Mit einer Mischung aus Vorfreude und Skepsis blickten viele nach Wien-Favoriten, um das Comeback von Auswärtsfans im Wiener Derby und das unerwartet ungleiche sportliche Duell zu sehen. Leider gaben einige Rapid-Fans den Skeptikern recht und sorgten dafür, dass es – zumindest in Favoriten – für längere Zeit das letzte Derby mit Auswärtsfans gewesen ist. Es gab allerdings auch positive Geschichten, wie das blau-weiße Lebenszeichen im Linzer Donaupark oder tapfere Rieder, die den LASK an den äußersten Rand der ersten Niederlage seit einer halben Ewigkeit brachten.
Diese und so manche andere Geschichten sorgten in der 19. Runde der ADMIRAL Bundesliga für einige Tops und Flops, die wir uns nun genauer ansehen.
TOP – Austria Wien bleibt trotz Lauf ruhig
Zwei Siege, sechs Punkte, Derby-Jubel – und trotzdem keine Spur von Übermut. Die Wiener Austria hat mit Erfolgen in Salzburg und gegen Rapid einen Traumstart ins Frühjahr hingelegt, bleibt aber demonstrativ am Boden.
Der 2:0-Heimsieg im Derby war hochverdient. Die Austria presste früh, nutzte Rapids Unsicherheiten konsequent aus und ließ über 90 Minuten kaum Zweifel aufkommen. In der 15. Minute nutzte Eggestein eine Unsicherheit in der Rapid-Abwehr eiskalt aus. Rund 20 Minuten später gab Ranftl mit seinem Treffer zum 2:0 Rapid vorzeitig den Rest. Schon in Salzburg hatte die Intensität den Unterschied gemacht, nun bestätigten die Veilchen ihre Form auch im emotionalsten Spiel der Saison.
„Wir haben in den letzten Wochen sehr viel investiert, um genau an diesem Punkt zu sein“, sagte Trainer Stephan Helm. Für ihn steht jedoch nicht die Tabelle im Vordergrund, sondern die Entwicklung: „Das A-Product ist die Performance, der Output ist das B-Product.“ Aktuell stimmt beides.
Trotz nur eines Punktes Rückstand auf Salzburg bleibt die Zielsetzung klar. „Das Wichtigste ist, in die Top 6 zu kommen“, betonte Kapitän Manfred Fischer. Kein Höhenflug, keine Titelträume, sondern Fokus, Intensität und Demut. Genau das macht die Austria derzeit so stabil.
FLOP – Rapid
Sportlich läuft es nicht, strukturell wirkt vieles verunsichert und nun sorgt auch das eigene Umfeld wieder für Negativschlagzeilen. Rapid steckt tiefer denn je in der Krise. Im Derby gegen die Austria setzte es die nächste Niederlage, die Unserie wuchs auf zwölf Pflichtspiele ohne Sieg an. Dabei war der Spielverlauf sinnbildlich: Rapid wollte agieren, produzierte im Aufbau aber zu viele Fehler und lud den Gegner förmlich ein. Beide Gegentore fielen nach Ballverlusten, nach 34 Minuten war die Partie de facto entschieden. „In der ersten Hälfte haben wir jeden Zweikampf, jeden zweiten Ball verloren – in einem Derby geht das nicht“, brachte es Andreas Weimann auf den Punkt.
Trainer Johannes Hoff Thorup sprach von fehlendem Mut am Ball. Räume seien da gewesen, man habe sie aber nicht genutzt. Die Mannschaft wirkte gehemmt, das Selbstvertrauen brüchig. Die Meistergruppe rückt in immer weitere Ferne.
Als wäre die sportliche Lage nicht schon schwierig genug, droht nun auch eine empfindliche Strafe nach den Derby-Ausschreitungen. Es war das lang ersehnte erste Wiener Derby seit Monaten, bei dem auch Auswärtsfans im Stadion waren. Es kribbelte, es knisterte – und eskalierte. Pyrotechnik auf dem Spielfeld und im Gästesektor führten zu einer Spielunterbrechung. Eine bedingte Heimsektorsperre könnte schlagend werden, zusätzlich steht eine saftige Geldstrafe im Raum. So wurde aus dem ersten stimmungsvollen Wiener Derby nach dem Auswärtsfan-Comeback ein grün-weißes Desaster. Mittlerweile hat Rapid auch schon verkündet, das Kartenkontingent für den Gästesektor bei Auswärtsderbys bis auf Weiters nicht mehr abzurufen. Rapid flopt damit weiterhin auf allen Ebenen: Sportlich, mental und im Umfeld.
TOP – Blau-Weiß mit wichtigem Lebenszeichen
Nach über vier Monaten ohne Sieg setzte Blau-Weiß Linz im Abstiegskampf ein dringend benötigtes Lebenszeichen. Der 2:1-Heimerfolg gegen den WAC war nicht nur der erste Bundesliga-Sieg unter dem neuen Trainer Michael Köllner, sondern vor allem ein Signal an sich selbst.
Shon Weissman brachte die Linzer per Elfmeter in Führung, nachdem Simon Seidl im Strafraum gefoult worden war. WAC-Coach Ismail Atalan sprach von einem „total dummen“ Foul. Blau-Weiß nahm das Geschenk dankend an. Joker Ronivaldo erhöhte in der Schlussphase, der späte Anschlusstreffer änderte nichts mehr am verdienten Erfolg.
Tabellarisch bleibt Blau-Weiß zwar Schlusslicht, verkürzte aber den Rückstand auf den GAK. Wichtiger als die Zahlen war jedoch die Wirkung im Kopf. „Unglaublich, wir haben echt schon lange nicht mehr gewonnen“, sagte Simon Seidl und sprach von einem möglichen Wendepunkt. Auch Köllner betonte die mentale Komponente: Der erste Schritt sei getan, nun gehe es darum, nachzulegen. Nach vielen schwachen Auftritten zeigte Blau-Weiß eine klare Steigerung in Intensität und Überzeugung. Noch müssen sie viel aufholen, aber der Glaube ist zurück.
FLOP – Salzburg und Sturm lassen Federn
Im Titelrennen mussten sowohl Red Bull Salzburg als auch Sturm Graz empfindliche Rückschläge hinnehmen und das gegen Gegner aus der unteren Tabellenregion. Salzburg kam beim Vorletzten GAK nicht über ein 1:1 hinaus und ließ damit zwei wichtige Punkte liegen. Trainer Thomas Letsch sprach von einer verschlafenen Anfangsphase und fand die Gesamtleistung „alles andere als okay“. Zwar übernahmen die „Bullen“ nach dem Rückstand mehr Kontrolle und glichen aus, doch es fehlte die letzte Entschlossenheit. „Am Ende hat der letzte Punch gefehlt“, meinte Kerim Alajbegovic selbstkritisch. Für den GAK fühlte sich das Remis wie ein gewonnener Punkt an, für Salzburg wie eine Niederlage.
Noch deutlicher war der Dämpfer bei Sturm Graz. Der amtierende Meister verlor bei der WSG Tirol mit 0:1 und kassierte bereits die achte Saisonniederlage. Heimkehrer Jusuf Gazibegovic forderte, man müsse „mit mehr Herz spielen und spielen wie ein Meister“. Trainer Fabio Ingolitsch zeigte sich enttäuscht vom Auftritt seiner Mannschaft und sprach davon, „den Finger in die Wunde legen“ zu müssen.
TOP – Ried kann nach unglücklichem Remis gegen den LASK stolz sein
So bitter sich ein Gegentor in der 103. Minute anfühlt, die SV Ried durfte dieses Derby dennoch mit erhobenem Haupt verlassen. Beim 1:1 gegen den formstarken LASK zeigte der Aufsteiger über weite Strecken eine reife und leidenschaftliche Leistung.
Ried ging in Führung, hatte sogar die große Chance auf das 2:0 und verteidigte in der zweiten Hälfte mit enormem Einsatz. Erst ein unglückliches Handspiel von Ante Bajic in der Nachspielzeit brachte den LASK vom Punkt zurück ins Spiel. „Da tut es mir für die Jungs leid, wenn du dich so aufopferst und in der letzten Minute ein unglückliches Handspiel entsteht“, meinte Trainer Maximilian Senft.
Trotz der Enttäuschung war von Resignation nichts zu spüren. Senft sprach von „wenig hängenden Köpfen“ in der Kabine und hob die Mentalität seiner Mannschaft hervor. Auch die Qualität des Gegners ordnete er realistisch ein: „Wir haben heute einen Punkt gegen eine unglaubliche Kaderqualität des LASK geholt.“ Gegen ein Team, das seit Monaten ungeschlagen ist, hielt Ried voll dagegen.
