preuß doch noch ihr Lächeln wieder. Während Deutschlands Sportlerin des Jahres gemeinsam mit dem DFB-Kapitän und ihren Teamkollegen in die Kamera grinste, schienen jegliche Verzweiflung und die vielen Tränen zumindest für einen Moment weit weg. Die sportliche Realität ist nach ihrem erneuten Nervenflattern am Schießstand aber eine komplett andere, Preuß zerbricht immer wieder am großen Olympia-Druck - und sucht nun schnell nach Antworten.

"Ich merke schon, dass die Spannung im Körper steigt, und dann wird es unruhig. Dann schaffe ich es nicht mehr, dass ich den Schalter umlege, und es geht einfach so dahin", sagte die bitterlich enttäuschte Biathlon-Gesamtweltcupsiegerin nach der Verfolgung, in der sie wieder die Chance auf die Einzelmedaille beim letzten Schießen weggeworfen hatte. Eine passende Erklärung für das wiederkehrende Problem? "Keine Ahnung, woher das kommt", sagte Preuß: "Es ist leider so."

Mixed-Staffel, Einzel, Sprint – und jetzt das Jagdrennen: Preuß fällt bei ihren letzten Winterspielen in den entscheidenden Momenten regelrecht auseinander. Es sei "schon hart, dass 30 Sekunden ein echt gutes Rennen zerstören", sagte die Bayerin, die erstmals in Antholz komplett ratlos wirkte. "Aber so ist Biathlon."

Preuß habe es "richtig gut gemacht bis zu diesem letzten Schießen, hat die Tür weit aufgestoßen und es dann nicht geschafft durchzugehen", sagte Sportdirektor Felix Bitterling, der dennoch weiter an seine beste Athletin glaubt. "Sie hat es viele Jahre geschafft, in solchen Situationen zu bestehen." Doch auch er musste anerkennen, dass sie "derzeit struggelt".

Nicht nur Preuß bereitet dem Sportdirektor dieser Tage Sorgen, auch die deutschen Männer laufen seit Bronze in der Mixed-Staffel deutlich hinterher. "Der Auftakt war überragend, seitdem geht es schleppend voran", sagte Justus Strelow, der die gesamte Mannschaft für die anstehenden Aufgaben in die Pflicht nahm: "Wir müssen uns für die Staffel ordentlich zusammenreißen."

Hoffnung auf 2014-Revival

Hoffnung macht für das Rennen am Dienstag (14.30 Uhr/ARD und Eurosport) aktuell wenig. Doch auch in der Vergangenheit hatte das deutsche Team in einer schier aussichtslosen Lage den Schalter noch umgelegt.

"2014 waren wir in einer Situation, dass wir angereist sind und es wurde irgendwie was erwartet. Wir sind den Erwartungen hinterhergerannt - und sind als Sieger vom Platz gegangen", sagte Erik Lesser, der am Sonntag mit dem Rest der Sotschi-Staffel nachträglich Gold erhalten hatte: "Und vielleicht gibt es zwölf Jahre später auch eine ähnliche Geschichte."

Franziska Preuß vor der beeindruckenden Kulisse in Antholz
Franziska Preuß vor der beeindruckenden Kulisse in AntholzREUTERS/Matthew Childs

Auch Preuß hofft auf ein solches Happy End. Nach der Frauen-Staffel am Mittwoch (14.45 Uhr/ZDF und Eurosport) bleibt ihr aber nur noch der abschließende Massenstart am Samstag, um ihre ersehnte Einzelmedaille zu gewinnen - und auch dann wird der Druck spätestens beim letzten Schießen wieder maximal sein.

"Ja, diese letzten, entscheidenden 30 Sekunden ärgern mich immer noch, aber genau sie treiben mich an", schrieb Preuß bei Instagram - und blickte nach vorne: "Ich stecke den Kopf nicht in den Sand, ich arbeite weiter."