Nach fünf Siegen und einer Niederlage aus den ersten sechs Spielen liegt Real Madrid derzeit drei Punkte hinter dem ungeschlagenen Tabellenführer Barcelona. Atlético rangiert auf Platz drei. Die Siege bei Espanyol und Elche sicherten sich die Königlichen allerdings erst durch späte Treffer von Joker Carlos Espi, um an Barcelona dranzubleiben.
"Das Problem ist für mich offensichtlich. Warum das so ist, ist schwerer zu sagen, aber man sieht leicht, dass manche Spiele eigentlich schon entschieden scheinen und es am Ende plötzlich doch nicht sind", sagte Mourinho.
"Es gibt Partien, in denen wir drei, vier oder fünf Chancen haben, alles klarzumachen, sie aber liegen lassen. Und wenn wir das verpassen, kippt die Stimmung: Aus der gefühlten Leichtigkeit wird auf einmal Kontrollverlust."
Der taktisch gewiefte Atlético-Trainer Diego Simeone dürfte genau auf solche Unkonzentriertheiten der Madrilenen lauern. Mourinho betonte jedoch, dass die Defensivschwächen kein punktuelles Problem seien: "Das betrifft nicht nur das Spiel am Sonntag, sondern jede Partie. Ich liebe es, wenn mein Team Tore schießt – aber genauso wichtig ist mir die Spielkontrolle. Ich mag es überhaupt nicht, die Zügel aus der Hand zu geben. Es geht nicht nur um die Gegentore, sondern um den Kontrollverlust an sich."
Gegen Atlético (Sonntag 16:15 Uhr live in der Flashscore-Audioreportage) wird Bernardo Silva voraussichtlich wieder in der Startelf stehen, nachdem er am Dienstag gegen Elche geschont wurde. Seine Rückkehr könnte Madrid mehr Stabilität verleihen, auch wenn Mourinhos Kader trotz namhafter Sommer-Transfers nicht primär auf Ballbesitz und Kontrolle ausgelegt wirkt.
Zum Match-Center: Atletico Madrid vs. Real Madrid
"Wir sind eine extrem dynamische Mannschaft: Wir erobern den Ball und schalten sofort mit hohem Tempo um", erklärte Mourinho.
Geprägt wird das Spiel der Madrilenen vor allem durch das Star-Trio Vinícius Júnior, Kylian Mbappé und Jude Bellingham. Ihr Stil sorgt zwar unabhängig vom Spielverlauf für enormes Tempo, macht das Team phasenweise aber auch defensiv anfällig.
Trikot-Aktion um Ceuta sorgt für Wirbel
Auf Vinícius Júnior wartet im Auswärtsspiel am Sonntag ohnehin eine geladene Atmosphäre. Der Brasilianer, der bei Atlético-Fans regelmäßig auf Vorbehalte stößt, zog zuletzt gemeinsam mit Kylian Mbappé und Ibrahima Konaté zusätzlichen Unmut auf sich: Das Trio trug ein Soli-T-Shirt für die Menschen in der spanischen Exklave Ceuta, die von einer Migrationskrise mit Marokko betroffen ist, nicht vollständig entfaltet.
Die Spieler hatten die Aufschrift "Wir sind alle Ceutaner" teilweise verdeckt, was ihnen unter anderem Kritik von La-Liga-Präsident Javier Tebas einbrachte. Mbappé stellte klar, dass er das Shirt hochgekrempelt habe, um ein Zeichen für die Migranten zu setzen, die beim Grenzübergang ihr Leben verloren haben – bei gleichzeitiger Unterstützung für die Einwohner Ceutas.

Sportlich lief es für Vinícius zuletzt ebenfalls nicht nach Wunsch: Wegen schwacher Chancenausbeute wurde er sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Auch beim knappen Erfolg in Elche blieb er glücklos.
Mourinho betonte jedoch, dass er gelassen auf den Durchbruch des Angreifers warte, der Madrid einst zu zwei Champions-League-Titeln führte – der Sonntag wäre dafür der perfekte Zeitpunkt.
"Die Tore werden kommen, ich darf nur nicht so viele Chancen vergeben", zeigte sich Vinícius nach seinen drei vergebenen Möglichkeiten gegen Elche auf Instagram selbstkritisch. Der Brasilianer steht in dieser Saison erst bei einem Treffer, während Mbappé wettbewerbsübergreifend bereits acht Tore erzielt hat.
Mourinho lobte die treffsichere Form des Franzosen als "nicht normal". Mbappé selbst sieht das Derby als nächste Chance, Eigenwerbung für den Ballon d'Or zu machen und den Druck auf Barcelona hochzuhalten.
Simeone hofft auf Copa-Wiederholung
Seit Mbappés Ankunft im Sommer 2024 wartet Real Madrid noch auf einen großen Titel. Um Hansi Flicks torgefährliche Barcelonesen zu stoppen, die zuletzt zwei Meisterschaften in Folge feierten, darf sich Real kaum Ausrutscher erlauben – erst recht nicht gegen Simeones Atlético.
Die beiden Trainer trafen während Mourinhos erster Amtszeit in Madrid viermal aufeinander. Mourinho gewann drei dieser Duelle, doch Simeone entschied das wichtigste für sich: das Copa-del-Rey-Finale 2013. Sollte Madrid am Sonntag im Metropolitano in Führung gehen, bleibt abzuwarten, ob die Mannschaft Mourinhos Mahnungen beherzigt und Atlético nicht wieder ins Spiel kommen lässt.
