Selbst Kovac war nicht eingeweiht: Dortmunds Matchwinner Guirassy trifft und trauert

Serhou Guirassy hat während der Partie gegen Atalanta seiner verstorbenen Nichte gedacht.
Serhou Guirassy hat während der Partie gegen Atalanta seiner verstorbenen Nichte gedacht.REUTERS/Leon Kuegeler

Mit der emotionalen Botschaft für seine verstorbene Nichte Aissata überraschte Serhou Guirassy selbst seinen Trainer. "Nein", von dem schlimmen Schicksalsschlag "wusste ich nichts. Ich werde sicherlich das Gespräch mit ihm suchen", sagte Niko Kovac voller Mitgefühl über seinen Stürmer, der seinen riesigen sportlichen Wert für Borussia Dortmund bewiesen, aber vor allem auf die Vergänglichkeit des Lebens hingewiesen hatte.

Als die BVB-Fans beim 2:0 (2:0) gegen Atalanta Bergamo im Play-off-Hinspiel der Champions League gerade lauthals Guirassys 1:0 bejubelten (3.), zog der Torschütze sein Trikot hoch und hielt sein gelbes Unterhemd mit den handgeschriebenen Zeilen für die Tochter seines großen Bruders in die Kameras. "Aissata Guirassy. Möge er sie in seinem großen Paradies willkommen heißen", stand dort geschrieben.

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Seinem trauernden Bruder "stehen wir bei und sind für ihn da", sagte Guirassy später bei Prime Video: "So ist das Leben, man muss stark sein, denn irgendwann sterben wir alle."

BVB erwartet "riesigen Fight" in Bergamo

Auf dem Platz war Guirassy nicht anzumerken, dass er gerade einen solchen Schicksalsschlag erlitten hatte. Nicht nur mit seinem Tor und der Vorlage für Maximilian Beier (42.) machte er gegen biedere Italiener den Unterschied, er war auch als Anspielstation in der Offensive immens wichtig. "Ich bin heilfroh, dass er wieder in Fahrt kommt", sagte Sportdirektor Sebastian Kehl: "Wir brauchen einen torgefährlichen Serhou Guirassy, um unsere Ziele zu erreichen."

Das erste, der Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse, scheint nun zum Greifen nah, wenngleich Sportdirektor und Trainer bereits jetzt vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN und Flashscore-Audioreportage) in Bergamo warnten. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass das nächste Woche ein riesiger Fight wird, nur dann werden wir eine Nummer weiterkommen", betonte Kehl. "Es wird ein heißer Tanz werden", mahnte Kovac. Sollte Bergamo ein schnelles Tor gelingen, sei alles möglich. Auch Mittelfeldspieler Julian Brandt fand das 2:0 "gut", aber auch "ein bisschen gefährlich".

Doch mit Serhou Guirassy in dieser Verfassung wirkt alles leichter. Sechs Tore in den vergangenen vier Spielen hat er erzielt und den BVB damit nochmals deutlich stärker gemacht. Dortmund ist ohnehin gefestigt, ein treffsicherer Stürmer hilft ungemein. Im Achtelfinale könnte es gegen Bayern München gehen, am 28. Februar steht in der Bundesliga der Gipfel gegen den deutschen Rekordmeister an.

So weit wollte Kehl längst nicht denken, für Guirassy hatte er dennoch ein Extralob übrig. "Er hat hart gearbeitet und an sich geglaubt", sagte er. Guirassy sei "extrem schwer zu verteidigen. Er hat sein Näschen nicht verloren." Und sein Gespür für emotionale Botschaften ebenfalls nicht.