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EXKLUSIV: Ronaldinho über Wein und warum er als aktiver Profi nie für Alkohol warb

Ronaldinho war beim WM-Finale in New York vor Ort.
Ronaldinho war beim WM-Finale in New York vor Ort.ČTK / imago sportfotodienst / IMAGO

Der Übergang vom Profisport ins spätere Leben ist ein schmaler Grat. Wenn der letzte Schlusspfiff ertönt, müssen sich viele Fußballer neu erfinden. Auf der Suche nach einem neuen Adrenalinkick abseits des grünen Rasens gibt es zwei Wege: Die einen leihen kommerziellen Projekten lediglich ihren bekannten Namen – die anderen packen selbst an und greifen zu Erde, Most und Fassholz.

Einer, der in diesem rasant wachsenden Metier deutliche Spuren hinterlässt, hat das bereits auf dem Spielfeld getan: Ronaldinho. Im exklusiven Gespräch mit Flashscore nimmt der frühere Weltfußballer und brasilianische Ballzauberer kein Blatt vor den Mund. Mit Blick auf andere große Namen des Fußballs betont er stolz seine Rolle als Vordenker in der Weinwelt.

"Mittlerweile gebe ich den Ton an", erklärt der Brasilianer mit seiner typischen Mischung aus Stolz und Schalk. "Ich sehe, dass nach mir jetzt alle Wein machen wollen. Alle kopieren mich. Aber die Wahrheit ist: Der beste Wein bleibt meiner."

Was wie ein lockerer Spruch klingt, ist die Spitze eines ambitionierten Projekts. Vor über zehn Jahren entwickelte der Sportdirektor und Winzer Fabio Cordella eine Vision: Mit seiner Marke "Wine of the Champions" stellte er die wohl prominenteste "Fußballmannschaft" der Geschichte zusammen. Anstatt auf dem Platz stehen Legenden wie Buffon, John Terry, Cafu, Materazzi und eben Ronaldinho in Cordellas Kellerei bei Lecce in Apulien im Regal – ein einzigartiges Ökosystem aus über 20 ehemaligen Weltstars.

Eine Frage der Vorbildfunktion

Ronaldinho zieht dabei eine klare Linie zwischen seiner aktiven Zeit und dem Leben als Sportruheständler: "Nach der Karriere ist es völlig in Ordnung, sein Gesicht für ein alkoholisches Produkt herzugeben. Aber während der aktiven Zeit ist das etwas völlig anderes. Ein 10-, 12- oder 15-jähriges Kind kann die Bewunderung für sein Idol nicht vom beworbenen Produkt trennen. Ein aktiver Fußballer ist kein gutes Vorbild für Jugendliche, wenn er für Wein, Wodka oder andere Spirituosen wirbt. Wir können das heute tun, weil wir Legenden sind."

Für die Beteiligten ist das Projekt eine Herzensangelegenheit und weit mehr als bloßes Branding. Der Ansatz ist handwerklich, erdig und erfordert echten Körpereinsatz. "Alle Jungs waren bei uns im Keller", betont Cordella. "Jeder hat seine eigene Rebsorte, sein eigenes Etikett und hat seinen Wein persönlich ausgewählt."

Der Blick hinter die Kulissen zeigt eine Hingabe, die man von verwöhnten Weltstars kaum erwarten würde: Ronaldinho verbrachte mehr als eine Woche im Weinkeller, um die Fässer für seine Abfüllung akribisch auszuwählen. Eden Hazard kniete sich tief in die Materie hinein, verbrachte drei volle Tage auf dem Weingut und kehrte später sogar noch einmal zurück. Ivan Zamorano blieb zehn Tage lang vor Ort.

Noch weiter gingen Amauri und Sebastien Frey: Die beiden lebten mitten in der Pandemie zwei Wochen lang in der Kellerei und packten persönlich bei der Weinlese mit an.

Ronaldinho und der Wein

Diese ehrliche Handversessenheit steht im Kontrast zu den Schattenseiten der Branche, die in jüngster Zeit für Schlagzeilen sorgten. Dort verließen sich einige Prominente auf unseriöse oder improvisierte Geschäftspartner.

Schwerwiegende Ermittlungen erschütterten zuletzt die Produzenten der Weine von Superstars wie Lionel Messi oder Ex-Inter-Stürmer Adriano. Die involvierten Weinunternehmer gerieten ins Visier der Justiz – es ging um fünfjährige Haftstrafen wegen betrügerischer Insolvenz und Millionenbetrugs sowie um Verstrickungen in den internationalen Drogenhandel zwischen Kolumbien und Italien (im Rahmen der "Operation Bogota").

Ronaldinho fasst zusammen: Nach dem Schlusspfiff wartet ein ganzes Leben. Und um einen wirklich guten Wein zu machen, reicht es nicht, nur auf dem Etikett zu lächeln – man muss schon selbst mit anpacken.