Hansi Flick brummelte ins Mikrofon: Nein, zur Schiedsrichterleistung gebe er keinen Kommentar ab, sagte der Cheftrainer vom FC Barcelona. "So sind das Leben und der Fußball", kommentierte der ehemalige Bundesliga-Trainer lediglich den Platzverweis gegen Eric Garcia.
In der 80. Minute foulte der Innenverteidigen seinen Gegenspieler Alexander Sörloth knapp vor dem eigenen Strafraum. Der Unparteiische wertete den Schubser zunächst als Gelbe Karte, entschied nach einem Blick auf den VAR-Monitor stattdessen aber auf Notbremse. Unter anderen Umständen wäre die Situation wohl nur als hart geführter Zweikampf betrachtet worden.

Missglückte Aufholjagd
Zu diesem Zeitpunkt lag Barcelona mit 2:1 in Führung, ein weiteres Tor wäre nötig gewesen, um zumindest die Verlängerung zu erzwingen. Es wäre nicht unverdient gewesen. Immerhin dominierten die Katalanen das Spiel, legten in Madrid los wie die Feuerwehr.
Insbesondere Lamine Yamal zeigte vom Anpfiff weg, dass er ins Halbfinale der Champions League einziehen und die Niederlage aus dem Hinspiel (0:2) möglichst rasch aufholen möchte. Mit Traumpässen und zauberhaften Dribblings erzeugte der 18-jährige Superstar viel Druck. So sorgte er auch für die frühe Führung (4. Minute). Als Ferran Torres nach einem perfekten Zuspiel von Dani Olmo erhöhte (24. Minute) schien vieles auf eine Remontada hinzudeuten.

Doch Atlético ließ nicht locker, Ademola Lookmann erzielte noch vor der Halbzeitpause den wichtigen Anschlusstreffer für Atleti. Nach einem schön gespielten Konter blieb der ehemalige Leipziger nervenstark.
Match-Center: Atlético Madrid vs. FC Barcelona
Raphinha explodiert
Nach dem Seitenwechsel rückte dann vielfach das Schiedsrichtergespann rund um Clement Turpin in den Fokus. Den verletzten Raphinha veranlasste das zu einem Wutausbruch. In der Mixed Zone schimpfte der Brasilianer, dass Barcelona "beraubt" worden sei, den Katalanen sei der Einzug ins Halbfinale "gestohlen" worden.
Derlei Verschwörungstheorien sind beim Kontinentalverband UEFA traditionell nicht gerne gesehen. Vereinspräsident Joan Laporta nannte die Schiedsrichterleistung eine "unerträgliche Schande" und kündigte eine erneute Beschwerde an: wie nach dem Hinspiel.
Unterschiedliche Meinungen
Tatsächlich wurde die Szene um Eric Garcia in den Medien unterschiedlich bewertet. Der ehemalige deutsche Spitzen-Schiedsrichter Manuel Gräfe, der allzugerne die Pfiffe seiner einstigen Kollegen kritisiert, urteilt auf X, dass der VAR den "Fußball schlechter" macht. Anders sah es der Experte der spanischen Zeitung El Mundo Deportivo: "Letzter Mann, klare Torchance, gute Entscheidung."
Hansi Flick war es gleich. Voller "Stolz" sprach er über seine Spieler, die besonders in der ersten Halbzeit grandiosen Fußball geboten hatten: "Wenn man auf beide Spiele schaut, hätten wir es verdient gehabt, weiterzukommen. Es ist sehr enttäuschend, aber wir kommen wieder."
Immerhin den Meistertitel hat Barcelona angesichts von neun Punkten Vorsprung auf Real Madrid fast sicher.

