Für die leidenschaftlichen Anhänger der beiden Arbeitervereine aus Englands Hauptstadt ist es aber noch weitaus mehr. Wenn am Samstag (13.30 Uhr MESZ) das 100. "Dockers Derby" der Geschichte im berüchtigten "The Den" ("Die Höhle") von Millwall vor 20.146 Zuschauern steigt, endet eine 14-jährige Durststrecke. 2012 fand das bislang letzte Derby der extrem verhassten Vereine statt. West Ham gewann zu Hause 2:1, bei Millwall spielte ein gewisser Harry Kane, der als damals 19-Jähriger von Tottenham Hotspur ausgeliehen war und später mal sagte, die Zeit dort habe ihn "zum Mann gemacht". Das Spiel wird im Vereinigten Königreich frei empfangbar auf ITV übertragen.
Seither spielten die Vereine nicht mehr in einer Liga, zum Gefallen der Londoner Polizei ergab auch die Auslosung in den Pokalwettbewerben kein Aufeinandertreffen. Beim Duell im League Cup 2009 kam es zu massiven Ausschreitungen, dutzende Fans stürmten den Platz. Die Vorfälle gingen als "Upton Park Riots" als unrühmliches Kapitel in die englische Fußballgeschichte ein.
Millwall-Boss erwartet "großartige Atmosphäre"
Im Rahmen der Partie wurde zudem ein Millwall-Fan vor dem damaligen Stadion West Hams in die Brust gestochen, schon 1976 sowie 1986 waren Fans im Rahmen von Auseinandersetzungen ums Leben gekommen. Es erschienen bereits mehrere Werke über die Rivalität der Fanszenen, unter anderem der Film "Hooligans" mit Hollywood-Star Elijah Wood (2005).
Damit beim wenig herzlichen Wiedersehen alles ruhig bleibt, vervierfachte die Londoner Polizei ihre Präsenz auf etwa 400 Beamte rund um das Derby der wenige Kilometer voneinander entfernt beheimateten Klubs. Die Beteiligten freuen sich aber vor allem auf den Hexenkessel. "Es dürfte eine großartige Atmosphäre herrschen. Das bedeutet unseren Fans und allen, die mit den beiden Vereinen verbunden sind, sehr viel", sagte Millwalls Teammanager Alex Neil, dessen Verein seit 22 Jahren auf einen Sieg gegen den aktuelle Tabellenführer West Ham wartet.
Zum Match-Center: FC Millwall vs. West Ham United
Der Status als favorisierter Tabellenerster dürfte West Ham wenig nützen. "Es wird interessant sein zu sehen, wie West Ham mit 'The Den' und ähnlichen Dingen zurechtkommt", sagte Neil. Während die Polizei versicherte, sie wolle, "dass die Fans das Spiel sicher genießen können", und habe "gemeinsam mit beiden Vereinen daran gearbeitet, dies zu ermöglichen", gaben die Medien eine ganz eigene "Warnung" heraus: "Londoner, versperrt eure Türen und bleibt den Straßen fern", schrieb Fox Sports.
